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Thinktank Merics Studie: Chinesische Regierung ist die größte Belastung für den Wirtschaftsstandort Hongkong

Ein Berliner China-Thinktank kommt zu einem überraschenden Schluss: Die Finanzmärkte in Hongkong seien von den Protesten bislang nicht betroffen.
21.01.2020 - 18:01 Uhr Kommentieren
Teilnehmer einer Demonstration halten Schilder bei einem Protest vor dem Einkaufszentrum Times Square in der Causeway Bay. Quelle: dpa
Proteste in Hongkong

Teilnehmer einer Demonstration halten Schilder bei einem Protest vor dem Einkaufszentrum Times Square in der Causeway Bay.

(Foto: dpa)

Peking Es waren verstörende Szenen, die sich am Wochenende in Hongkong zeigten – wieder einmal: Mitten im Geschäftsviertel der Millionenmetropole standen sich aufgerüstete spezielle Einsatzkräfte der Polizei und vermummte Protestierende gegenüber. Die Demonstranten errichteten Straßenbarrikaden, die Polizisten setzten Tränengas und Pfefferspray ein. Bereits den achten Monat halten die Proteste für mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungszone an – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Immer wieder stellt sich dabei auch die Frage: Welche Auswirkungen hat die angespannte Situation auf das Finanzzentrum Hongkong, das zu den wichtigsten Handelsplätzen der Welt gehört?

Eine Studie des Berliner China-Thinktanks Merics, die an diesem Mittwoch veröffentlicht wird und dem Handelsblatt vorab vorlag, kommt zu dem überraschenden Schluss: zunächst einmal wenig. „Die Proteste haben Hongkongs Wirtschaft getroffen, aber die Finanzmärkte bleiben vorerst nicht betroffen“, heißt es darin. Weder sei die Funktion der Stadt als Offshore-Finanzzentrum in Mitleidenschaft gezogen worden, noch habe es einen massiven Kapitalabfluss gegeben.

Auch die Börse von Hongkong zieht weiterhin bedeutende IPOs an. So war die Zweitnotierung des chinesischen Tech-Giganten Alibaba – die Aktien werden auch in New York gehandelt – einer der weltweit größten Börsengänge des vergangenen Jahres. Das Volumen lag bei über elf Milliarden Dollar.

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    Eine Studie der Bank of England Mitte Dezember war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen, was die Stabilität von Hongkong angeht: Der IWF hatte dem Finanzstandort eine hohe Widerstandskraft bescheinigt.

    Dennoch warnen die Autoren der Merics-Studie eindringlich davor, sich in zu großer Sicherheit zu wiegen: „Hongkongs Status als Finanztor ist gefährdet“, die Stadt habe möglicherweise ihren Höhepunkt als Offshore-Finanzzentrum erreicht. Das größte Risiko geht dabei jedoch nicht von den Protesten selbst aus, sondern von der chinesischen Regierung. Seit der Übergabe der ehemaligen britischen Kronkolonie ganz im Süden Chinas im Jahr 1997 gehört die Metropole zwar zu China. Doch sie genoss bislang nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ einen hohen Grad an Autonomie und ist eine freie Marktwirtschaft.

    So gibt es in Hongkong keine strengen Kapitalverkehrskontrollen wie in Festland-China. Ein weiterer Unterschied: Hongkong hat ein politisch unabhängiges Rechtssystem sowie Presse- und Meinungsfreiheit.

    Moody‘s hat Zweifel

    Das muss allerdings nicht so bleiben. Max Zenglein, Leiter des Programms Wirtschaft bei Merics und einer der Autoren der Studie, warnt: „Das Rechtssystem funktioniert noch, aber es gibt erste Anzeichen, dass es nicht mehr unabhängig ist.“ Insbesondere die Reaktion aus Peking auf das Urteil des höchsten Hongkonger Gerichts zum Verbot des Tragens von Gesichtsmasken hatte bei Beobachtern Entsetzen ausgelöst und wurde als Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz gewertet.

    Denn nachdem das Hohe Gericht das von der Hongkonger Regierung erlassene Verbot von Masken für verfassungswidrig erklärt hatte, zweifelte die Regierung in Peking das Urteil öffentlich an und gab zu verstehen, dass Entscheidungen über die Hongkonger Verfassung in China getroffen werden. „Es wird sich zeigen in den nächsten Jahren, wie unabhängig das Rechtssystem ist, wenn Urteile gefällt werden, die China nicht passen“, sagt Zenglein.

    Erst am Montag hatte die US-Ratingagentur Moody‘s die Kreditwürdigkeit von Hongkong auf „Aa3“ herabgesetzt und Zweifel an der tatsächlichen Autonomie der Hongkonger Regierung ausgedrückt.

    Würde die internationale Finanzwelt das Vertrauen in Hongkong verlieren, könnte das auch China arg zusetzen. Hongkong dient vielen ausländischen Unternehmen nicht nur als Tor zu dem riesigen Markt. Im Jahr 2018 kamen zudem 65 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen über Hongkong in die Volksrepublik. Chinesische Unternehmen kommen über Börsengänge leicht an große Summen an Kapital. Fiele dieser Kanal weg, hätte auch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ein Problem.

    Eine Alternative zu Hongkong gibt es in China derzeit nicht. Zwar versucht die Zentralregierung seit Jahren, Shenzhen und Schanghai als Finanzzentren aufzubauen, jedoch mit wenig Erfolg. „China ist spektakulär gescheitert“, sagt Merics-Forscher Zenglein, „die chinesische Wirtschaft ist immer noch auf den Finanzplatz Hongkong angewiesen.“ Gründe dafür sind eben unter anderem die strengen Kapitalverkehrskontrollen in Festland-China sowie das angreifbare Rechtssystem.

    Arg zugesetzt haben die Proteste schon jetzt der lokalen Wirtschaft in Hongkong. Weil weniger chinesische Touristen in die Metropole kamen, gingen vor allem im Tourismus und im Einzelhandel die Umsätze zeitweise im zweistelligen Prozentbereich zurück. Im abgelaufenen Jahr ist die Wirtschaft in eine technische Rezession gefallen.

    Ein Ende der Proteste ist nach Einschätzung von Beobachtern nicht in Sicht. Die Demonstranten halten auf der einen Seite weiterhin an ihren Forderungen nach mehr Freiheit fest. Die Hongkonger Regierung ist wiederum nicht zu Zugeständnissen bereit.

    Mehr: Zwei Deutsche wurden in Hongkong während der Proteste festgenommen. Dabei bekamen sie einen bleibenden Eindruck von den Gefahren des Konflikts.

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