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Stotternder Start Bezahlen mit WhatsApp: Brasilien blockiert Zuckerbergs Pläne

Schwerer Rückschlag für Facebooks wichtiges Finanzprodukt: In Brasilien wollte Mark Zuckerberg WhatsApp Pay einführen. Doch Zentralbank und Kartellbehörde fürchten ein Monopol.
01.07.2020 - 11:17 Uhr 2 Kommentare
In Brasilien hat sich der Widerstand gegen das neue Bezahlsystem von WhatsApp schnell formiert. Quelle: Reuters
WhatsApp-Logo

In Brasilien hat sich der Widerstand gegen das neue Bezahlsystem von WhatsApp schnell formiert.

(Foto: Reuters)

Salvador Brasilien sollte, wenn es nach Facebook-Chef Mark Zuckerberg geht, der globale Testmarkt für WhatsApp Pay werden. In dem südamerikanischen Land sollte das neue Zahlungssystem für bargeldloses Zahlen per Smartphone weltweit erstmals eingeführt werden. Die soziale Chatplattform WhatsApp sollte dafür genutzt werden.

Noch Anfang Juni hatte Zuckerberg auf seinem Blog dafür geworben: „Mit WhatsApp Pay wollen wir Geldüberweisungen so einfach machen wie Fotos schicken“, schrieb er. Doch der Weg dorthin stellt sich als wenig einfach heraus.

Denn in Brasilien hat sich der Widerstand gegen das neue Bezahlsystem von WhatsApp schnell formiert: Die Zentralbank und die Kartellbehörde haben der Facebook-Tochter untersagt, das neue Bezahlsystem über die Chatplattform WhatsApp zu betreiben.

Den beteiligten Kreditkartengesellschaften wie Mastercard und Visa sowie dem Zahlungsabwickler Cielo drohen hohe Strafen. Die Behörden fürchten, dass die Facebook-Tochter ein Monopol aufbauen könnte, das andere Konkurrenten vom Markt ausschließt.

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Standort erkennen

    Zuckerbergs Hoffnung, mit WhatsApp Pay zum Konkurrenten WeChat aus China aufzuschließen, hat sich damit erst mal nicht erfüllt. Für den Facebook-Gründer ist das eine empfindliche Niederlage – die zweite in Folge.

    Zuvor hatte Facebook zwei Jahre lang versucht, in Indien das neue Zahlungssystem im Massenbetrieb zu lancieren. Dort konnte der Konzern zwar eine Testversion für etwa eine Million Nutzer lancieren, wurde aber dann von den Behörden ausgebremst. Mit 400 Millionen Nutzern ist Indien der größte Standort für die Facebook-Tochter. Insgesamt steht der Subkontinent damit für immerhin ein Fünftel der weltweiten Nutzer.

    Vor allem die schwierigen Regularien im Finanzsektor waren der Grund für immer neue Verzögerungen. Vor zwei Wochen hatte Zuckerberg dann die Reißleine gezogen: Statt Indien sollte nun Brasilien der globale Testmarkt für WhatsApp Pay werden.

    Brasilien ist weltweit zweitgrößter Standort von WhatsApp

    Zuckerberg entschied sich, das neue Bezahlsystem nun in Brasilien zu testen, weil das Land mit 120 Millionen Nutzern der weltweit zweitgrößte Standort der Facebook-Tochter WhatsApp ist, die der US-Konzern vor sechs Jahren übernommen hat.

    WhatsApp ist in Brasilien das mit Abstand meistgenutzte private Kommunikationssystem, das zunehmend auch in der Geschäftswelt kommerziell eingesetzt wird. Und gerade in diesem Bereich ist während der Coronakrise die Nutzung von WhatsApp dort geradezu explodiert.

    Nach verschiedenen Umfragen hat sich die Zahl der Selbstständigen und Kleinunternehmen, die WhatsApp zur Abwicklung ihrer Geschäfte nutzen, mehr als verfünffacht. Während die Läden geschlossen sind, arbeiten die Verkäufer der Einzelhändler – von Autohäusern bis Elektroartikelketten – nun täglich mit WhatsApp-Listen von potenziellen Kunden, die sie jeden Morgen vom Mutterhaus erhalten.

    Via Varejo etwa, eine der führenden Ketten des Landes, verkauft inzwischen ein Fünftel seiner Waren über WhatsApp. „Wir sind zum weltweiten Testfall für Facebook geworden, weil niemand sonst das Instrument im Massenbetrieb so systematisch einsetzt“, sagt der operative Direktor Marcelo Ubriaco.

    Es wäre also ein guter Zeitpunkt für Facebook gewesen, sein WhatsApp-Zahlungssystem zu launchen. Mit dem Zahlsystem über WhatsApp hatte Facebook geplant, vor allem im informellen Sektor Brasiliens neue und treue Kunden zu gewinnen.

    Nach Schätzungen der beteiligten Nubank gibt es in Brasilien 45 Millionen Menschen ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen. Für private Nutzer, so war es geplant, werden die Zahlungen kostenlos sein, aber monatlich auf 5000 Real (derzeit 850 Euro) beschränkt. Kommerzielle Nutzer müssen eine Gebühr von etwa vier Prozent zahlen.

    Doch Zuckerberg hat den Widerstand der brasilianischen Finanzindustrie unterschätzt. Denn weder betritt WhatsApp in Brasilien Neuland für Zahlungen per Handy, noch trifft das neue System auf eine verschlafene Konkurrenz. „Es ist schwer vorstellbar, dass WhatsApp in Brasilien zu einer Super-App wie WeChat in China wird“, sagt der Digitalexperte Edson Santos dem Wirtschaftsdienst Brazil Journal.

    Die in Südamerika erfolgreiche Bezahlplattform Mercado Livre hat mit Mercado Pago ein eigenes System auf den Markt gebracht. Die brasilianische App PicPay hat ebenfalls 20 Millionen Nutzer.

    Itaú und Bradesco, die beiden großen Privatbanken Brasiliens, äußerten sich nicht zum Launch. In der Finanzbranche heißt es, dass die beiden Banken eigene Zahlungssysteme entwickeln, die sie ebenfalls in Kürze lancieren wollen.

    Ein Problem dürfte auch der Regulierer selbst für WhatsApp werden: Die brasilianische Zentralbank will im November selbst ein Zahlungssystem anbieten, welches Überweisungen zwischen Privaten in Echtzeit zulässt. Strategisch war es vermutlich keine gute Idee, der obersten Finanzbehörde direkt Konkurrenz zu machen.

    Problematische Verbindung zu Facebook

    Problematisch für den Erfolg von WhatsApp Pay in Brasilien dürfte auch die Verbindung zur Mutter Facebook sein. Denn für Facebook ist WhatsApp Pay ein strategisches Instrument, um an detaillierte Daten von Millionen Nutzern zu gelangen.

    Denn die müssen sich nicht nur bei Facebook selbst registrieren, sondern auch mit Steuernummer, Namen und Konto bei der jetzt zusammen mit WhatsApp Pay erstmals in Brasilien eingeführten Facebook-Tochter Facebook Pay.

    Die Digitalexpertin Yasodara Córdova von der Weltbank schätzt, dass Facebook nun eine komplette Datenbasis von Inhabern kleiner Geschäfte und Arbeitnehmern aus dem informellen Sektor Brasiliens einsammeln wird.

    Dazu passt, dass WhatsApp nach eigenen Angaben mittelfristig keine Gewinne mit seinem Dienst anpeilt, wie WhatsApp-Operativ-Chef Matt Idema erklärte. Doch das Ansehen Facebooks ist unter anderem wegen der Debatten um Fake News in der Politik des Landes deutlich angeschlagen.

    Für den US-Konzern steht in Brasilien viel auf dem Spiel. Hier sollte der Startschuss für eine breite Markteinführung von WhatsApp Pay erfolgen. Zu Jahresbeginn verkündete der Konzern, dass 2020 noch weitere Zahlplattformen in Mexiko, Indonesien und Indien lanciert werden sollten. Das dürfte sich nun verzögern.

    Mehr: Facebook sucht in Asien nach einem Geschäftsmodell für WhatsApp.

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    2 Kommentare zu "Stotternder Start: Bezahlen mit WhatsApp: Brasilien blockiert Zuckerbergs Pläne"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Klasse Kommentar, Herr Oser. ;-)
      Kleine Ergänzung: normalerweise kann es in einer Freien Marktwirtschaft mit funktionierendem Wettbewerb nicht zu einer solchen Machtkonzentration bzw. Kartellbildung kommen, dass ein Unternehmen etwa (politisch) "missliebige" User unterdrücken kann. Als Twitter etwa Zerohedge suspendierte, weil es sich gewagt hatte zu enthüllen, dass das Covid-Virus mit sehr großer Wahrscheinlichkeit aus dem Level-4-Labor in Wuhan gekommen ist, sind sehr viele ZH-User aus Protest zum Konkurrenten Gab abgewandert. Der wird natürlich von den "Linken" entsprechend niedergemacht, da deren "Toleranz" nur eine Einheitsmeinung zulässt.
      Ein Unternehmen kann jedoch niemals zwingende, obrigkeitliche Macht ausüben - im Gegensatz zum Staat. Daher ist eine vollständige Digitalisierung des Zahlungsverkehrs durch den Staat, womöglich noch in Kombination mit einem "Social Credit System" - wie es China eingeführt hat - um ein vielfaches bedrohlicher:
      "Schauen Sie nur nach China. Dort ist es schon Pflicht, dass Unternehmen, die dort Telekommunikation und soziale Medien betreiben, biometrische Daten zur Nutzeranmeldung einsetzen. Und aus den Nutzerbewertungen dieser Unternehmen nach Art der auch bei uns bekannten Kreditwürdigkeitsprüfungen hat sich ein umfassendes Bürgerbewertungssystem entwickelt, das die Regierung gerade landesweit ausrollt.
      Durch Privilegien und Sanktionen für gute und schlechte Bewertungen kann die Regierung dann das Verhalten "ihrer" Bürgerinnen und Bürger steuern. Für die allermeisten Menschen hat die Datensammelei keine direkten Nachteile. Sie hat allerdings den indirekten Nachteil, dass sie in einer Duckmäuser-Gesellschaft leben müssen, in der jeder weiß, dass er vollständig überwacht ist und beliebig erpresst oder bestraft werden kann - und sich entsprechend verhält."
      https://www.heise.de/tp/features/Schoenes-neues-Geld-kommt-die-totalitaere-Weltwaehrung-4159001.html?seite=all
      Norbert Härings Buch ist hier ein absolutes "Must Read".

    • Das ist richtig und mehr als konsequent. Ein Unternehmen wie Facebook, zu dem auch WhatsApp Pay gehört, das sich heraus nimmt, Konten von Mitgliedern wegen dubiosen Gründen zu sperren, zu löschen, der geht auch bei seinem Bezahldienst nicht anders mit seinen Mitgliedern um.
      Da sich das Unternehmenskonglomerat WhatsApp, Twitter, Facebook herausnimmt, selbst gewählte Regierungen, Regierungschefs zu zensieren, darf nicht die Möglichkeit über Bezahlmöglichkeiten in einem Land erhalten, mit der Möglichkeit über Nacht unliebsame Mitglieder, die in der Regel rechts verortete werden aber nicht sind, ihre Zahlmöglichkeit zu sperren.
      Vor allen wenn dann diese Zahlmöglichkeit sich in weiten Teilen eines Landes durchgesetzt hat, wären die Machtbefugnisse gegen die Menschen größer als die der Regierung, was ja gewollt und von Links-Faschisten begrüßt wird.
      Es wäre dringend geboten den Facebook Konzern in drei Einzelunternehmen, WhatsApp, Twitter, Facebook, zu entflechten.
      Eine zu große unkontrollierte Machtkonzentration führt auch bei Unternehmen zu diktatorischen Verhaltensweisen und Unterdrückung gegen gewählte Regierungen und/oder die Bevölkerung.

      Von Amschel Meyer Rothschild (1744 - 1812), deutscher Adliger und Bankier stammt das Zitat:
      „Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!“

      Nach diesem Motto handeln die Großkonzerne wir Faceboot, youtube, amazon usw.

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