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Zentrale der EZB (r.), Frankfurter Skyline

Niedrigzinsen belasten die Rentabilität der Banken.

(Foto: imago/Hans-Günther Oed)

Stresstests Bankenaufseher warnen vor weiterem Renditeverfall

Deutschlands Geldhäuser müssen sich angesichts niedriger Zinsen auf einen weiteren Ertragsschwund einstellen, warnen Bafin und Bundesbank.
23.09.2019 Update: 23.09.2019 - 17:58 Uhr Kommentieren

Frankfurt Deutsche Banken und Sparkassen steuern auf schwierige Zeiten zu – und wohl nicht alle werden die nächsten Jahre überstehen. „Anhaltend niedrige Zinsen und ein schwaches Konjunkturumfeld sind sicher ein besonders schlechtes Szenario für deutsche Kreditinstitute“, warnte Raimund Röseler, der für die Bankenaufsicht zuständige Exekutiv-Direktor der Finanzaufsicht Bafin am Montag.

Bafin und Bundesbank haben in den vergangenen Monaten nachgerechnet, wie sich die anhaltend niedrigen Zinsen auf die Profitabilität der Institute auswirken dürften. Ihr Fazit nach Auswertung eines Stresstests unter 1412 kleineren Banken und Sparkassen: Die Rentabilität der Institute wird weiter sinken.

Eine mittlere zweistellige Zahl von Banken hätte in einem Stressszenario, bei dem die Zinsen deutlich sinken, sogar Probleme damit, die nötigen gesetzlichen Kapitalquoten einzuhalten. „Das bedeutet aber auch, dass über 90 Prozent der Banken im Stressszenario keine Probleme bekommen“, betonte Röseler.

„Gleichwohl sind die deutschen Institute im Durchschnitt auch im Stressfall solide kapitalisiert.“ Eine „Flut von Bankenpleiten“ erwartet er nicht, auch wenn es zu einem wirtschaftlichen Abschwung kommt. „Aber für manche wird die Situation schon härter“, betonte Röseler. Ein Grund zur Entwarnung ist das für ihn aber nicht.

Schließlich werden die Kapitalmarktzinsen nach den jüngsten Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) nun noch länger noch niedriger bleiben, als im Stresstest angenommen wurde. Der Unterschied wirkt sich in den nächsten drei Jahren, also im Zeitraum, in der der aktuelle Stresstest lief, noch nicht so sehr aus. „Die zerstörerische Wirkung kommt später“, meint Röseler.

Das lässt sich nicht allein auf die Notenbanken schieben. Schließlich gibt es bei allen Bankengruppen – Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken – Institute, die trotz niedriger Zinsen noch immer sehr profitabel sind. Es liege also immer auch am Management, wenn ein Institut in Probleme gerate. „Aber grundsätzlich wird die Lage für die Banken schwieriger“, sagte Röseler. „Wenn der Rückenwind aus der niedrigen Risikovorsorge wegfällt und sich die niedrigen Zinsmargen langfristig in den Bilanzen festfressen, dann leben die Institute irgendwann nur noch von der Substanz“, so der Bankenaufseher. Und das würden die Geldhäuser unterschiedlich lange durchalten.

Geringere Sicherheitspuffer

Das Stressszenario zeigt, wie sehr die Zinsentwicklung die Institute belastet. Banken und Sparkassen, die bis 2023 mit einer konstanten Zinsentwicklung geplant haben, rechnen mit einem Rückgang ihrer Gesamtkapitalrentabilität um zwei Prozent, zeigt das Testergebnis. „Diese negative Entwicklung dürfte sich vor dem Hintergrund des seit der Umfrage weiter gefallenen Zinsniveaus verstärken“, warnen Bafin und Bundesbank.

In einem Stressszenario ist nach Kalkulationen der Bankenaufseher mit einer Verschlechterung der harten Kernkapitalquote um 3,5 Prozentpunkte zu rechnen. Die harte Kernkapitalquote ist die wichtigste Kennziffer für die Widerstandsfähigkeit einer Bank. Nicht alle der Kreditinstitute haben bereits den Ernst der Lage erkannt, denn rund die Hälfte der befragten Institute haben bei ihren Ertragsplanungen mit steigenden Zinsen kalkuliert. Aus Sicht der Bankenaufseher haben sie „damit zu optimistisch geplant“.

Entsprechend unplausibel dürfte die durchschnittliche Prognose der befragten Geldhäuser sein, die davon ausgehen, dass ihre Rentabilität steigen und ihr Jahresüberschuss in fünf Jahren um fast ein Viertel höher ausfallen wird, als dies aktuell der Fall ist. Dabei ist es um die Profitabilität der deutschen Bankenbranche ohnehin nicht sonderlich gut bestellt, wie der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank zeigt.

Danach ist der Vorsteuergewinn der heimischen Kreditinstitute schon 2018 um ein Drittel gesunken – von 27,5 Milliarden Euro auf 18,9 Milliarden Euro. Dafür waren vor allem Abschreibungen auf Kredite und Wertpapiere, geringere außerordentliche Einnahmen sowie geringere Handelserträge verantwortlich.

Internationale Konkurrenz enteilt

Nach wie vor sind Deutschlands Banken besonders stark auf ihre Einnahmen aus Zinsgeschäften angewiesen. Sie machen im Schnitt rund 70 Prozent der Gesamterträge aus. Provisionseinnahmen, die etwa durch Gebühren für Kontoführung, Wertpapieraufträge oder Beratungsleistungen im Kapitalmarktgeschäft anfallen, machen dagegen nur rund ein Viertel der Einnahmen aus.

Im internationalen Vergleich ist das ein schwacher Wert. Dabei haben die deutschen Banken in dem Bereich zuletzt sogar Fortschritte gemacht. Vor wenigen Jahren stellten die Zinsüberschüsse noch 80 Prozent der Gesamteinnahmen gerade kleinerer Banken und Sparkassen dar.

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Ein Anstieg der Risikovorsorge, wie sie sich allmählich abzeichnet, würde die Zinseinnahmen künftig beträchtlich schmälern. Viele Banken steuern deshalb gegen – und brechen dabei zunehmend mit Tabus. „Banken ziehen in ihren Planrechnungen vermehrt auch eine mögliche Weitergabe negativer Zinsen an Kunden in Betracht, bislang trifft dies allerdings vor allem Geschäftskunden und vermögende Privatkunden“, sagte der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling.

Mittlerweile wollen 42 Prozent der befragten Banken negative Zinsen weitergeben. Vor zwei Jahren traf dies erst für 23 Prozent der Banken zu. Bislang wollen aber nur neun Prozent der Banken diese Negativzinsen auch an ihre Privatkunden weiterreichen. Die meisten Institute planen dies nur im Firmenkundengeschäft. Weitere Zinssenkungen würden das Bild aber deutlich verändern. Sinkt das Zinsniveau um einen Prozentpunkt ab, würde jede zweite Bank Negativzinsen auch für Privatkunden in Betracht ziehen.

„Das Thema Negativzinsen für Kunden wird verstärkt Platz greifen“, sagt der Vorstand einer großen Bank. Allerdings wird das aus seiner Sicht wohl vor allem reiche Kunden aus dem Wealth Management treffen. Bei Ersparnissen unter der Schwelle von 100.000 Euro dürften sich Banken weiter mit Negativzinsen schwertun.

Es wäre allerdings nicht das erste Tabu, das die Branche bricht. So hat sich die Zahl der kostenlosen Girokonten drastisch verringert. Schritt für Schritt gaben Banken wie etwa die Postbank in den vergangenen Jahren ihre Gratispolitik auf – und Wettbewerber zogen später nach.

Mehr Übernahmen

Deshalb hatten sich drohende Negativzinsen für Privatkunden in den vergangenen Wochen zu einem Politikum entwickelt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sogar ein gesetzliches Verbot von Negativzinsen für Privatkunden ins Spiel gebracht, Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) prüft so eine Option, hat aber auch klargemacht, dass er es für am klügsten hält, wenn die Banken von sich auf Negativzinsen für Sparer verzichten.

Ausgesprochen offen zeigen sich die Banken angesichts des Ertragsdrucks außerdem für Fusionen. „Jedes zwanzigste Institut befindet sich in einem Fusionsprozess oder hat feste Fusionsabsichten“, berichtet Bundesbank-Vorstand Wuermeling. Außerdem könne sich fast die Hälfte der Institute vorstellen, sich in den nächsten Jahren mit einem anderen Institut zusammenzutun. Allerdings mit einer Besonderheit: „Die meisten Institute sehen sich als das übernehmende Institut“, so Wuermeling.

Mehr: Minuszinsen bedrohen Sparziele – „Auf Deutschland kommt eine Vorsorgekrise zu.“ Lesen Sie das Interview mit Christian Thimann, Ex-Berater von EZB-Präsident Mario Draghi.

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