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Technologie Commerzbank startet Cloud-Initiative – und will Tech-Konzernen die Stirn bieten

Die Commerzbank will erreichen, dass europäische Banken und Regulierer bei Verhandlungen mit Tech-Riesen wie Google und Microsoft mit einer Stimme sprechen.
23.10.2019 - 17:22 Uhr Kommentieren
Am 25. November steht das große Branchentreffen mit Banken-Risikochefs und Regulierern an. Quelle: Bloomberg
Blick auf die Commerzbank-Zentrale

Am 25. November steht das große Branchentreffen mit Banken-Risikochefs und Regulierern an.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Durch die Nutzung von Clouds können Finanzinstitute neue Angebote schneller entwickeln und Daten besser analysieren. Doch viele Bankchefs haben Bauchschmerzen, die Dienste von großen Cloud-Anbietern in Anspruch zu nehmen, denn diese kommen allesamt aus den USA und China – und erfüllen beim Umgang mit Daten nicht immer europäische Standards.

Die Commerzbank will das Problem nun angehen und hat eine große Cloud-Initiative initiiert. Ziel ist, dass sich europäische Finanzdienstleiter und Regulatoren auf einheitliche Standards verständigen und diese durchsetzen. „Wir müssen eine Gemeinschaft entwickeln, die mit einer Stimme mit den Cloud-Anbietern spricht“, sagte Commerzbank-Manager Kerem Tomak am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Frankfurt.

Die Botschaft an Microsoft, Google, Amazon und Co. sei klar: „Ihr müsst euch an unsere Regel halten, sonst nutzen wir euch nicht.“

Die Commerzbank hat im Zuge ihrer Initiative die Risikochefs von Banken, die Europäische Kommission, Regulierer und den Weltbankenverband IIF angeschrieben und alle Beteiligten zu einem Treffen am 25. November in die Konzernzentrale in Frankfurt eingeladen. Durch die Bündelung ihrer Interessen würde die Gruppe ihre Verhandlungsposition gegenüber den Cloudanbietern stärken, betonte Tomak.

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    Auch für die Aufsichtsbehörden wären einheitliche Standards aus seiner Sicht positiv, denn dann müssten die Behörden nicht mehr jeden einzelnen Vertrag zwischen einer Bank und einer Cloud-Firma aufwendig prüfen.

    Mehrere Politiker und Commerzbank-Chef Martin Zielke haben sich für die Schaffung eines großen europäischen Cloud-Anbieters ausgesprochen. Sonst würden die Regeln in diesem wichtigen Markt „von Rechtsräumen diktiert, auf die wir relativ wenig Einfluss haben“, warnte Zielke.

    Verträge mit den Europa-Töchtern

    Auch die Deutsche Börse würde eine europäische Cloud gerne nutzen, sagte IT-Vorstand Christoph Böhm kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt. Aber da es ein solches Angebot nicht gebe, müsse man aktuell auf amerikanische Cloud-Anbieter setzen. Diese haben einige auf Europa zugeschnittene Angebote entwickelt.

    Die Commerzbank, die im Cloud-Geschäft mit Microsoft und Google zusammenarbeitet, verfährt genauso. Alle Daten seien zweifach verschlüsselt und dürften ausschließlich in Rechenzentren in Europa gespeichert werden, erklärt Tomak. Die entsprechenden Verträge habe man mit den Töchtern von Microsoft und Google in Europa geschlossen und nicht mit den Mutterkonzernen in Amerika.

    Darüber hinaus hat sich die Commerzbank das Recht einräumen lassen, dass ihre eigenen Experten und die Aufsichtsbehörden die Rechenzentren der Cloud-Anbieter kontrollieren dürfen. „Wir besuchen die Rechenzentren regelmäßig mit unseren Kontrolleuren und der Finanzaufsicht Bafin, um sicherzustellen, dass alles so abläuft, wie die Regulierer es sich vorstellen“, sagte Tomak.

    Der Amerikaner ist bei der Commerzbank als Bereichsvorstand für die Abteilung „Big Data & Advanced Analytics“ zuständig. Bevor er im Sommer 2017 nach Frankfurt wechselte, arbeitete Tomak unter anderem für die US-Kaufhausketten Sears und Macy’s sowie die Technologiegiganten Google und Yahoo.

    Zusätzliche Ertragspotenziale dank KI

    Tomak wurde in den USA geboren und hat in der Türkei und Amerika Mathematik, Wirtschaft und Informationssysteme studiert. Seine berufliche Laufbahn begann er als Assistenzprofessor an der University of Texas in Austin. Dass Tomak kein klassischer Banker ist, sieht man schon an seiner Kleidung: Meist läuft er nicht mit Anzug und Hemd durch die Commerzbank, sondern mit Jeans und Poloshirt.

    Tomaks Abteilung bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank besteht aus 260 Mitarbeitern, die dem Institut in vielen Bereichen weiterhelfen sollen: etwa beim Aufdecken von Betrugsfällen oder beim Umgang mit Daten. Vorstandschef Zielke hofft zudem, dass das Geldhaus dank Tomaks Abteilung künftig mit bestehenden Kunden mehr Geld verdienen kann.

    Durch „die verstärkte Nutzung von Daten, die individuell zugeschnittene Produkte und Services ermöglicht“, wolle die Bank zusätzliche Ertragspotenziale erschließen, erklärte das Institut Ende September bei der Vorstellung seiner neuen Strategie.

    Beim Einsatz von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz gehe es nicht darum, Stellen zu streichen, sagte Tomak. Vielmehr wolle man den Mitarbeitern einfache Aufgaben wie die Eingabe von Kundendaten abnehmen. Dann hätten die Beschäftigten mehr Zeit, sich um die Kunden zu kümmern – „und wir können mehr Geld verdienen“.

    Mehr: Die Deutsche Börse verlagert Geschäfte auf die IT-Plattform von Microsoft. Mit der Partnerschaft wollen beide die Cloud-Nutzung im Finanzsektor vorantreiben.

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