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Thüringer Volks- und Raiffeisenbank Finanzaufsicht setzt Verfahren zur Absetzung des Chefs der „Effenberg-Bank“ aus

Die Bafin will weitere Erkenntnisse der Strafverfolger abwarten – unter anderem geht es um den Verdacht der Untreue. Die Bank wertet die Aussetzung als Erfolg.
14.12.2020 - 17:19 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Fußballprofi soll der VR-Bank Bad Salzungen helfen, die Risiken im Fußballsektor richtig einzuschätzen. Denn ein Geschäftszweig der Bank sind Kredite an Profivereine. Quelle: imago/Sebastian Wells
Stefan Effenberg

Der ehemalige Fußballprofi soll der VR-Bank Bad Salzungen helfen, die Risiken im Fußballsektor richtig einzuschätzen. Denn ein Geschäftszweig der Bank sind Kredite an Profivereine.

(Foto: imago/Sebastian Wells)

Frankfurt Der Streit zwischen der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden und der Finanzaufsicht Bafin zieht sich in die Länge. Die Bafin hat das Verfahren zur Abberufung des Bankchefs und zu einer möglichen Verwarnung eines weiteren Vorstands ausgesetzt. Das Institut, das 2018 mit der Verpflichtung von Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg als Spezialist für Fußballfinanzierung für Schlagzeilen sorgte, sieht seine Position dadurch bestätigt.

Der zuständige Bafin-Mitarbeiter schrieb Anfang Dezember, er setze das Verfahren aus, „um die weiteren Erkenntnisse aus dem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren mit in meine bankaufsichtsrechtliche Beurteilung einbeziehen zu können“. Er behalte sich jedoch vor, „das Verfahren – soweit erforderlich – zu gegebener Zeit wieder aufzunehmen“.

In dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, nennt die Bafin keine weiteren Details zum Aussetzen des Verfahrens. Denkbar ist, dass die Strafverfolgungsbehörden mehr Zeit für ihre Ermittlungen benötigen oder dass weitere Aussagen von Beteiligten überprüft werden müssen. Die Bafin äußerte sich dazu nicht.

Der Anwalt des Aufsichtsrats der VR-Bank, Edgar Steinle, geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellt. „Das ergibt sich für uns aus den Erkenntnissen, die wir aus den Ermittlungsakten gewonnen haben, und mit Blick auf unsere Darstellungen zu den bislang nicht gewürdigten Tatsachen und wirtschaftlichen Hintergründen der Vorgänge“, erklärte Steinle. „Damit würde auch das Verfahren der Bafin dann endgültig seine Erledigung finden.“

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    Der Streit zwischen der Bafin und der Regionalbank aus Thüringen ist in seiner Form und Schärfe ungewöhnlich. Dass die Finanzaufsicht Abberufungsverfahren gegen Bankvorstände anstrengt, kommt äußert selten vor. Am Ende könnte es darin münden, dass die Bafin den Vorstandschef per Verwaltungsakt vor die Tür setzt.

    Hauptgrund für das Einschreiten der Bafin ist ein Immobiliengeschäft der Bank aus dem Jahr 2014, in das der Chef des Geldhauses selbst verwickelt ist – ob einwandfrei oder gesetzeswidrig, darum dreht sich der Streit. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt seit 2018 wegen des Verdachts der Untreue bei dem Immobiliendeal gegen den Vorstandschef und eine ehemalige Mitarbeiterin des Geldhauses. Im Wesentlichen geht es um die Frage, ob der Vorstandschef aus dem Kauf der Immobilie einen persönlichen Vorteil gezogen hat – zulasten der Bank.

    Fußballfinanzierung ist ein Geschäftszweig

    Der Vorstandschef äußert sich nicht zu den laufenden Ermittlungen und verweist auf die Ausführungen des Anwalts des Aufsichtsrats. Und die Bank wehrt sich derweil vehement. Steinle weist die Vorwürfe deutlich zurück. Der Aufsichtsrat hatte laut Steinle zwischenzeitlich sogar schon eine Klage gegen die Bafin beschlossen.

    Die VR-Bank aus Thüringen zählt eigentlich zu den Zwergen der deutschen Bankenlandschaft. Aber die Genossenschaftsbank aus der thüringischen Provinz schreckt nicht vor ungewöhnlichen Geschäften und großen Namen zurück. Vor zwei Jahren heuerte das Geldhaus Effenberg an, um das Fußballgeschäft des Geldhauses anzukurbeln – und sorgte damit bundesweit für Schlagzeilen. Der Angestellte Effenberg soll helfen, die Risiken im Fußballsektor richtig einzuschätzen. Denn ein Geschäftszweig der Bank sind Kredite an Profivereine.

    Aus Sicht der Bafin gibt es bei der VR-Bank neben dem Immobiliengeschäft von 2014 noch weitere Baustellen. Das geht aus dem Protokoll der jüngsten Generalversammlung der VR-Bank hervor. So kritisiert die Behörde auch ein anderes Immobilienprojekt des Instituts. Die Bank rechtfertigt hier ebenfalls ihr Vorgehen.

    Bafin beanstandet Fortbildungskosten

    Obendrein hat die Bafin demnach beim Umgang mit Fußballstar Effenberg Beanstandungen. Die Aufsicht hat Zweifel an der „Angemessenheit der Fortbildungsmaßnahmen für Herrn Effenberg“ bei der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG), für die das Institut 70.000 Euro bezahlte. Die Kosten für die Fortbildung sind auch Teil der staatsanwaltschaftlichen Ermittlung, so die Staatsanwaltschaft.

    Die Bank verteidigt die Ausgaben zur Weiterbildung eines Mitarbeiters, der eine „hervorgehobene Stellung“ innehabe. Durch die Fortbildung solle der ehemalige deutsche Nationalspieler in die Lage versetzt werden, „Eröffnungsgespräche zu möglichen Finanzierungsthemen erfolgreich zu gestalten“. Es handle sich um einen ganz normalen Lehrgang mit der ADG für Mitarbeiter der dritten und vierten Führungsebene.

    Nicht nur angesichts des prominenten Mitarbeiters polarisiert das Geldhaus innerhalb des genossenschaftlichen Sektors. Denn mit ihrem Geschäftsmodell setzen sich die Thüringer auch an anderer Stelle deutlich von anderen Volksbanken ab. Das Institut erwirbt und verkauft auch Immobilien, investiert in erneuerbare Energien wie Windräder – und das nicht nur in der eigenen Region. Solche Geschäfte machen die Bank, deren Bilanzsumme bei mehr als einer Milliarde Euro liegt, unabhängiger von der Negativzinspolitik der Europäische Zentralbank.

    Mehr: Faule Kredite können für Sparkassen und Genossenschaftsbanken besonders gefährlich werden.

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