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Premium Unternehmensberater Mihm „Private Banken sind beim Marketing über das Internet weiter“

Sparkassen und Volksbanken können nur schwer Stellen abbauen – einfacher geht das, wenn sie Filialen schließen. Der enorme Kostendruck führt genau dazu, so Berater Oliver Mihm im Interview.
01.06.2015 - 15:17 Uhr
Hier machen Banken Filialen dicht
Sparkasse Wetzlar
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Zehn Jahre lang hat die Sparkasse Wetzlar ihr Filialnetz nicht angefasst. Jetzt kommt der große Umbau: 15 von 49 Filialen will das Geldhaus aus dem hessischen Fachwerkstädtchen schließen, also gut 30 Prozent. 26 statt bisher 42 Geschäftsstellen sollen bis Ende 2016 noch mit Personal besetzt sein. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir auf geänderte Kundenanforderungen und betriebswirtschaftliche Belastungen reagieren müssen“, sagt Sparkassenchef Norbert Spory (im Bild).

(Foto: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt)
Sparkassen-Filiale in Wetzlar-Garbenheim
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Die Kunden gehen immer weniger in die Bankfiliale. Filialschließungen stoßen trotzdem oft auf Unmut. Zum Beispiel im Wetzlarer Ortsteil Garbenheim. Die Bürger sammelten Unterschriften gegen die Filialschließung, der Sparkassenchef musste seine Pläne im Ortsbeirat verteidigen. Immerhin: Bargeld abheben können die Garbenheimer Sparkassenkunden womöglich künftig bei einem Lebensmittelladen.

Eine Reportage über das Filialsterben lesen Sie hier.

(Foto: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt)
Filiale in Hannover
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Zusammen kommen die 416 deutschen Sparkassen noch auf mehr als 12.000 mit Mitarbeitern besetzte Filialen. Vor zehn Jahren waren es noch rund 19.000. Es wurden also schon etliche Filialen geschlossen, im vergangenen Jahr allerdings schrumpfte die Zahl nur leicht. Das wird sich nach Einschätzung von Experten nun ändern. Sie gehen davon aus, dass etliche Sparkassen in den nächsten Jahren 20 bis 30 Prozent der Filialen streichen.

Sparkasse Duisburg
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Die Sparkasse Duisburg feiert einmal im Jahr eine Gala (im Bild: Kabarettist Wolfgang Trepper). Doch für Schlagzeilen sorgte zuletzt, dass die Sparkasse Duisburg zwar mehr Geldautomaten aufstellen möchte – bis 2022 aber die Hälfte der mit Mitarbeitern besetzen Geschäftsstellen schließen, wie sie Ende Mai ankündigte. Das Institut verweist darauf, dass die heutige Filialdichte „in weiten Teilen aber dem Netz der 80iger Jahre“ entspreche. Damals allerdings hatte Duisburg noch mehr Einwohner als heute.

(Foto: Imago)
Annaberg-Buchholz
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Im sächsischen Landtagswahlkampf spazierte Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 durch Annaberg-Buchholz – im Hintergrund eine Sparkassen-Filiale. Auch die Erzgebirgssparkasse dampft ihr Filialnetz ein. Nach der Fusion mehrerer Institute wurden binnen kurzer Zeit 38 von 95 Filialen geschlossen. Auch hier regte sich Protest. Immerhin: An Bargeld kommen die Kunden nun auch in 30 sogenannter Agenturen – oft Geschäfte, die im Auftrag der Sparkasse diese Dienstleistung übernommen haben. Darunter ist beispielsweise ein Fahrradladen.

(Foto: dpa)
Osnabrück
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Auch die Sparkasse Osnabrück will ihr Filialnetz ausdünnen. 17 von 58 Filialen sollen geschlossen werden. Investieren will das Geldhaus – wie andere Sparkassen auch – unter anderem in das Onlinebanking und in die Kundenbetreuung per Telefon und Chat. Trotzdem ist Sparkassenchef Johannes Hartig die Präsenz vor Ort wichtig. „Das Filialnetz ist und bleibt der genetische Code unserer Sparkasse!“, sagt er.

Koblenz
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Zu den Sparkassen, die jetzt Filialen in größerem Stil streichen, gehört auch die Sparkasse Koblenz. Sie macht zehn von 48 Zweigstellen zu. „Wir müssen die Sparkasse jetzt so aufstellen, dass sie den geänderten Anforderungen unserer Kunden gerecht wird und für die künftigen Herausforderungen gewappnet ist. Wir dürfen nicht warten, bis es für eine positive Beeinflussung vielleicht zu spät ist“, sagt Sparkassenchef Matthias Nester. Trotzdem sind auch für ihn die Geschäftsstellen der „genetische Code unserer Sparkasse“.

(Foto: Imago)

Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing, rechnet damit, dass die Geldhäuser in Deutschland ihr Filialnetz stark straffen. Sein Prognose: Bis 2020 wird die Zahl der Filialen um fast 20 Prozent sinken.

Wie kommen Sie darauf, dass die deutschen Geldhäuser in den kommenden fünf Jahren fast 20 Prozent der Filialen streichen?

Die Banken haben in den vergangenen Jahren ihr Filialnetz relativ wenig angetastet. Heute aber ist der Druck enorm, die Kosten zu senken, weil die Banken angesichts der niedrigen Zinsen weniger verdienen. Vor allem für Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist es nicht einfach, Stellen abzubauen – bei Filialen geht das schon. Deshalb werden viele Institute Filialen in großem Umfang schließen. Zudem verdienen die Banken mit den Dienstleistungen, die Kunden in der Filiale oft abrufen, relativ wenig. Viele Kunden heben ja nur Geld ab.

„Der Druck ist enorm, die Kosten zu senken.“
Berater Oliver Mihm

„Der Druck ist enorm, die Kosten zu senken.“

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