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Umbau in München Die mühsame Strategiesuche der BayernLB

Die Landesbank und ihre Eigentümer haben lange über eine Neuausrichtung beraten. Nun entsteht eine Direktbank mit angeschlossener Landesbank.
13.12.2019 - 17:00 Uhr Kommentieren
Am Mittwoch will der Aufsichtsrat über die neue Strategie der zweitgrößten deutschen Landesbank entscheiden. Quelle: dpa
BayernLB-Zentrale in München

Am Mittwoch will der Aufsichtsrat über die neue Strategie der zweitgrößten deutschen Landesbank entscheiden.

(Foto: dpa)

Frankfurt, München Im Sommer 2017 ist die Stimmung bei der BayernLB ausgelassen. Bei einem Mitarbeiterfest im Innenhof der Bank in der Münchener Innenstadt fließt das Bier in Strömen. Die jahrelang kriselnde Landesbank hat gerade das EU-Beihilfeverfahren abgeschlossen, nach der staatlichen Rettung in der Finanzkrise musste das Geldhaus strenge Vorgaben erfüllen. Nun wird alles besser, denken damals viele.

Doch geschehen ist lange erst einmal gar nichts. Statt sich an die immer schwierigeren Rahmenbedingungen anzupassen, habe die BayernLB einfach so weitergemacht, räumen Führungskräfte heute selbstkritisch ein. Und das hat in Zeiten von Negativzinsen, schärferen regulatorischen Auflagen und hartem Wettbewerb Konsequenzen. Heute arbeite die Bank in vielen Bereichen ineffizient, berichten Insider. Deutschlands zweitgrößte Landesbank habe ein Kostenproblem.

Bei der Frage, wer die Schuld am jahrelangen Stillstand trägt, gehen die Meinungen auseinander. Manche zeigen auf den Freistaat Bayern, der als Mehrheitseigner vor der Landtagswahl im Oktober 2018 heikle Themen wie Personalabbau und Privatisierung nicht habe anfassen wollen. Andere machen dafür Ex-Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler verantwortlich, der mit Ex-Aufsichtsratschef Gerd Häusler über Kreuz lag und die Bank im Februar verlassen musste.

Sein Nachfolger Stephan Winkelmeier, der im Sommer den Vorstandvorsitz von Interimschef Edgar Zoller übernommen hat, soll in der kommenden Woche nun endlich eine neue Strategie auf den Weg bringen. Die Kernpunkte stehen dabei nach Informationen des Handelsblatts bereits fest. Die Direktbanktochter DKB soll gestärkt werden und innerhalb des BayernLB-Konzerns an Bedeutung gewinnen.

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Standort erkennen

    Im klassischen Landesbankgeschäft soll es dagegen Einschnitte geben – inklusive des Abbaus von Hunderten Arbeitsplätzen. Die BayernLB, die zu 75 Prozent dem Land und zu 25 Prozent den bayerischen Sparkassen gehört, wollte sich dazu nicht äußern.

    Millionen für zwei Beratungsgesellschaften

    Neben den Landtagswahlen, zwei Chefwechseln und internen Streitigkeiten gibt es nach Handelsblatt-Informationen noch einen weiteren Grund, warum die Suche nach einer Neuausrichtung so schleppend verlief: Die BayernLB hat in diesem Sommer mitten im Strategieprozess ihren Berater ausgetauscht. Zunächst half die Beratungsgesellschaft Bain dem Geldhaus bei der Suche nach ihrer künftigen Ausrichtung. Kurz nach dem Amtsantritt von Vorstandschef Winkelmeier im Sommer übernahm dann McKinsey.

    Manche Beteiligte hielten die Konzepte von Bain für wenig überzeugend und begrüßten den Wechsel, für den es im Vorstand und Aufsichtsrat breite Unterstützung gab. Kritiker monieren dagegen, es habe für die BayernLB ohnehin wenige realistische Handlungsoptionen gegeben – und nun müsse das Geldhaus unnützerweise millionenschwere Honorare für zwei verschiedene Berater hinlegen.

    Grafik

    In den vergangenen Jahren zählte die BayernLB zu den erfolgreichsten Landesbanken in Deutschland, was jedoch auch auf Sondereffekte zurückzuführen war. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres brach der Vorsteuergewinn allerdings um 40 Prozent auf 433 Millionen Euro ein. Besonders schwach entwickelte sich dabei das Kapitalmarkt- und Firmenkundengeschäft. Bereits im Spätsommer hat die Bank deshalb schon verkündet, beide Sparten zu verschmelzen.

    Insider gehen davon aus, dass der Aufsichtsrat am Mittwoch beschließen wird, den Bereich „Financial Markets“ ganz einzustellen. Betroffen davon wären 200 bis 300 Mitarbeiter. Das Segment hat in den ersten neun Monaten des Jahres lediglich ein Vorsteuerergebnis von 10 Millionen Euro eingefahren – und die Aussichten sind mau. Die Dominanz der großen US-Banken im Kapitalmarktgeschäft ist groß, kleine Spieler wie die BayernLB werden immer mehr an den Rand gedrängt.

    Durch eine Schließung des Segments könne die Münchener Bank die Ausgaben für IT und Technik drücken, heißt es in Finanzkreisen. Auch im Geschäft mit großen Firmenkunden und Mittelständlern könne es zu Kürzungen kommen. In diesem Geschäftsfeld stehen die Gewinnmargen wegen der EZB-Zinspolitik und des harten Wettbewerbs in Deutschland unter Druck. „Es gibt viele Wettbewerber, die sich Deutschland als Kernmarkt auserkoren haben“, sagte Winkelmeier im Sommer. „Das wird nicht weniger, sondern tendenziell eher mehr.“

    Direktbank DKB soll weiter wachsen

    Gestärkt werden sollen Insidern zufolge dagegen der Bereich Immobilien sowie das Sparkassen- und Verbundgeschäft. Zuletzt hatte sich dort vor allem das Zins- und Provisionsgeschäft stark entwickelt. Mit einem Vorsteuerergebnis von 151 Millionen Euro trug der Bereich nach neun Monaten rund 35 Prozent zum Gesamtgewinn der BayernLB bei. Das Institut werde künftig „die Wachstumschancen nutzen, die sich bei unseren Ergebnistreibern, vor allem also bei der DKB und im gewerblichen Immobiliengeschäft, bieten“, sagte Winkelmeier Mitte November bei der Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal.

    Die DKB wird im Zuge der neuen Strategie nun auch offiziell zum Kern der BayernLB – und das ist alles andere als überraschend. Wie andere Onlinebanken ist das in Berlin ansässige Institut seit Jahren stark gewachsen. Mittlerweile hat die DKB 4,2 Millionen Kunden – und ist damit nach der ING und vor Comdirect die zweitgrößte Direktbank in Deutschland.

    Überlegungen der DKB-Spitze, die Bank im Zuge eines Management-Buy-outs zu übernehmen, erteilte die BayernLB bereits vor Jahren eine Absage. Und das hat sich ausgezahlt. In den ersten neun Monaten des Jahres fuhr die DKB einen Vorsteuergewinn von 241 Millionen Euro ein – und trug damit gut 55 Prozent zum Ergebnis der BayernLB bei. So hoch lag der Anteil noch nie. Die Anzahl der Mitarbeiter ist inzwischen auf rund 4000 gestiegen – jeder zweite BayernLB-Angestellte arbeitet also mittlerweile für die Berliner Onlinetochter.

    Er lag mit Ex-Aufsichtsratschef Gerd Häusler über Kreuz - und musste die Landesbank im Februar verlassen. Quelle: dpa
    Ex-BayernLB-Chef Johannes-Jörg Riegler

    Er lag mit Ex-Aufsichtsratschef Gerd Häusler über Kreuz - und musste die Landesbank im Februar verlassen.

    (Foto: dpa)

    Die DKB soll im Zuge der neuen Strategie Mittel für weiteres Wachstum bekommen. Damit könnte sie beispielsweise ihr Angebot im Wertpapiergeschäft ausbauen, wo sie aktuell Konkurrenten wie Comdirect hinterherhinkt. In der Vergangenheit hatte die BayernLB auch über weitergehende Schritte nachgedacht – etwa eine Expansion ins deutschsprachige und dann ins europäische Ausland. Als Vorbild galt vielen dabei die niederländische Großbank ING, die bereits seit mehr als einem Jahrzehnt den deutschen Markt aufrollt.

    Perspektive Super-Landesbank?

    Im Zuge der neuen Strategie hatten die BayernLB und ihre Eigentümer anfangs auch grundlegende Reformen wie eine Aufspaltung sowie einen Teil- oder Vollverkauf geprüft. Ein Szenario wäre gewesen, die DKB zu verkaufen, das Fördergeschäft aus der BayernLB herauszulösen und das klassische Landesbankengeschäft bei einem Zentralinstitut anzudocken.

    Für ein solches Institut wirbt Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis seit Langem. Ihm schwebt vor, dass durch einen Zusammenschluss des Fondsanbieters Deka mit der Landesbank Hessen-Thüringen bald ein Nukleus für eine solche Super-Landesbank entsteht. Das Land Bayern hat derartigen Überlegungen jedoch fürs Erste eine Absage erteilt.

    Langfristig sei es denkbar, dass die BayernLB die DKB irgendwann verkauft und sich dann an einem solchen Zentralinstitut beteiligt, sagten mehrere mit den Diskussionen vertraute Personen. Kurz- bis mittelfristig sei damit allerdings nicht zu rechnen. Dafür gebe es mehrere Gründe. Die bayerische Landesregierung wolle einen großangelegten Stellenabbau in München verhindern, der mit einem solchen Schritt zwangläufig verbunden wäre. Zudem hafte das Land im Zuge der sogenannten Gewährträgerhaftung nach wie vor für die Pensionslasten der BayernLB – und diese werden im aktuellen Niedrigzinsumfeld immer teurer.

    Im Zuge der sich nun abzeichnenden Strategie erwarten Beteiligte einen moderaten Stellenabbau, der durch Vorruhestandsregelungen und ähnliche Instrumente abgefedert werden kann. Die Gespräche über entsprechende Programme hätten bereits begonnen, berichten Insider.

    Viele Gutverdiener in der Zentrale

    Manche Mitarbeiter machen sich Sorgen, dass die BayernLB den Standort Nürnberg schließen könnte. Doch dagegen sprechen eine Reihe von Argumenten. Am Konzernsitz in München, wo derzeit der Großteil der rund 4000 Landesbank-Mitarbeiter beschäftigt ist, würden zwei Drittel der Beschäftigten übertariflich bezahlt, berichten Insider. Am kleineren Standort Nürnberg mit rund 100 Mitarbeitern sei dies lediglich ein Drittel.

    Gegen die Schließung des Standorts spricht außerdem, dass zur Niederlassung Nürnberg das Sorten- und Edelmetallzentrum der BayernLB gehört. Dort wurden im vergangenen Jahr gut 400 Tonnen an Gold und Silber umgesetzt. Darüber hinaus soll sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dafür starkgemacht haben, dass der Standort in seiner Heimatstadt erhalten bleibt.

    Söder war früher Finanzminister in Bayern und hat die Landesbank in schwierigen Zeiten intensiv begleitet. Das Institut hat ihm also lange mehr Sorgen als Freude bereitet. In den vergangenen Jahren hat sich der CSU-Politiker jedoch mehrfach positiv über die Entwicklung der Bank geäußert und sie als zweitliebste Beteiligung des Landes nach dem Münchner Hofbräuhaus bezeichnet. „Wir werden daran arbeiten, dass wir vielleicht irgendwann auch die erste Rangstelle einnehmen“, scherzte Vorstandschef Winkelmeier im Sommer. „Aber das wird schwierig.“

    Mehr: Sparkassenpräsident Schleweis treibt die Konsolidierung im öffentlichen Finanzsektor voran. Es ist ein riskanter, aber richtiger Schritt, kommentiert Andreas Kröner.

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