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Vermögensverwalter Blackrock und Vanguard bauen ihren Vorsprung aus

Angelsächsische Gesellschaften wachsen schneller als die europäischen Wettbewerber. Wer aufholen will, muss neue Dienstleistungen anbieten.
01.09.2020 - 09:33 Uhr Kommentieren
Kräftiger Anstieg des verwalteten Vermögens. Quelle: Bloomberg
Schriftzug von Blackrock an der Zentrale in New York

Kräftiger Anstieg des verwalteten Vermögens.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Die Zahlen sprechen für sich. Mit einem verwalteten Vermögen von 6,6 beziehungsweise 5,5 Billionen Euro spielen die Marktführer Blackrock und Vanguard in einer eigenen Liga. An dritter Stelle folgt mit schon deutlichem Abstand der US-Konzern State Street. Auf dem vierten Rang liegt mit dem deutschen Versicherer Allianz die erste europäische Gesellschaft.

„Der Vorsprung der angelsächsischen Vermögensverwalter gegenüber den europäischen Asset-Managern ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Das liegt an strukturellen Besonderheiten wie bei der Altersvorsorge, die gerade in den USA viel stärker über den Kapitalmarkt erfolgt. Aber auch der weniger intensive Wettbewerb in Europa und im deutschsprachigen Raum ist ein Grund“, sagt Utz Helmuth, Director bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC.

In einer Studie wird deutlich, dass der Abstand zum Spitzentrio in den vergangenen Jahren markant zugenommen hat. Blackrock verzeichnete demnach von 2012 bis 2019 einen Zuwachs bei den „Assets under Management“ von 131 Prozent, bei Vanguard waren es sogar 241 Prozent. Bei der Allianz sind es nur 48 Prozent, bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS beträgt das Plus 26 Prozent.

„Die Marktführer Blackrock und Vanguard profitieren auch vom Boom der Indexfonds. Den Europäern fehlen diese Skaleneffekte aus dem ETF-Geschäft, auch deshalb ist der Vorsprung der US-Häuser auf absehbare Zeit wohl uneinholbar. Eher wird der Abstand in den kommenden Jahren noch größer werden“, glaubt PwC-Experte Helmuth.

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    Auffällig ist, dass die unabhängigen Vermögensverwalter schneller vorankommen als die Asset-Manager, die auf Mittelzuflüsse aus dem Finanzverbund oder vom Mutterkonzern angewiesen sind. Allerdings ist es mit der Covid-19-Pandemie eher unwahrscheinlich geworden, dass mehr Vermögensverwalter und Fondstöchter unabhängig werden oder zum Verkauf stehen.

    „In den letzten Jahren und selbst in der Coronakrise waren die Asset-Manager der Banken und Versicherer ein stabilisierender Faktor für ihre Muttergesellschaften. Deshalb erwarten wir keine grundsätzliche Zunahme an Fusionen und Übernahmen“, sagt Helmuth. Zuletzt hatte beispielsweise Franklin Templeton das Unternehmen Legg Mason gekauft, Jupiter AM erwarb in diesem Jahr Merian GI. Im vergangenen Jahr war Brookfield mit der Übernahme von Oaktree Capital erfolgreich.

    Vermögensverwaltung ist relativ krisenfest

    Mit Blick auf das Virus Covid-19 weisen die Experten der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) darauf hin, dass sich die globalen Vermögen jeweils relativ rasch von Rückschlägen in der Vergangenheit erholt haben. In der Finanzkrise 2008 wurden beispielsweise knapp elf Billionen Dollar zunichtegemacht, die privaten Finanzvermögen schrumpften um rund acht Prozent auf 116 Billionen Dollar.

    Doch schon ein Jahr später war die Delle bei den Finanzvermögen ausgebessert und der Wachstumspfad wieder intakt. „Die Vermögen haben sich in der Vergangenheit immer als relativ widerstandsfähig gegenüber Krisen gezeigt“, sagt Anna Zakrzewski, Global Head of Wealth-Management bei BCG.

    Weil die Konsolidierung wegen Corona tendenziell ins Stocken geraten wird, rückt die Aufwandsseite der Asset-Manager noch stärker in den Fokus. Dabei ist die PwC-Analyse eindeutig: Die Finanzkonzerne müssen ihre Kosten schneller senken als bisher gedacht. „Der Kostenaspekt wurde noch nicht konsequent genug angegangen.

    Wenn die Kurse einmal für längere Zeit sinken, werden diejenigen Unternehmen ein Problem bekommen, die die Aufwandsseite nicht im Griff haben“, sagt Helmuth. Der Druck werde sich zudem noch dort erhöhen, wo der Vertrieb bisher stark über Filialen lief, da nach der Coronakrise viele Zweigstellen und Vertriebsbüros gar nicht mehr öffnen würden, gibt sich Helmuth überzeugt.

    Die Digitalisierung bringe zwar langfristig Kosteneinsparungen mit sich. Zunächst müsse man jedoch investieren, und ein umfassendes Transformationsprojekt könne durchaus zwei- oder dreistellige Millionenbeträge kosten. Sprich, Digitalisierung muss man sich erst einmal leisten können, bevor die Kosteneffekte sichtbar werden.

    Die PwC-Studie hat auch Benchmarks für Kostenziele im Verhältnis zu den verwalteten Vermögen aufgezeigt: Um zu den führenden Anbietern in der jeweiligen Kategorie zu gehören, haben sogenannte Skalenplayer ein Kostenziel von rund zehn Basispunkten.

    Wertschöpfungsketten-Integratoren sollten hierfür zehn bis 15 Basispunkte erreichen, Netzwerkmonopolisten bis zu sieben Basispunkte und Produktinnovatoren bis zu 60 Basispunkte. Asset-Management-Experten rechnen beispielsweise Blackrock zu den Skalenplayern, Universal Investment zu den Integratoren, Deka zu den Netzwerkmonopolisten und Flossbach von Storch zu den Innovatoren.

    Ökologische Kriterien werden wichtig

    Kosteneinsparungen sind aber letztlich defensive Maßnahmen. Wer in den kommenden Jahren aufholen will, der muss innovative Dienstleistungen und Produkte anbieten. Damit könnten auch die europäischen Wettbewerber punkten.

    „Zu den Zukunftsstrategien gehören neue Produkte entlang der Wertschöpfungskette. Vorstellbar ist beispielsweise, dass man Dienstleistungen rund um das Thema ESG anbietet. Denn in den kommenden beiden Jahren sind hier unter den Stichworten Taxonomie und Veröffentlichungsverordnung Vorgaben von der EU zu erwarten, die dann umgesetzt werden müssen“, sagt Helmuth.

    Der Dokumentationsaufwand für die Beachtung ökologischer und sozialer Ziele sowie der Grundsätze guter Unternehmensführung – abgekürzt ESG – wird hoch sein, hier sind Dienste von Dritten nach Branchenmeinung ein Wachstumsfeld. Auch IT-Angebote seien sinnvoll, hier hätten Anbieter zum Beispiel mit Plattformen für Risikomanagement ein Vorbild geliefert.

    Branchenkenner verweisen vor allem auf die Plattform Aladdin von Blackrock, die in der Coronakrise mit dem Risikomanagement stetige Erträge abliefere. Auf der Produktseite sind laut PwC alternative Anlageprodukte wie etwa Private Equity ein Mittel, um höhere Gewinnmargen erzielen zu können. Hinter dem Begriff stehen im weitesten Sinne Beteiligungen an Unternehmen. Anbieter wie die Partners Group, LGT und Vontobel erzielen mit der Spezialisierung auf Nischen überdurchschnittliche Renditen.

    Mehr: Wie Anleger mit Indexfonds Vermögen aufbauen

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