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Untersuchungsausschuss Ex-Wirecard-Prüfer will dem Bundestag die Veröffentlichung des Abschlussberichts verbieten

Der frühere EY-Partner Andreas Loetscher war einer der verantwortlichen Prüfer des Wirecard-Konzerns. Nun zieht er vor das Verwaltungsgericht Berlin.
21.06.2021 Update: 02.07.2021 - 08:31 Uhr 1 Kommentar
Der Abschlussbericht wurde am Montag beschlossen. Quelle: Reuters
Wirecard-Untersuchungsausschuss

Der Abschlussbericht wurde am Montag beschlossen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf, Frankfurt Einer der früheren Abschlussprüfer des Wirecard-Konzerns will den Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags daran hindern, seinen Abschlussbericht wie geplant zu veröffentlichen. Dafür hat der ehemalige EY-Partner Andreas Loetscher nun beim Verwaltungsgericht Berlin einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gestellt. Er wendet sich insbesondere gegen die Veröffentlichung bestimmter ihn betreffender Passagen.

Loetscher, inzwischen in Diensten der Deutschen Bank, testierte unter der Flagge von EY von 2015 bis 2017 als einer der leitenden Partner die Bilanz von Wirecard. Es waren jene Jahre, in denen nach den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft der großflächige milliardenschwere Betrug bei Wirecard Fahrt aufnahm.

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Insgesamt prüfte EY den Zahlungsdienstleister mehr als ein Jahrzehnt lang. Erst im Juni 2020 versagte EY das Testat – für Wirecard und Zehntausende Anleger kam dies zu spät. Der Konzern rutschte in die Insolvenz.

EY steht seither unter schwerem Beschuss. Vor allem die Arbeit des parlamentarischen Untersuchungsausschusses hat dabei zahlreiche Fragen und Ungereimtheiten bei der Prüfungsarbeit aufgedeckt. Besonders belastend sind die Berichte des Sonderermittlers Martin Wambach von der Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Darin werden mögliche Verstöße von EY gegen Berichtspflichten und Prüfungsnormen über Jahre hinweg aufgelistet.

Loetschers Rolle wurde vor dem Ausschuss entsprechend häufig thematisiert und kritisiert. Er selbst war als Zeuge geladen, verweigerte aber die Aussage.

Ausschussmitglieder diskutieren über neue Lage

Cansel Kiziltepe, die für die SPD im Untersuchungsausschuss sitzt, zeigt für Loetschers Schritt kein Verständnis: Die Öffentlichkeit habe „ein Recht, umfänglich über die Arbeit und Bewertung des Ausschusses informiert zu werden“, sagte Kiziltepe. „Dass EY und seine Vertreter mit allen Mitteln versuchen, das Verfassungsorgan Bundestag zu beeinflussen, ist erschreckend.“

Wirecard-Untersuchungsausschuss: „Ein Zeugnis des Versagens“

Lisa Paus (Grüne), ebenfalls Ausschussmitglied, sieht in Loetschers Handeln sogar ein „Eigentor“. „Damit hat er sich maximale Aufmerksamkeit gesichert. Es gibt keinen sachlichen Grund, die inhaltlich korrekte Darstellung, die ja auch gar nicht beanstandet wird, zu ändern.“

Ursprünglich sollte der Abschlussbericht am Dienstag dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) übergeben werden. Am Freitag sollte der Bundestag dann einen offiziellen Beschluss über die Veröffentlichung fassen.

Die Obleute des Ausschusses diskutieren am Montagabend gemeinsam über die neue Lage nach dem Antrag Loetschers. Matthias Hauer von der CDU äußerte sich bereits deutlich: „Herr Loetscher ist als zuständiger Wirtschaftsprüfer eine zentrale Figur bei der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals. Ihn nur anonymisiert im Bericht zu erwähnen kommt für die Union nicht infrage.“ Neben dem Prüfungsversagen von EY sei der „Blockadeversuch von Herrn Loetscher auch ein weiteres Beispiel für das Kommunikationsdesaster der Prüfungsgesellschaft im Umgang mit dem Wirecard-Skandal“, kritisierte Hauer.

Seit 2018 ist Loetscher nunmehr für die Deutsche Bank tätig. Sein Amt als Leiter des Rechnungswesens legte er im vergangenen Dezember „vorübergehend“ nieder.

Mehr: Ein Jahr nach dem Untergang: So sieht der Scherbenhaufen von Wirecard aus

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1 Kommentar zu "Untersuchungsausschuss: Ex-Wirecard-Prüfer will dem Bundestag die Veröffentlichung des Abschlussberichts verbieten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dass dieser "Experte" Andreas Loetscher nun bei der Deutschen Bank tätig ist... Warum wundert mich das nicht?

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