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Strafzinsen Immer mehr Unternehmen müssen mit Minuszinsen ab dem ersten Euro rechnen

In der Coronakrise kommen Banken vielen Kunden entgegen. Zugleich fallen aber für mehr Firmen in Deutschland die Freibeträge bei Negativzinsen weg.
06.04.2020 - 18:08 Uhr 1 Kommentar
Die Bank aus München, die zum italienischen Unicredit-Konzern gehört, berechnet einigen Firmenkunden Minuszinsen ab dem ersten Euro der Einlagen. Quelle: dpa
Hypo-Vereinsbank

Die Bank aus München, die zum italienischen Unicredit-Konzern gehört, berechnet einigen Firmenkunden Minuszinsen ab dem ersten Euro der Einlagen.

(Foto: dpa)

Frankfurt, München Die deutschen Banken sind in der Coronakrise gefragt. Oft reagieren Geldhäuser rasch und unkompliziert: Sie verlängern Kreditlinien, sie erlauben es, dass Unternehmen Zins- und Tilgungszahlungen von Darlehen aussetzen, und manche gewähren zinslose Kredite. Wenn es aber um das Erheben von Negativzinsen geht, bleiben viele Kreditinstitute bei ihrer Linie oder haben sie kürzlich sogar noch verschärft. Sie verlangen inzwischen von einigen Firmenkunden Minuszinsen für die gesamten Einlagen.

Beispiel Hypo-Vereinsbank (HVB): In einem Schreiben an einen Firmenkunden heißt es: Man wolle künftig „ein Entgelt auf das Kontoguthaben in Höhe von 0,5 Prozent p.a. des täglichen valutarischen Habensaldos in Rechnung stellen“. Der Brief von Ende März liegt dem Handelsblatt vor.

Die HVB erklärt, sie habe bereits Ende vergangenen Jahres damit begonnen, die Freibeträge einiger Kunden herunterzusetzen – teils auf null. Es gehe dabei um Firmenkunden, mit denen die Bank sonst nicht viel Geschäft betreibe.

Der Kunde, mit dem das Handelsblatt gesprochen hat, erklärt jedoch, dass die HVB die Hausbank seiner Firma sei. Allerdings habe sie keinen Kreditbedarf. Fest steht: Der Unternehmer hält das Vorgehen der Bank für unsensibel, weil sie ihn mitten in der Coronakrise vor vollendete Tatsachen gestellt habe.

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    Seit Langem schon reichen Banken einen Teil der Strafzinsen, die sie selbst an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen, an Firmenkunden weiter. Dabei greifen die Negativzinsen – häufig als „Verwahrentgelt“ bezeichnet – meist für Einlagen oberhalb einer bestimmten Grenze, beispielsweise ab einer Million Euro.

    Doch solche Untergrenzen sind nicht mehr garantiert. Nicht nur die HVB streicht einigen Kunden diese Freibeträge, sondern auch eine Reihe weiterer Banken. Die Commerzbank ist diesen Schritt bereits im Spätsommer 2019 gegangen und berechnet manchen Kunden seitdem Strafzinsen ab dem ersten Euro. Davon ist Finanzkreisen zufolge eine relativ kleine Zahl der insgesamt rund 70.000 Firmenkunden betroffen.

    BayernLB stellt Negativzinsen seit Jahren in Rechnung

    Auch HSBC Deutschland hatte im November klargestellt, die Bank halte sich die Option offen, Negativzinsen ab dem ersten Euro zu erheben. Eine HSBC-Sprecherin betont: „Die Coronakrise hat gegenwärtig keine Auswirkungen auf die Einlagenzinsen.“

    Ähnlich gehen auch die französische Großbank BNP, die Landesbank Baden-Württemberg und die Deutsche Bank vor. Alle Geldhäuser betonen, sie vereinbarten Negativzinsen individuell mit ihren Kunden, und es handle sich um Einzelfälle.

    Weitaus üblicher ist das Vorgehen bei der BayernLB. Sie stellt Firmenkunden und institutionellen Kunden schon seit einigen Jahren Negativzinsen in Rechnung. „Das geht gar nicht anders“, sagte BayernLB-Finanzchef Markus Wiegelmann am Freitag bei der Vorlage der Zahlen für 2019. Und: „Das ist bei den meisten Firmenkunden ab dem ersten Euro – außer man hat mit den Kunden anderweitige individuelle Vereinbarungen.“ Dass es ein heikles Thema ist, zeigt die Landesbank Hessen-Thüringen. Sie wollte sich dazu nicht äußern.

    An der ultralockeren Geldpolitik der EZB wird sich vorerst nichts ändern – erst recht nicht angesichts der Coronakrise. Im September 2019 hatte die EZB den Strafzins auf 0,5 Prozent erhöht und die Niedrigzinsphase auf unabsehbare Zeit zementiert. Die Notenbank räumt den Geldhäusern zwar einen Freibetrag ein, doch laut Berechnung der Branche kostet der Strafzins die deutschen Banken pro Jahr rund 1,9 Milliarden Euro.

    Der Präsident des Bundesverbands der deutschen Banken, Hans-Walter Peters, forderte vergangene Woche, die Belastungen durch den EZB-Minuszins müssten in Anbetracht der Coronakrise sofort beendet werden. „Es ist dringend geboten, angesichts der wirtschaftlichen Lage in Europa die Minuszinsen sofort auszusetzen.“ Die Banken sollten mit den frei werdenden Mitteln ihr Eigenkapital stärken, um die Kreditvergabe zu erleichtern.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Die deutschen Banken verlangen seit Langem einen Stopp der EZB-Strafzinsen. Die Notenbank hatte die Minuszinsen auf Bankeinlagen Mitte 2014 eingeführt und schrittweise erhöht. Sie sind Teil der Strategie, die Inflationsrate in der Euro-Zone in Richtung ihres Zielwerts von um die zwei Prozent zu heben.

    Längst reichen Banken die Minuszinsen auch an meist vermögende Privatkunden weiter. Das Vergleichsportal Verivox zählt mittlerweile mehr als 100 Kreditinstitute mit Negativzinsen oder Extragebühren auf Tagesgeldkonten. Seit Ausbruch der Coronakrise stieg die Zahl deutlich. Allein in den vergangenen vier Wochen hätten 20 Geldhäuser Minuszinsen oder eine Gebühr für das Tagesgeldkonto neu eingeführt. Bei 86 Banken verweist Verivox auf Preisverzeichnis oder Internetseite, in gut 20 Fällen auf Medienberichte.

    Mehr: Die Bundesregierung will Negativzinsen für Sparer vorerst nicht verbieten.

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    Mehr zu: Strafzinsen - Immer mehr Unternehmen müssen mit Minuszinsen ab dem ersten Euro rechnen
    1 Kommentar zu "Strafzinsen: Immer mehr Unternehmen müssen mit Minuszinsen ab dem ersten Euro rechnen"

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    • Apropos Strafzinsen: Es ist doch schizophren, daß man als Unternehmer für seine noch dringend gebrauchten Reserven, Strafzinsen bezahlen muß.

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