Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Venture Capital Investoren wie BMW-Großaktionärin Klatten setzen auf Start-ups – und ein neues Gründerzentrum

Ein neuer Fonds stellt 150 Millionen Euro Kapital für Gründer bereit. Mit dabei ist neben namhaften Family Offices auch Wirtschaftsprofessorin Ann-Kristin Achleitner.
21.10.2020 - 14:51 Uhr Kommentieren
Die BMW-Erbin erweist sich in Gesprächen mit Family Offices als „wichtige Persönlichkeit“. Quelle: dpa
Susanne Klatten

Die BMW-Erbin erweist sich in Gesprächen mit Family Offices als „wichtige Persönlichkeit“.

(Foto: dpa)

München Zu den Lieblingsautoren von Ann-Kristin Achleitner gehört der libanesisch-amerikanische Forscher Nicholas Taleb. Dessen letztes Buch „Skin in the Game“ handelt davon, dass man persönlich für eine wichtige Sache etwas riskieren muss.

Und das nahm die Professorin der Technischen Universität München (TUM) prompt wörtlich, nachdem sie zu Jahresanfang in den Aufsichtsrat des mit der TU liierten Gründerzentrums „UnternehmerTUM“ einzog: Achleitner steckte einiges Geld in den dritten Fonds des von dort gemanagten unabhängigen Ablegers UVC Partners.

„Ich sah es als selbstverständlich an, hier zu investieren“, sagt die Wissenschaftlerin und Multi-Aufsichtsrätin, die auch bei der Risikokapitalfirma Eventures dabei ist: „Das ist nicht nur einfach ein wirtschaftliches Ökosystem, das ist ein Ökosystembeschleuniger.“

So wie Achleitner haben viele vermögende Privatinvestoren, zum Beispiel Ex-Börsenchef Joachim Faber, aber auch Family Offices, institutionelle Investoren und Firmen die Fonds für das weite Feld der Start-ups als lukratives Betätigungsfeld entdeckt. So konnten deutsche Jungunternehmen 2019 bereits rund 5,7 Milliarden Dollar Venture-Capital (VC) einsammeln, 49 Prozent mehr als im Vorjahr.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Trend ist angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen ungebrochen – in diesem Umfeld haben alternative Investments Dauerkonjunktur. Während die Realwirtschaft oft unter den Corona-Folgen leidet, setzt die Pandemie diesem Teil der Finanzbranche weniger zu.

    Mehr zum Thema:

    Das drückt sich bei UVC Partners in Garching bei München so aus, dass der mit 150 Millionen Euro aufgelegte dritte Frühphasen-Fonds beim ersten Closing schon zu 70 Prozent gefüllt ist, konkret mit 108 Millionen. Üblich sind zu diesem Zeitpunkt 30 bis 40 Prozent. Eine Überzeichnung beim Final Closing in einem Jahr deutet sich an. Damit werden die Vorläuferfonds UVC I (2011) und UVC II (2017) weit in den Schatten gestellt. Sie hatten insgesamt 30 Investments getätigt.

    Das Geld soll in Objekte im Geschäft für Business-to-Business („B2B“) fließen, und zwar für Industrie 4.0 (Internet of Things), Software und Mobilität. Das Vorzeige-Erfolgsunternehmen der eigenen Aktivitäten ist Flixbus, das zu den deutschen „Unicorns“ mit Milliardenbewertung zählt, aber auch Konux, Twaice oder Fazua sind bekannte Investments. Das „Einhorn“ Celonis, ein Big-Data-Spezialist, entstammte ebenfalls der Garchinger Start-up-Fabrik. Aber für die Finanzierung war UVC damals noch nicht weit genug, andere Investoren übernahmen.

    Namhafte Investoren

    „Wir haben diesen Fokus, weil hier Deutschland noch in einer Pole-Position ist“, sagt UVC-Geschäftsführer Johannes von Borries. Er arbeitete einst für den US-Fondsanbieter Wellington und gründete später Nanda Technologies in München: „In Corona-Zeiten gibt es eine Besinnung auf zukunftsträchtige Investments. Alle halten Liquidität zusammen und wollen die jetzigen Einbußen später geschickt überkompensieren.“

    Vorteilhaft ist die Nähe zur 18 Jahre alten Start-up-Fabrik UnternehmerTUM mit ihren 250 Mitarbeitern. Das Projekt war von Geschäftsführer Helmut Schönenberger initiiert und von BMW-Großaktionärin Susanne Klatten finanziert worden. Vorbild für das Drehkreuz mit Schnittstellen zur Wirtschaft und zur Universität war die Stanford University im kalifornischen Silicon Valley, wo Firmen wie Google gegründet wurden. Im Münchener Zentrum entstehen jährlich rund 50 Start-ups durch hochqualifizierte Absolventen und Forscher der Universität, 150 Unternehmen sind Kunden, 30 Investoren treten auf.

    Einer davon bei UVC III ist der Stahlhändler Klöckner. Dessen Vorstandschef Gisbert Rühl lobt die großartigen Verbundmöglichkeiten: „Damit habe ich vorher nicht gerechnet, das ist tatsächlich so etwas wie das bayerische Stanford. Ich war sofort echt begeistert.“ Selbst habe man keine ausreichende Expertise, Start-ups zu prüfen, umso wichtiger sei die verlässliche Auswahl von außen.

    Klöckner wolle primär nicht wie ein VC-Fonds viel Geld mit Start-ups verdienen, „uns interessiert der Zugriff auf die Technologie“, sagt Rühl. Und da werde in Garching viel geboten. Klöckner investiert daneben noch in fünf andere Venture-Capital-Fonds.

    Die Multi-Aufsichtsrätin hat einiges Geld in den dritten Fonds des von dort gemanagten unabhängigen Ablegers UVC Partners gesteckt. Quelle: dpa
    Ann-Kristin Achleitner

    Die Multi-Aufsichtsrätin hat einiges Geld in den dritten Fonds des von dort gemanagten unabhängigen Ablegers UVC Partners gesteckt.

    (Foto: dpa)

    Begeistert zeigt sich auch der Spezialchemiekonzern Lanxess. „Wir haben in UVC III investiert, weil wir eine gute finanzielle Rendite für unser Pensionsvermögen erwarten und wir einen Mehrwert in der Zusammenarbeit mit UVC sehen“, sagt Oliver Stratmann, Head of Treasury & Investor Relations. Solche Unternehmen investieren fünf bis zehn Millionen Euro. Mindestsumme für ein Investment sind 500.000 Euro.

    Bei Gesprächen mit Family Offices erweise sich UnternehmerTUM-Gründerin und UVC-Investorin Susanne Klatten als „wichtige Persönlichkeit“, sagt UVC-Manager von Borries: „Ihr finanzielles Engagement bei UVC überzeugt viele Familienunternehmen. Gerade die Erbengeneration investiert vermehrt in Start-ups – und legt Wert auf den Heimatfaktor. Ihr Geld soll auch den Standort Deutschland stärken.“ Eine Studie der Wissenschaftsakademie Acatech ergab, dass gerade Familienunternehmer eine große Nähe zu Start-ups haben.

    Zu den institutionellen Investoren gehören KfW Capital und der Europäische Investitionsfonds (EIF). Mit europäischen Staats- und Pensionsfonds sei man im Gespräch, erklärt das UVC-Management.

    Stolz ist man in Garching darauf, dass beispielsweise die Gründer der Eigenschöpfung Flixbus wie André Schwämmlein selbst in die Generation neuer Start-ups investieren. „Der Kreis schließt sich, eine schöne Bestätigung unserer Arbeit“, sagt UnternehmerTUM-Chef Schönenberger.

    Er sieht die Hausmischung aus Kapital, Großkunden, Forschung und Talent als „perfekte Kombination, um B2B-Unicorns aufzubauen“. Digitalisierung werde in Zukunft vor allem in der Beziehung zwischen Unternehmen ablaufen, nicht im Markt der Endverbraucher. „Deep Tech“ also statt Zalando und Lieferando.de. Auf diesem Feld gebe es Standortvorteile, schließlich existierten hier etliche heimische Champions.

    Nachholbedarf bei Wagniskapital

    Von Borries: „Die Deutschen sind gut, komplexe Systeme zu beherrschen – und weniger, die hipste Entertainment-Plattform zu bauen.“ Wenn man mit Investoren spreche, heiße es immer: Made in Germany kennt jeder, „da setzen wir an.“ Mut macht hier auch, dass ein Team von UnternehmerTUM dreimal beim Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk gewann: Gesucht wurden Einzellösungen zum Bau einer kalifornischen Express-Untergrundröhrenbahn für Menschen.

    Insgesamt sehen die Macher von UVC aber noch einen Riesennachholbedarf bei Venture Capital in Deutschland. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt der Anteil mit 0,13 Prozent auf Niedrigst-Niveau, verglichen mit den USA (0,64 Prozent) und Großbritannien (0,3 Prozent). Das Start-up-Ökosystem in Deutschland habe sich „professionalisiert“, heißt es bei UVC, aber gleichzeitig „noch viel Potenzial, um zu wachsen“.

    Nach einer Studie der Unternehmensberatung Opitz-Müller & Partner liegen die Münchner in einem Qualitätsindex als Zweiter hinter der Berliner Gruppierung Project A Ventures – vor Global Founders Capital der Samwer-Brüder und dem russischen Spezialisten Target Global.

    „Das Gesamtpaket ist sehr erfolgreich“, resümiert UVC-Manager von Borries. Man habe aus UnternehmerTUM heraus zum Beispiel die Firma Twaice entwickelt, die Analysesoftware für Batterien anbietet – und in die später der schwedische Spotify-Geldgeber Creandum im März 2020 einige Millionen steckte.

    Im 1500 Quadratmeter großen sogenannten Maker Space des Innovationszentrums können Unternehmen, Start-ups und Kreative Prototypen und Kleinserien fertigen. Quelle: UnternehmerTUM
    Entwicklerin im Münchener Start-up-Campus „UnternehmerTUM“

    Im 1500 Quadratmeter großen sogenannten Maker Space des Innovationszentrums können Unternehmen, Start-ups und Kreative Prototypen und Kleinserien fertigen.

    (Foto: UnternehmerTUM )

    „Die von uns geförderten Firmen entwickeln sich gut, wir machen unsere Hausaufgaben“, so von Borries: „Wir sind jetzt auf Augenhöhe mit den älteren, etablierten VC-Fonds.“ Der große Zulauf zum dritten Fonds von UVC sei „ein toller Vertrauensbeweis und ein Zeichen, dass die Investoren die Kräfte bündeln und an die deutsche Gründerszene glauben“, resümiert Schönenberger.

    Im Umfeld der Universitäten lägen „große Chancen für den Standort Deutschland, aus Invention Innovation zu machen“, konkretisiert Investorin Achleitner. Die Covid-19-Impfstoffdebatte mit den Vorzeigebeispielen Curevac und Biontech zeige, was hierzulande möglich sei: „Da müssen wir wirklich nicht mehr mit dem Beispiel MP3-Player kommen.“

    Mehr: Private Equity: Gesucht wird ein europäischer XXL-Investor

    Startseite
    Mehr zu: Venture Capital - Investoren wie BMW-Großaktionärin Klatten setzen auf Start-ups – und ein neues Gründerzentrum
    0 Kommentare zu "Venture Capital: Investoren wie BMW-Großaktionärin Klatten setzen auf Start-ups – und ein neues Gründerzentrum"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%