Trade Republic: Neobroker verbucht Fehlbetrag von 145 Millionen Euro
Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker macht schwierige gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen aus.
Foto: Trade-RepublicFrankfurt. Höhere Kosten belasten das Ergebnis von Trade Republic: Der Berliner Neobroker verbuchte im Geschäftsjahr 2021/22, das von Oktober 2021 bis Ende September 2022 ging, einen Fehlbetrag von 145 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg von etwa 311 Prozent im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr. Diese Zahlen gehen aus dem am Dienstag im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss hervor.
Vor allem gestiegene Personalkosten sowie Kosten für „Marketing, Mieten, Software- und Hardwaredienstleistungen sowie für Rechts- und Beratungsleistungen“ schlugen hier zu Buche. So stiegen die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen auf etwa 218 Millionen Euro an – ein Anstieg um fast 100 Millionen Euro im Vergleich zum Geschäftsjahr davor.
„Das Geschäftsjahr der Trade Republic war vor allem durch die Akquise von Neukunden und den Ausbau des Produktangebots geprägt“, heißt es dazu konkret im Jahresabschluss. Im Oktober 2021 erfolgte etwa der Start in Spanien, Italien und den Niederlanden.
Trade Republic zählt zu den größten Brokern des Landes. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben mehr als eine Million Kunden, wobei diese Zahl bereits seit April 2021 kommuniziert wird. Neuere Angaben finden sich auch im Jahresabschluss nicht.
Der Berliner Neobroker bietet unter anderem den Handel mit Aktien oder ETFs an. Zudem können Kunden seit September dieses Jahres auch in Staats- und Unternehmensanleihen investieren.
Die stark gestiegenen Kosten konnte auch ein im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr um 38 Prozent höherer Provisionsüberschuss (103,3 Millionen Euro) nicht ausgleichen. „Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben einen erheblichen Einfluss auf die Finanzmärkte und somit auch auf die Handelsaktivitäten der Kunden der Trade Republic“, heißt es im Jahresabschluss.
Die wirtschaftliche Entwicklung sei insbesondere durch den Ukrainekrieg, die steigende Inflation und die Zinswende geprägt. Das damals noch gegebene negative Zinsumfeld brachte dem Unternehmen negative Zinserträge in Höhe von etwa 7,7 Millionen Euro.
Trade Republic: Neobroker weist trotzdem hohes Eigenkapital auf
Trotz des hohen Fehlbetrags weist Trade Republic ein hohes Kapitalposter auf. So betrug das Eigenkapital zum Ende des Geschäftsjahres 389 Millionen Euro. Zuletzt sammelte der Neobroker im Juni des vergangenen Jahres 250 Millionen Euro von Investoren ein – und steigerte die Bewertung auf fünf Milliarden Euro.
Erst kürzlich hatte Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker im Handelsblatt mit Blick auf die Handelsaktivitäten in diesem Jahr vom „besten Sommer seit Gründung“ gesprochen. „Trotz der makroökonomischen Bedingungen werden wir das laufende Jahr mit Wachstum im Brokerage abschließen können“, sagte er Ende Oktober diesen Jahres, ohne konkrete Zahlen zu nennen.
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Und auch andere Geschäftsbereiche können nach Heckers Angaben weiter zulegen, vor allem das Geschäft mit Sparplänen. „Die Sparpläne wachsen Monat für Monat, die Zuflüsse ebenfalls. Die Monate September und Oktober haben uns viele neue Kunden gebracht“, sagte Hecker. Sein Unternehmen sehe keine Kontoschließungen, das Anlagevermögen wachse weiter.
Zudem ist die Zeit der Negativzinsen vorbei. „Nach langen Jahren mit Niedrig- oder Negativzinsen beginnt aufgrund der mehrfachen Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank nun eine Phase, in der zinsbasiertes Sparen wieder attraktiver wird“, heißt es dazu im Jahresabschluss. Dies stelle für Trade Republic eine Chance dar, auch Kundengruppen zu gewinnen, die an Zinsprodukten interessiert sind.
Seit Anfang des Jahres wirbt das Unternehmen um Einlagen der Kunden, anfangs noch mit zwei Prozent Zinsen. Seit Oktober bietet Trade Republic 4,0 Prozent Zinsen auf das nicht investierte Vermögen der Kunden. Das Angebot gilt für Neu- und Bestandskunden bis zu einem Guthaben von 50.000 Euro, eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht.
Erstpublikation: 15.11.2023, 15:40 Uhr.