Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Strategie auf dem Subkontinent Deutsche Bank wettet auf Problemkredite in Indien

Indiens Finanzsystem leidet unter einem Berg fauler Kredite. Die Deutsche Bank steigt im großen Stil ein – und erhofft sich davon satte Gewinne. Doch die Risiken sind hoch.
27.01.2020 - 13:54 Uhr 1 Kommentar
Deutsche Bank wettet auf Problemkredite in Indien Quelle: Reuters
Blick auf den Finanzdistrikt in Mumbai

Neben den Banken leidet auch der Energiesektor unter faulen Krediten.

(Foto: Reuters)

Bangkok Ein typisches Beispiel für die Strategie der Deutschen Bank in Indien ist Altico Capital: Die Schattenbank wollte beim wirtschaftlichen Aufstieg des Subkontinents ganz vorne mitmischen. In Neu Delhi und Pune finanzierte das Unternehmen neue Wohnsiedlungen für die Mittelschicht, in der Sonderwirtschaftszone in der Stadt Hyderabad steckte es Geld in ein Immobilienprojekt für die IT-Industrie und engagierte sich in Mumbai bei einem Lagerhausprojekt. Nach Zahlen vom vergangenen Juni hat Altico insgesamt knapp eine Milliarde US-Dollar an Darlehen vergeben.

Doch das Geschäftsmodell geriet wenige Monate später ins Wanken. Wegen einer allgemeinen Vertrauenskrise im indischen Finanzsektor bekam Altico Probleme, sich zu refinanzieren: Im vergangenen September war klar, dass das Finanzunternehmen seine Kredite nicht mehr bedienen kann. Nachdem Altico die erste Zinszahlung in Millionenhöhe schuldig geblieben war, fand sich kein Investor, der zur Rettung des Unternehmens einspringen wollte. Bis heute.

Doch die Deutsche Bank glaubt dennoch, mit dem Unternehmen trotz der schweren Schieflage gute Geschäfte machen zu können. Das Frankfurter Geldhaus hat in den vergangenen Monaten bei bisherigen Gläubigern Schulden von Altico aufgekauft, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg Ende vergangener Woche berichtete.

Demnach verdoppelte die Deutsche Bank ihr Kreditengagement seit Oktober auf 42 Millionen Dollar. Das Institut verfügt damit den Angaben zufolge nun auch über einen Sitz im Lenkungsausschuss der Gläubiger, der eine Umschuldung Alticos voranbringen soll. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Geschäft ist für die Deutsche Bank in Indien kein Einzelfall: Der Zukauf von Problemkrediten hat sich für den Konzern zuletzt zum Kernbestandteil seiner Wachstumsstrategie auf dem 1,3 Milliarden Einwohner großen Subkontinent entwickelt. Die Banken des Landes sitzen auf faulen Krediten im Wert von rund 160 Milliarden Dollar. Ihr Anteil an der gesamten Kreditsumme ist in keiner anderen großen Volkswirtschaft so hoch wie in Indien.

    Das zuletzt vergleichsweise schwache Wirtschaftswachstum wird dadurch weiter ausgebremst. Ausländische Investoren wie die Deutsche Bank sehen darin aber Chancen: Sie kaufen die Forderungen für einen Bruchteil des ursprünglichen Wertes auf – und wetten auf hohe Gewinne im Fall eines erfolgreichen Insolvenzverfahrens oder einer Sanierung der Krisenunternehmen.

    Im Fall von Altico trennte sich zuletzt etwa die Abu Dhabi Commercial Bank PJSC von ihren Forderungen und erhielt dafür Berichten zufolge die Hälfte des Nominalwertes. Amit Khattar, Investmentbank-Co-Chef der Deutschen Bank im Asien-Pazifik-Raum, sieht erhebliches Potenzial.

    Die Deutsche Bank engagiere sich mit einer „signifikanten Menge an Kapital“ in Indiens Schattenbanksektor, sagte er Mitte Januar. Die Kreditgeschäfte mit kriselnden Unternehmen auf dem Subkontinent würden eine starke Risikoprämie mit sich bringen, erklärte der Manager mit Sitz in Singapur.

    Riesige Schuldenberge im Energiesektor

    Auf sein Interesse stoßen dabei nicht nur die faulen Kredite der Schattenbanken: Indische Finanzinstitute versuchen unter anderem auch Kredite mit hohem Ausfallrisiko abzustoßen, die sich in Indiens Energiesektor angesammelt haben. Nach Zahlen von Anfang des Jahres machten sie zuletzt mehr als 14 Milliarden Dollar aus. Dutzende Kraftwerksbetreiber waren in den vergangenen Jahren in Schieflage geraten – unter anderem, weil sie keinen ausreichenden Zugang zu subventionierter Kohle erhielten und angesichts von Überkapazitäten nicht rentabel operieren konnten.

    Die Deutsche Bank verhandelte lokalen Medienberichten zufolge in den vergangenen Monaten darüber, die Schulden eines 540-Megawatt-Kohlekraftwerks des Konglomerats GVK im nordindischen Bundesstaat Punjab zu übernehmen. Zuletzt bot die Deutsche Bank demnach an, 162 Millionen Dollar für die Darlehen im Wert von knapp 550 Millionen Dollar zu bezahlen. Das entspräche einem Preisnachlass im Vergleich zum Nominalwert von 70 Prozent. Die Bank wollte die entsprechenden Berichte nicht kommentieren.

    Mitte Januar wurde zudem bekannt, dass ein von der Deutschen Bank geführtes Konsortium kurz davor steht, Forderungen an den Kraftwerkbetreiber Jindal India Thermal Power von Gläubigern um die Staatsbank Punjab National Bank zu übernehmen. Das Konsortium soll laut Bloomberg 339 Millionen Dollar als Vergleich für die Kredite im Wert von einer Milliarde Dollar geboten haben. Bis zu einem Fristablauf sei das Konsortium der einzige Interessent gewesen.

    Die Deutsche Bank hatte laut Bloomberg im vergangenen Jahr in Indien am Aufbau einer eigenen Tochtergesellschaft zum Kauf und zur Umstrukturierung Kredite mit hohem Ausfallrisiko gearbeitet. Solche Gesellschaften werden in Indien als Asset Reconstruction Company (ARC) bezeichnet. Rund 30 ARCs sind auf dem Markt für Problemkredite in dem Land derzeit aktiv. Seit der Einführung eines neuen Insolvenzrechts in Indien im Jahr 2016 haben sie indischen Banken notleidende Vermögenswerte von rund sechs Milliarden Dollar abgekauft.

    Forderungen von 7,4 Milliarden Dollar

    Das neue Insolvenzrecht hatte das Ziel, Konkursverfahren zu beschleunigen. Das sollte auch den Markt für faule Kredite antreiben und damit den Banken einen Weg aufzeigen, wie sie diese Kredite in ihren Büchern loswerden können. Deutsche-Bank-Manager Khattar zeigte sich mit Blick auf die Geschäftsaussichten, die sich dadurch in Indien ergeben, schon vor anderthalb Jahren euphorisch: „Wir wollen bei allen großen Deals involviert sein“, sagte er.

    „Die Bank hat keine Beschränkungen bei der Ausweitung dieses Bereichs, wenn es in dem Geschäft die Chance auf Wachstum gibt.“ 2018 hatte der Konzern laut Geschäftsbericht in Indien Forderungen aus dem Kreditgeschäft im Wert von 7,4 Milliarden Dollar – so viel wie in keinem anderen Land im Asien-Pazifik-Raum.

    Rechtliche Unsicherheiten sorgen bei den Wetten allerdings für zusätzliche Risiken: Im vergangenen Sommer schockierte eine Entscheidung in Indiens größtem Insolvenzverfahren um den Stahlkonzern Essar Steel Investoren, die faule Kredite des Unternehmens aufgekauft hatten und sich erhofften, 90 Prozent des Nominalwertes zurückzubekommen: Dem Urteil zufolge sollten Gläubiger mit Kreditsicherheiten gleich behandelt werden wie Gläubiger ohne Sicherheiten. Die Entscheidung nutzte Lieferanten und schadete Finanzinvestoren.

    Erst Indiens Oberstes Gericht hob das Urteil Ende vergangenen Jahres wieder auf. Deutsche-Bank-Manager Khattar wertete das als beruhigend für seine Geschäfte. Er räumte aber ein: „Insolvenzverfahren sind in Indien hochkomplex – und Beschlüsse fallen langsamer als erwartet.“

    Mehr: In Indien zeichnet sich eine milliardenschwere Immobilienkrise ab

    Startseite
    Mehr zu: Strategie auf dem Subkontinent - Deutsche Bank wettet auf Problemkredite in Indien
    1 Kommentar zu "Strategie auf dem Subkontinent: Deutsche Bank wettet auf Problemkredite in Indien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sollte man nicht erst einmal seine eigenen, maroden Geschäfte sanieren? Für mich ist das ein Weitermachen mit dubiosen Investments. Wenn das die neue Wachstums-Strategie ist: interessant wäre zu wissen, was die Aktionäre und Angestellten in Deutschland dazu sagen-

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%