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Studie zur Geldpolitik Deutsche Banken wünschen sich Zinswende – Doch sie könnte ihnen schaden

Deutschlands Banken setzen darauf, dass die EZB die Zinsen erhöht. Doch eine geldpolitische Wende könnte die Probleme der Branche sogar verschärfen.
06.02.2019 - 18:00 Uhr 1 Kommentar
Die Erträge deutscher Banken hängen zu mehr als 70 Prozent vom Zinsergebnis ab. Quelle: dpa
Frankfurts Bankentürme

Die Erträge deutscher Banken hängen zu mehr als 70 Prozent vom Zinsergebnis ab.

(Foto: dpa)

Frankfurt Wenn es um die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geht, dann nimmt Hans-Walter Peters, der Präsident des privaten Bankenverbands BdB, kein Blatt vor den Mund. In schöner Regelmäßigkeit fordert der Cheflobbyist ein „Ende der geldpolitischen Exzesse“.

Auch Sparkassenpräsident Hartmut Schleweis wünscht sich für dieses Jahr trotz der sich abkühlenden Konjunktur in der Euro-Zone eine Leitzinserhöhung, um endlich die Phase der Negativzinsen zu beenden, die den öffentlich-rechtlichen Geldhäusern das Geschäft verderbe.

Diese Aussagen zeigen, welch große Hoffnungen die Banken in Deutschland und in Europa mit einer Zinswende verknüpfen. Schon der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, hat Anfang 2018 vorgerechnet, dass nach einer Zinserhöhung um einen Prozentpunkt die Erträge im ersten Jahr um 1,4 Milliarden Euro steigen würden. Im zweiten Jahr wären es sogar 1,6 Milliarden Euro.

Doch diese Hoffnung ist trügerisch – für alle Banken in der Währungsunion. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine neue Studie der Boston Consulting Group. „Unsere Analysen zeigen, dass der erwartete Zinsanstieg keine langfristige substanzielle Ertragserhöhung bringt“, so das Fazit der Untersuchung.

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    Mehrere Effekte führen zu diesem ernüchternden Ergebnis. Die BCG-Berater haben die Wirkung steigender Zinsen in mehreren Ländern wie den USA und Großbritannien untersucht und kommen zu dem Schluss, dass die Banken im Einlagengeschäft höhere Zinsen sehr schnell an ihre Kunden weitergeben mussten. Das gelte in erster Linie für die Einlagen von Unternehmen, aber auch im Privatkundengeschäft.

    Auf der Kreditseite leiden die Institute unter der Tatsache, dass die meisten Darlehensverträge eine mehrjährige Zinsbindung festschreiben. Die Banken können die Konditionen also nur für neue Kredite anpassen. Verschärft wird die Situation durch den harten Wettbewerb, der es nach Meinung von BCG-Partner Holger Sachse vielen Banken schwer machen wird, selbst bei neuen Krediten höhere Zinsen von den Kunden zu fordern.

    Gestützt wird diese These durch eine Untersuchung der Unternehmensberatung Bain, die zu dem Schluss kommt, dass im Firmenkundengeschäft trotz steigender Kreditnachfrage Erträge und Gewinne auf dem niedrigsten Niveau seit 2009 verharren. Höhere Zinsen würden außerdem die Refinanzierungskosten für die Banken am Kapitalmarkt erhöhen, was die Zinsmarge zusätzlich belasten würde.

    Die hohen Kosten der niedrigen Zinsen

    Seit März 2016 fordert die EZB für Einlagen der Banken Strafzinsen von 0,4 Prozent. Das kostete die Geldhäuser nach Berechnungen der Bankenlobby BdB zuletzt jährlich rund 7,5 Milliarden Euro. Besonders bitter ist das für die deutschen Banken, weil ihre Erträge zu über 70 Prozent vom Zinsergebnis abhängen. In Frankreich sind es dagegen weniger als 30 Prozent. Deshalb ist hierzulande auch die Hoffnung auf eine Zinswende besonders groß.

    Für das deutsche Privatkundengeschäft haben die Berater von BCG die genauen Effekte steigender Zinsen durchgerechnet. In diesem optimistischen Basisszenario gehen sie davon aus, dass die Wirtschaft auf dem Niveau der Jahre 2012 bis 2017 weiter wächst und der Interbankenzins ab 2021 ein positives Vorzeichen bekommt. In diesem Planspiel wachsen die Erträge im Kreditgeschäft über die nächsten Jahre zwar von 19,1 Milliarden auf 20,8 Milliarden Euro.

    Dieses Netto-Wachstum ist aber ausschließlich volumengetrieben. Darin enthalten sind negative Margeneffekte, die mit minus 0,3 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Getrieben wird der Ertragszuwachs ausschließlich vom Wirtschaftswachstum, das 2,0 Milliarden Euro ausmacht.

    Im Einlagengeschäft sieht die Dynamik insgesamt ähnlich aus, hier erwartet BCG ein Ertragswachstum von netto 1,3 Milliarden auf 13,7 Milliarden Euro. Die zunächst weiterhin niedrigen Zinsen schlagen aber mit minus 0,5 Milliarden Euro als negativer Margeneffekt durch.

    Sollte es zu einer empfindlichen Abkühlung der Konjunktur kommen, würde es für die Banken im Privatkundengeschäft noch ungemütlicher. BCG hat ein Stress-Szenario durchgerechnet, das von einem Wirtschaftseinbruch ausgeht, wie ihn die europäische Bankenaufsicht Eba bei ihrem jüngsten Stresstest unterstellt hat.

    In diesem Fall würden die Zinsen sogar schneller steigen, allerdings nicht durch Erhöhungen der EZB, sondern durch höhere Risikoprämien an den Märkten. Im Kreditgeschäft würden die Erträge dann bis 2022 um 2,3 Milliarden Euro und im Einlagengeschäft um 1,5 Milliarden Euro einbrechen.

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    1 Kommentar zu "Studie zur Geldpolitik: Deutsche Banken wünschen sich Zinswende – Doch sie könnte ihnen schaden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Tl;DR
      Banken hoffen aufgrund von Leitzinserhöhungen auf steigende Erträge (1,3-1,6 Mrd€)

      BCG argumentiert aber das die Banken im Einlagengeschäft höhere Zinsen wegen hohem wettbewerb sehr schnell an ihre Kunden weitergeben müssen und rechnet die wachsenden Erträge (von 19,1 Mrd€ auf 20,8 Mrd€) dem Netto-Wachstum der Wirtschaft an. Während Margengeschäfte weiterhin im negativen bleiben.

      Die Zinswende wird von Fitch nicht vor 2021 erwartet.

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