Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Banken JP Morgan und Goldman erzielen dank Spac-Boom Rekordgewinne

Mit JP Morgan und Goldman haben die ersten US-Institute starke Zahlen vorgelegt. Neben dem Geschäft mit Börsenmänteln half dabei auch das US-Konjunkturpaket.
16.04.2021 - 06:52 Uhr 1 Kommentar
Mit den Zahlen von JP Morgan und Goldman startet die Quartalssaison der Banken. Quelle: Imago/Westend61
Blick auf den Finanzdistrikt in Manhattan

Mit den Zahlen von JP Morgan und Goldman startet die Quartalssaison der Banken.

(Foto: Imago/Westend61)

Denver, Düsseldorf Der Boom um die Börsenmäntel treibt die Gewinne der Wall-Street-Banken an. Die Dealmaker verhalfen JP Morgan Chase zum besten ersten Quartal überhaupt mit einem Nettogewinn von 14,3 Milliarden Dollar. Das ist fast fünfmal mehr als ein Jahr zuvor, wie Amerikas größte Bank am Mittwoch mitteilte.

Die Gebühren aus dem Investmentbanking stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 57 Prozent. Auch der Wertpapierhandel, der im vergangenen Jahr als der zentrale Gewinntreiber galt, ist weiter stark. Die Handelsumsätze steigen um 25 Prozent.

Goldman Sachs startete ebenfalls stark ins Jahr, mit Rekordumsätzen und -gewinnen. Der Nettogewinn hat sich ebenfalls fast verfünffacht auf 6,8 Milliarden Dollar. Beide Banken haben vor einem Jahr, zu Beginn der Pandemie, ihre Risikovorsorge jedoch aufgestockt, was damals zu Gewinneinbrüchen führte und die Vergleichswerte nun besonders gut aussehen lässt.

Goldmans Gebühren im Investmentbanking stiegen um 73 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar. Die Handelsumsätze legten um 47 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar zu. „Wir sind weiterhin sehr gut positioniert, um unseren Kunden bei der Neupositionierung für die Erholung zu helfen“, erklärte Goldman-CEO David Solomon.

Die Institute profitierten in den ersten Monaten des Jahres gleich von drei wichtigen Entwicklungen.

  1. Kurskapriolen bei Aktien wie Gamestop, AMC und Koss haben den Aktienhandel befeuert. Eine ungewöhnliche Mischung aus Kleinanlegern und Profis, die sich zum Teil über das Reddit-Forum „Wall Street Bets“ koordiniert haben, trieben die Aktienmärkte an und sorgten bei Hedgefonds wie Melvin Capital, die auf fallende Kurse der Aktien gesetzt hatten, für Milliardenverluste. Goldmans Umsätze aus dem Aktienhandel lagen mit 3,7 Milliarden Dollar so hoch wie zuletzt vor über zehn Jahren.
  2. Der Boom bei den sogenannten Spacs gab dem Investmentbanking Rückenwind. Spac steht für Special Purpose Acquisition Company. Das sind Mantelgesellschaften, die Start-ups übernehmen und ihnen so den Weg an die Börse erleichtern. Im ersten Quartal haben Banken mehr Spacs an die Börse gebracht als im gesamten vergangenen Jahr. Das Geschäft ist lukrativ, weil Spacs oft komplizierte Strukturen haben und zusätzliche Investoren an Bord holen, was von Finanzinstituten orchestriert wird.
  3. Die vielen Konjunkturstützen der Regierung und der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sorgen für eine Erholung in der Wirtschaft. Das ermöglicht es den großen US-Banken, Risikovorsorge abzubauen. Die Fed geht davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr um 6,5 Prozent wachsen wird, so viel wie zuletzt 1984.
Grafik

Jamie Dimon, CEO von JP Morgan Chase, blickt daher äußerst zuversichtlich auf dieses Jahr. Dank der Konjunkturhilfen, einem möglichen Infrastruktur-Paket, der anhaltenden Unterstützung der Fed, „starken Bilanzen bei Privatkunden wie Unternehmen und der Euphorie um das potenzielle Ende der Pandemie glauben wir, dass die Wirtschaft das Potenzial hat, extrem robust und mehrere Jahre lang zu wachsen“, sagte Dimon.

Er ist der am längsten amtierende Chef einer Wall-Street-Bank und hat JP Morgan bereits erfolgreich aus der Finanzkrise gesteuert. Dimon geht davon aus, dass das Wachstum gerade bei jenen Amerikanern ankommen wird, die besonders stark von der Pandemie getroffen wurden.

Mit den Zahlen von JP Morgan startet die Quartalssaison der Banken. Quelle: Reuters
JP Morgan

Mit den Zahlen von JP Morgan startet die Quartalssaison der Banken.

(Foto: Reuters)

Angesichts der guten Aussichten baute JP Morgan auch 5,2 Milliarden Dollar an Risikovorsorge ab. Noch hat die Bank 26 Milliarden Dollar für ausfallgefährdete Kredite zurückgelegt. Das sei „angemessen und vorsichtig“, betonte Dimon.

Analysten weisen darauf hin, dass es schwierig sei abzusehen, wann und in welchem Ausmaß Kredite ausfallen können. Viele Amerikaner haben von den drei Konsumschecks der Regierung und den guten Aktienmärkten profitiert. Andere jedoch konnten monatelang ihre Miete nicht bezahlen und haben hohe Rückstände angehäuft. Ökonomen warnen, dass dies in den kommendem Monaten zu einem Problem werden könnte, wenn die aufgeschobenen Mietzahlungen fällig werden.

Bei JP Morgan waren die Ausfälle bei Kreditkarten im ersten Quartal geringer als vor der Coronakrise. Finanzchefin Jennifer Piepszak zufolge hätten viele Amerikaner die letzten beiden Konsumschecks der Regierung vor allem dazu genutzt, um ihre Schulden abzubezahlen, und seien nun in Kauflaune. „Verbraucher nutzen ihre Kreditkarten nun wieder genauso häufig wie vor der Krise“, stellte sie in einer Journalistenkonferenz klar.

Wann endet der Spac-Boom?

Wie lange sich gerade der Spac-Boom noch halten lässt, ist unterdessen unklar. Schon jetzt zeigt sich eine Abkühlung, das Interesse der Anleger schwindet, was auch mit diversen Skandalen bei Start-ups wie Nikola, Lordstown Motors und Clover Health zu tun hat, die via Spac an die Börse gegangen sind und deutliche Kurseinbrüche verzeichnen mussten.

Sorgen bereitet den Analysten auch die schwache Nachfrage nach Krediten, dem Kerngeschäft der Banken. Bei JP Morgan lag sie auf Vorjahresniveau. Der Zinsüberschuss sank um elf Prozent auf 13 Milliarden Dollar. CEO Dimon geht davon aus, dass sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte bessern wird.

Er verwies darauf, dass die schwache Kreditnachfrage ein gutes Zeichen für die Wirtschaft insgesamt sei. Verbraucher hätten ihre Schulden zum Teil deutlich abgebaut und würden nun anfangen, wieder mehr zu konsumieren. „Große Unternehmen haben Zugang zu den Kapitalmärkten und nutzen das, um ihre Kredite bei den Banken abzubauen“, so Dimon.

Gegenwind für Wells Fargo

Eine Reihe von kleinen und mittelständischen Unternehmen hätten dagegen im Rahmen eines Hilfsprogrammes aus Washington Notfallkredite bekommen, die sie unter bestimmten Bedingungen nicht zurückzahlen müssen.
Die schwache Kreditnachfrage, gepaart mit anhaltenden Nullzinsen der Notenbank bedeutete auch für Wells Fargo „Gegenwind“, wie CEO Charlie Scharf einräumte.

Dank der guten Wirtschaftslage konnte die krisengeschüttelte Bank aus San Francisco ebenfalls Risikovorsorge abbauen. Sie löste Rückstellungen in Höhe von 1,05 Milliarden Dollar auf, was zu einem Nettogewinn von 4,7 Milliarden Dollar führte – siebenmal mehr als ein Jahr zuvor.

Am Donnerstag legen Bank of America und Citigroup ihre Ergebnisse vor. Am Freitag folgt Morgan Stanley. Bankaktien haben in diesem Jahr bereits deutlich stärker zugelegt als der breit gefasste S&P 500 und haben laut Deutsche-Bank-Analyst Matt O’Connor in diesem Jahr noch viel Potenzial. Die Goldman-Aktie stieg im frühen New Yorker Handel um knapp vier Prozent. Das Wells-Fargo-Papier legte gut zwei Prozent zu, JP Morgan lag leicht im Minus.

Mehr: Hilferuf der Wall-Street-Banker entfacht Debatte über die Zukunft der Finanzwelt.

Startseite
Mehr zu: US-Banken - JP Morgan und Goldman erzielen dank Spac-Boom Rekordgewinne
1 Kommentar zu "US-Banken: JP Morgan und Goldman erzielen dank Spac-Boom Rekordgewinne"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Auch Wells Fargo öffnete am Mittwoche seine Bücher, konnte mit den Zahlen von JP Morgan und Wells Fargo aber nicht mithalten."
    Liest eigentlich noch irgendjemand die Artikel zur Korrektur ?

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%