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Türkei Die türkische Regierung muss die Banken verstärkt unterstützen

Erleichterungen für die Geldhäuser sollen das Wachstum ankurbeln. Leitzinssenkungen reichen dazu offenbar nicht aus.
12.12.2019 - 12:36 Uhr Kommentieren
Die türkische Regierung drängt die Banken zum Abbau fauler Kredite. Quelle: dpa
Blick auf das Finanzviertel in Istanbul

Die türkische Regierung drängt die Banken zum Abbau fauler Kredite.

(Foto: dpa)

Istanbul Die türkische Regierung greift den heimischen Banken unter die Arme. Dabei geht es allerdings nicht nur um die Institute selbst. Die Banken sollen mehr Kredite vergeben, um die lahmende Konjunktur anzukurbeln. Seit dem Sommer senkt die Zentralbank des Landes kontinuierlich die Zinsen, zuletzt an diesem Donnerstag von 14 auf 12 Prozent.

Doch das scheint nicht zu reichen. Bereits die letzten Zinssenkungen hatten nicht die gewünschte Wirkung auf das Kreditwachstum gezeigt. Deshalb dereguliert die Regierung jetzt den Finanzsektor. Nach Jahren mit heftigen Währungsschwankungen und hoher Inflation soll die türkische Wirtschaft jetzt stabiler werden.

Starke Schwankungen der Lira und eine grassierende Inflation haben die türkische Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren zeitweise schwer belastet. Phasenweise stiegen die Preise um knapp 30 Prozent pro Jahr, während die Lira zum US-Dollar vor allem im Jahr 2018 erheblich an Wert verloren hat. In der Folge verteuerten sich Importe, die Nachfrage sank, die Industrie bekam deutlich weniger Aufträge. Dadurch verloren viele Menschen ihre Arbeit: Alleine in den vergangenen zwölf Monate kamen rund eine Million Arbeitslose hinzu.

Haushalte leben auf Pump

Das wirkte sich auch auf den Bankensektor aus. Viele Haushalte in der Türkei leben auf Pump, die Industrie braucht ohnehin Kredite, um zu investieren und wachsen zu können. Die Folge: Der Anteil notleidender Kredite stieg kontinuierlich an. Im Oktober lag der Anteil der faulen Darlehen an der Gesamtbilanz der türkischen Banken bei 5,2 Prozent. Bis Jahresende könnte der Wert sogar auf 6,3 Prozent steigen, schätzen Experten.

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    Wegen des hohen Bestands an notleidenden Krediten fehlt den türkischen Banken jetzt das Geld, um neue Kredite zu vergeben. Die türkische Regierung will dieser drohenden Kreditklemme vorbeugen, um das Wachstum anzukurbeln.

    In diesem Jahr wird die türkische Wirtschaft nur minimal wachsen, wenn überhaupt. Präsident Erdogan wünscht sich für Ende 2020 bereits wieder fünf Prozent Wachstum. Um das zu erreichen, braucht er einen flexiblen Finanzsektor. Das Finanzministerium und ihm angeschlossene Behörden haben daher in den vergangenen Tagen einen großen Maßnahmenkatalog bekanntgegeben.

    Anfang Dezember senkte die Bankenaufsicht BDDK bereits die Anforderungen für Geldhäuser, die Kredite von Firmen in ihren Büchern haben, die in der Vergangenheit Zahlungsprobleme hatten. Die Aufsicht überlässt es nun den Banken selbst, diese Kredite als notleidend einzustufen oder nicht. Damit würden sich automatisch die Kapitalanforderungen für diese Kredite verringern.

    Auch die nächste Maßnahme zielte auf Kredite ab, die notleidend sind oder waren. Die Aufsicht hatte in den vergangenen Tagen mit Genehmigung des Finanzministeriums die Banken des Landes aufgefordert, einen Plan zur Verringerung der faulen Darlehen in ihren Büchern vorzulegen.

    Banken sollen Kredite verkaufen

    Indirekt drängt die Aufsicht damit die Banken, Portfolios notleidender Kredite an Investoren zu verkaufen. Auch hier gilt das Prinzip: Je weniger faule Darlehen in den Büchern, desto mehr Luft bleibt zur Kreditvergabe an Industrie und Haushalte. Die BDDK will den Prozess monatlich überprüfen. Bis Ende 2020 sollen die Geldhäuser den Anteil ihrer notleidenden Kredite signifikant abgebaut haben, lautet die Vorgabe aus dem Ministerium.

    Zuvor hatte die Aufsicht die Banken bereits gezwungen, Kredite im Wert von 46 Milliarden Lira (knapp acht Milliarden Euro) als notleidend zu bezeichnen. Damit machte die BDDK den Weg frei, schlecht laufende Kreditpakete an Investoren zu verkaufen.

    Anfang dieser Woche folgte der nächste Schritt – dieses Mal geht es um die Unternehmen, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ihnen soll weniger Zeit eingeräumt werden, um ihre wirtschaftlichen Probleme zu bewältigen. Der türkische Gesetzgeber gewährt zahlungsunfähigen Unternehmen 23 Monate um das Geschäftsmodell und die Finanzierung auf ein neues, solides Fundament zu stellen. In der Türkei wird diese Periode Konkordat genannt.

    Die Aufsicht will diese Periode nach Angaben von Insidern von 23 auf 6 Monate senken. Was für die betroffenen Unternehmen Stress bedeutet, wäre für die Banken eine Entlastung: Sie müssten die Kredite solcher Firmen nicht mehr so lange in ihren Büchern behalten, ohne zu wissen, ob sie überhaupt bedient werden.

    Häuser und Autos statt Zinsen

    Um den Prozess zu beschleunigen, kündigten die Banken an, bis März 2020 eine Art Bad Bank zu gründen, die den staatlichen und privaten Geldhäusern des Landes die notleidenden Kredite abkaufen soll. Experten von Oyak Security, einer türkischen Analysefirma, bewerten die Maßnahmen positiv. „Damit erhalten die Banken die Möglichkeit, unrentable Kredite loszuwerden und neue Kredite zu vergeben.“ Eine Bad Bank würde die Kreditpakete zu besseren Bedingungen abkaufen als andere Investoren.

    Außerdem will es die Regierung den Unternehmen schwerer machen, sich außerhalb des Bankensektors Geld zu besorgen. In der Türkei hat sich in den Monaten der Rezession eine lebhafte alternative Finanzszene entwickelt. Firmen wie Birevim (auf Deutsch: „Mein Haus“) sammeln die Ersparnisse Tausender Türkinnen und Türken in einem Fonds. Fondsmanager investieren das Geld am Kapitalmarkt. Die Geschäfte sind zinsfrei, wie es islam-konforme Finanzierungen sein müssen.

    Dafür schütten die Firmen Erträge in Naturalien aus: Jeden Monat erhalten Mitglieder der frommen Investorengruppe Häuser oder Autos. Birevim verzeichnet nach eigenen Angaben pro Monat inzwischen 20.000 neue Mitglieder und vergibt pro Monat rund 5.000 Häuser.

    Den Behörden sind solche Konstrukte ein Dorn im Auge, nicht zuletzt wegen der schwachen Sicherheiten für die Anleger. Aber auch, weil Firmen wie Birevim den staatlichen und privaten Banken im Land das Geschäft abgraben. Das Finanzministerium unter Führung von Berat Albayrak, Mitglied der islamisch-konservativen AKP und Schwiegersohn von Präsident Erdogan, will diesen Schattensektor stärker regulieren. Privatanleger sollen wieder zu den normalen Hausbanken gehen, um ihr Geld anzulegen, so die Devise.

    Die Türkische Lira hält sich derweil wacker. Seit Jahresbeginn hat die Währung gegenüber dem Dollar zwar neun Prozent an Wert verloren, seit mehreren Wochen liegt der Wechselkurs aber erstaunlich stabil. Das liegt vor allem an Maßnahmen der Zentralbank, die die heimische Währung stärken. So verringerten die Geldwächter in Ankara zeitweise die Liquidität im Lirahandel, um Spekulationen gegen die Währung vorzubeugen.

    Mehr: Rezession beendet – Türkische Wirtschaft wächst wieder

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