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Vergütung Die neuen Regeln für die Mitarbeiterbeteiligung enttäuschen die Start-up-Branche

Ab Juli gelten neue Regeln, um Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen. Doch bekannte Start-ups wie N26 und Wefox zeigen sich wenig begeistert.
07.07.2021 - 16:09 Uhr Kommentieren
„Die Reform geht an den Bedürfnissen der Start-up-Branche komplett vorbei“, urteilt Fabian Wesemann, Mitgründer und Finanzchef des Insurtechs. Quelle: mauritius images / M4OS Photos / Alamy
Wefox

„Die Reform geht an den Bedürfnissen der Start-up-Branche komplett vorbei“, urteilt Fabian Wesemann, Mitgründer und Finanzchef des Insurtechs.

(Foto: mauritius images / M4OS Photos / Alamy)

Berlin Eines ist klar: Im Wettbewerb um Talente können Start-ups mit den hohen Fixgehältern großer Konzerne nicht konkurrieren. Dennoch hängt die Existenz der jungen Unternehmen entscheidend davon ab, ob es ihnen gelingt, im Konkurrenzkampf um die besten Köpfe zu punkten.

Daher waren die Erwartungen der Branche an die Reform der Mitarbeiterbeteiligung, die sich die Koalition von Union und SPD auf die Fahnen geschrieben hatten, groß. Doch die seit Anfang Juli geltenden Änderungen sind aus Sicht der Start-ups zu vernachlässigen. Die Enttäuschung ist groß.

Eine attraktive Vergütung ist für den Deutschlandchef der größten deutschen Smartphonebank N26, Georg Hauer, essenziell: „Mitarbeiterbeteiligungen sind dabei immer ein ganz wichtiger Aspekt, weil wir nicht nur im Wettbewerb mit anderen Berliner Start-ups und Frankfurter Banken stehen, sondern auch international, etwa mit Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley.“

„Unser Employee Stock Option Plan (ESOP) wurde von der Reform explizit ausgeklammert“, bemängelt Hauer. Das sei schade, weil ESOPs eine anerkannte Vergütungsform bei Start-ups in Deutschland seien. „Die Reform greift leider grundsätzlich viel zu kurz, um Mitarbeiterbeteiligungen wirklich attraktiver zu machen.“

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    Mit seiner Meinung steht er nicht allein da. „Die Reform geht an den Bedürfnissen der Start-up-Branche komplett vorbei“, urteilt Fabian Wesemann, Mitgründer und Finanzchef des Insurtechs Wefox. Wefox gehört nach der jüngsten Finanzierungsrunde über 650 Millionen Dollar wie N26 zu den deutschen Einhörnern in der Fintech-Branche und damit zu den Unternehmen, deren Wert die Eine1-Milliarde-Grenze überschreitet.

    Verbesserungen zum Status quo

    Das finanzielle Engagement der Mitarbeiter ist ein Risiko, da ein Erfolg nicht garantiert werden kann. „Für mich ist die Mitarbeiterbeteiligung daher als ein Investment einzuordnen, das nicht mit der Lohn- oder Einkommensteuer, sondern mit der geringeren Kapitalertragsteuer belegt werden müsste“, sagt Wesemann. In angelsächsischen Ländern sei das gängige Praxis.

    Doch dazu hatte sich die Große Koalition von SPD und Union nicht durchringen können. Eine Kapitalertragsteuer für Erlöse aus Mitarbeiterbeteiligungen ist nicht vorgesehen.

    Im Vergleich zum Status quo gab es dennoch Verbesserungen. So müssen Arbeitnehmer, die in den Genuss einer Beteiligung kommen, diese erst nach zwölf Jahren versteuern. Es sei denn, sie wechseln zuvor den Arbeitgeber, das Unternehmen wird etwa verkauft oder geht an die Börse. Bislang mussten Arbeitnehmer diese Beteiligung schon bei Erhalt versteuern, obwohl sie davon noch keine finanziellen Vorteile hatten. Versteuert wird diese Beteiligung aber wie zuvor mit dem persönlichen Steuersatz.

    Nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

    Zudem wurde der bisherige Freibetrag erhöht. Bislang lag der steuerfreie Höchstbetrag für Mitarbeiterkapitalbeteiligungen bei jährlich 360 Euro – nun wurde er auf 1440 Euro erhöht. Bis zu diesem Betrag dürfen Unternehmensbeteiligungen steuer- und sozialabgabenfrei vergeben werden.

    Für Wefox-Finanzchef Wesemann ist das ein Tropfen auf den heißen Stein. Und selbst der Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung (AGP) geht nicht davon aus, dass der höhere Freibetrag einen Schub auslösen wird.

    „Das ist natürlich ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wir bezweifeln, dass mehr Unternehmen Beteiligungsangebote anbieten werden“, so Dirk Lambach von der AGP. Dazu müsste mehr Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt werden. Und auch mit dem deutlich erhöhten Freibetrag nehme Deutschland im europäischen Vergleich nur eine hintere Position ein.

    Irland räumt Mitarbeitern einen Steuerfreibetrag von jährlich 12.700 Euro ein, Spanien von 12.000 Euro.

    Start-ups haben eine andere Beteiligungsphilosophie

    Nach Schätzungen der AGP sind in Deutschland 1,3 Millionen Mitarbeiter der rund 700 börsennotierten Unternehmen und etwa 900.000 Beschäftigte von 2000 mittelständischen Betrieben an ihren Unternehmen beteiligt. Zahlen für Start-ups liegen nicht vor. Um dem beteiligten Arbeitnehmer mehr Sicherheit zu geben, kann bei stillen Beteiligungen und Genussrechten ein Insolvenzschutz eingerichtet werden. In dem Fall verliert das entsprechende Kapital aber seinen Eigenkapitalcharakter, was für Banken bei der Kreditvergabe ein Aspekt sein könnte.

    Lambach räumt ein, dass es in puncto Beteiligungsphilosophie schon Unterschiede gibt zwischen alteingesessenen Unternehmen und Start-ups. „Start-ups wollen eigentlich nicht das klassische deutsche Mitarbeiterbeteiligungsprogramm, bei dem es darum geht, Arbeitnehmer in breiter Fläche über den Lohn hinaus am Produktivkapital zu beteiligen.“

    Diese Betriebe würden die Beteiligung vielmehr als Mittel sehen, hochspezialisierte Spitzenkräfte und Innovationstreiber durch die Überlassung von Unternehmensanteilen für das eigene junge Unternehmen zu gewinnen und zu motivieren.

    Bei Wefox waren anfangs etwa 90 Prozent der Arbeitnehmer am Unternehmen beteiligt. Im Laufe der Zeit ging der Anteil auf 50 Prozent zurück, weil sich mehr Beschäftigte für den Cash-Anteil ausgesprochen haben. Im Zuge der letzten Kapitalrunde erhielt jeder der 600 Mitarbeiter virtuelle Anteile im Wert von 5000 Euro – unabhängig von der Dauer der Zugehörigkeit. „Wir wollten damit ein Zeichen setzen, für wie wichtig wir das Thema halten“, so Finanzchef Wesemann.

    Virtuelle Aktienoptionen

    Nach Hauers Angaben halten 70 Prozent der rund 1500 N26-Mitarbeiter virtuelle Aktienoptionen.  Keine Angaben werden darüber gemacht, welchen Anteil die Mitarbeiter kumuliert am Unternehmen halten.

    Auch wenn die Vergabe von Aktienoptionen an die langfristige Wertsteigerung ausgerichtet ist, steht N26-Mitarbeitern bei einem Börsengang die Entscheidung offen. „Unsere Mitarbeiter können dann entscheiden, ob sie ihre Optionen in Geld ausbezahlt bekommen oder in Aktien umwandeln möchten“, sagt Hauer. Nach früheren Angaben des Unternehmens könnte ein Börsengang in den kommenden zwei Jahren erfolgen.

    Bei einer Auszahlung der Optionen dürften die Mitarbeiter doch noch von der Reform der Mitarbeiterbeteiligung profitieren, die aber wohl nicht weiter ins Gewicht fallen wird. Dann gilt ein steuerlicher Freibetrag von 1440 Euro.

    Der Bundesverband Deutsche Start-ups sieht nach der Bundestagswahl im September die neue Bundesregierung bereits in der Pflicht. „Wir brauchen dringend eine eigene Anteilsklasse für Mitarbeitende im GmbH-Recht und eine international wettbewerbsfähige Besteuerung auch für Anteilsoptionen“, fordert Verbandspräsident Christian Miele.

    Mehr: Bundesregierung macht Mitarbeiterbeteiligung bei Start-ups attraktiver

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