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Übernahme-Angebot Comdirect äußert sich überraschend kritisch zu Commerzbank-Offerte

Die Direktbank empfiehlt nur einem Teil ihrer Aktionäre eine Annahme des Kaufangebots – und beklagt fehlende Garantien und Details. Comdirect-Chef Walter mahnt zu Gelassenheit.
13.11.2019 Update: 13.11.2019 - 17:08 Uhr Kommentieren
Mit Hilfe der Comdirect will die Commerzbank noch stärker auf das Online- und Smartphone-Banking setzen. Quelle: dpa
Online-Bank Comdirect

Mit Hilfe der Comdirect will die Commerzbank noch stärker auf das Online- und Smartphone-Banking setzen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Onlinebank Comdirect gehört bereits zu 82 Prozent der Commerzbank. Und der Austausch zwischen Commerzbank-Privatkundenvorstand Michael Mandel und Comdirect-Chef Arno Walter ist intensiv. Als der Mutterkonzern kürzlich bekanntgab, Comdirect ganz schlucken zu wollen, erwartete kaum jemand Widerstand von der Tochter aus Quickborn.

Es ist deshalb durchaus überraschend, dass die Stellungnahme vom Vorstand und Aufsichtsrat von Comdirect eine Reihe von kritischen Anmerkungen enthält. Die Direktbank bezeichnet den Angebotspreis von 11,44 Euro je Aktie zwar als angemessen. Die Gremien empfehlen jedoch nur kurzfristig orientierten Aktionären eine Annahme der Commerzbank-Offerte.

Bei langfristig orientierten Aktionären sieht die Comdirect-Spitze von einer Empfehlung ab, weil aus ihrer Sicht in den Angebotsunterlagen nicht hinreichend klar wird, welche strategische Ausrichtung die Comdirect unter dem Dach der Commerzbank künftig einschlagen soll.

Man verstehe die grundsätzlichen Beweggründe der Commerzbank, erklärte Comdirect. „Allerdings fehlen in der Angebotsunterlage detailliertere Aussagen zu einzelnen Strategiefeldern und Synergiepotenzialen, sodass Vorstand und Aufsichtsrat zum jetzigen Zeitpunkt die Richtigkeit des strategischen Konzepts der Bieterin insgesamt nicht abschließend bewerten können.“

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Standort erkennen

    Einige Experten haben Zweifel, ob die Integration der Comdirect in die Commerzbank der richtige Schritt ist. Manche Konkurrenten hoffen, dass das Mutterschiff Commerzbank das Schnellboot Comdirect ausbremst und sie in der Folge Comdirect-Kunden abwerben können.

    Comdirect war von den Commerzbank-Plänen Mitte September überrascht worden. Viele Mitarbeitern sind verunsichert und fragen sich, wie es für sie weitergeht. Denn laut den Angebotsunterlegen plant die Commerzbank im Zuge der Verschmelzung Stellen abzubauen. Finanzkreisen zufolge sollen Hunderte Arbeitsplätze wegfallen.

    Auch die Zukunft der Comdirect-Zentrale in Quickborn bei Hamburg hat die Commerzbank offengelassen. Vorstand und Aufsichtsrat bedauern, „dass die Bieterin zu diesem Zeitpunkt keine Zusagen für den Erhalt bestimmter Standorte und Strukturen der Comdirect gibt“, heißt es in der Stellungnahme.

    Längere Phase der Unsicherheit droht

    Commerzbank-Chef Martin Zielke zeigte sich trotz der kritischen Töne erfreut über die Stellungnahme der Comdirect-Spitze. „Comdirect hat unseren Angebotspreis als finanziell angemessen eingestuft“, erklärte Zielke. „Jetzt ist die richtige Zeit, um unser Angebot anzunehmen.“

    Das Angebot läuft noch bis 6. Dezember und steht unter dem Vorbehalt, dass die Commerzbank mindestens 90 Prozent der Anteile einsammelt. Ob dies gelingt, ist fraglich. Der zweitgrößte Aktionär Petrus Advisers hat seinen Anteil kürzlich auf 5,7 Prozent aufgestockt und angekündigt, die Offerte nicht anzunehmen.

    Zudem notierte die Comdirect-Aktie aktuell bei 13,48 Euro und damit deutlich über dem Angebotspreis. Für Anleger ist es derzeit also attraktiver, die Papiere über die Börse zu verkaufen, als sie der Commerzbank anzudienen. Auch darauf weisen die Comdirect-Gremien in ihrer Stellungnahme hin.

    Sollte die Commerzbank am Ende weniger als 90 Prozent der Comdirect-Aktien erhalten, will sie zum Plan B greifen und beide Institute zwangsverschmelzen. Dies ist im Rahmen des Umwandlungsgesetzes bereits aber einer Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen möglich.

    Comdirect-Aktionäre würden dann Commerzbank-Aktien bekommen. Das Tauschverhältnis würde von externen Prüfern festgelegt. Dafür müssten Wertgutachten von Comdirect und Commerzbank erstellt werden. Zudem müsste die Verschmelzung von beiden Hauptversammlungen abgesegnet werden – beim Squeeze-out gilt das nur für Comdirect.

    Insgesamt wäre dieser Weg also unbequem und mühsam, betont die Comdirect-Spitze. „Vorstand und Aufsichtsrat sehen die Gefahr, dass eine solche Verschmelzung bis zu ihrem Wirksamwerden erhebliche Zeit in Anspruch nehmen kann und dann zu einer längeren Phase der Unsicherheit führen würde.“

    Ob eine Verschmelzung via Aktientausch für Comdirect-Aktionäre attraktiver wäre als die vorliegende Übernahmeofferte, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen die Kursentwicklung der Commerzbank-Aktie sowie die von einem Gutachter ermittelten Unternehmenswerte von Commerzbank und Comdirect. Der Gegenwert könne dem Angebotspreis „rechnerisch entsprechen, aber auch höher oder niedriger ausfallen“, erklärte Comdirect.

    „Aus Prinzip keinerlei Bankaktien“

    Die Commerzbank will durch die Integration von Comdirect Kosten sparen und die Digitalisierung des Geldhauses vorantreiben. Besonders beim Ausbau des Mobile Bankings, also der Abwicklung von Bankgeschäften über das Smartphone, versprechen sich die Frankfurter Impulse von ihrer Direktbanktochter.

    Comdirect könne der Commerzbank vor allem in drei Bereichen weiterhelfen, sagte Vorstandschef Walter im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Beim Kundenservice, mit unserer Comdirect-App sowie mit unserem Angebot im Wertpapierhandel.“

    Walter ist zuversichtlich, dass viele offene Fragen zeitnah geklärt werden können. „Es gibt das erklärte Ziel von beiden Seiten, sich gemeinsam an den Tisch zu setzen und gute Lösungen zu finden – auch für die Beschäftigten auf beiden Seiten.“

    Zu einer Flucht von Comdirect-Kunden wegen der bevorstehenden Übernahme ist es laut Walter bisher nicht gekommen. Dafür gebe es auch keinen Grund, schließlich habe sich am Angebot für Comdirect-Kunden nichts geändert, sagte der Vorstandschef. „Bei den meisten Kunden, mit denen ich zuletzt Kontakt hatte, erlebe ich eine Mischung aus Neugier und Gelassenheit.“

    Walter bestreitet nicht, dass einige Menschen bewusst Kunden von Comdirect sind und nicht von der Commerzbank. „Das mag sein.“ Aber Comdirect werde nun ja nicht von einem chinesischen Mischkonzern übernommen, sondern von einem Großaktionär, den man lange kenne, betonte der Vorstandschef. „Die neue Situation kommt für viele unserer Kunden nicht völlig überraschend.“

    Walter selbst steht übrigens nicht vor der brisanten Frage, Comdirect-Aktien anzudienen oder nicht. „Ich halte aus Prinzip keinerlei Bankaktien – auch nicht von der Commerzbank, der Deutschen Bank oder von BNP Paribas“, sagte der Vorstandschef. „Ich streue das Risiko lieber breiter und bin deshalb sehr stark in ETFs investiert.“

    Mehr: Die Commerzbank will die Comdirect integrieren und deren Minderheitsaktionäre hinausdrängen. Was Anleger über das Kaufangebot wissen sollten.

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