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Vermögensverwaltung Kunden fordern Geld von Schweizer Banken zurück

Jahrelang kassierten Schweizer Banken Zahlungen von Drittfirmen, die eigentlich den Kunden zustehen. Ein Unternehmer hat darauf ein Geschäftsmodell aufgebaut.
27.12.2019 - 13:05 Uhr Kommentieren
Schweizer Banken haben Provisionen einbehalten, die eigentlich ihren Kunden zustehen. Quelle: dpa
Finanzplatz Zürich

Schweizer Banken haben Provisionen einbehalten, die eigentlich ihren Kunden zustehen.

(Foto: dpa)

Zürich Retrozessionen – das Wort kommt sperrig daher. Doch dabei geht es für Anleger, die Vermögen in der Schweiz angelegt haben, um viel Geld – womöglich gar um Milliarden von Euro.

Jahrelang behielten Schweizer Vermögensverwalter Provisionen und Kickback-Zahlungen ein, die eigentlich den Kunden zustehen, auch denen aus Deutschland. Hubert Schwärzler hat daraus ein Geschäft gemacht: Mit seiner Firma Liti-Link erkämpft er für betroffene Kunden die Rückerstattung von Retrozessionen und kassiert dabei eine Erfolgsprämie.

Doch worum geht es überhaupt? Mit Retrozessionen werden in der Finanzwelt finanzielle Anreize für Vertriebsstellen bezeichnet. So können Retrozessionen etwa anfallen, wenn eine Bank die Fonds eines bestimmten Anbieters ins Sortiment aufnimmt oder Wertpapiere bei einem bestimmten Händler handelt. Manchmal ist dann auch von Kickbacks oder Rückvergütungen die Rede. In der Schweiz war es lange üblich, dass Banken die Retrozessionen einbehielten, statt sie an ihre Kunden weiterzugeben.

Dabei hatte das Lausanner Bundesgericht schon 2006 entschieden, dass solche Provisionen den Kunden zustehen. Und das rückwirkend und inklusive fünf Prozent Zinsen.

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    „Doch viele Banken verschweigen diese Tatsache, statt aktiv auf die Kunden zuzugehen“, beklagt Liti-Link-Chef Schwärzler. „Und wer das Geld verlangt, das ihm zusteht, wird oft vertröstet oder soll mit einem schlechten Vergleich abgespeist werden.“

    Die Banken lernen dazu

    Nach mehreren Urteilen des Bundesgerichts haben die Schweizer Banken und Vermögensverwalter dazugelernt: Entweder, Kunden werden vorab ausdrücklich informiert und verzichten auf die Retrozessionen, oder die Entschädigung wird an sie weitergegeben. Manche Banken bieten erst gar keine Produkte mehr an, bei denen Retrozessionen vorgesehen sind.

    Das Thema Retrozessionen sei angesichts der klaren Regeln heute vom Tisch, heißt es denn auch bei der Schweizerischen Bankiervereinigung. Streit gebe es allenfalls noch um Altfälle. Doch bei diesen Altfällen geht es um viel Geld. Denn der Rechtsanspruch auf die Retrozessionen verfällt erst nach zehn Jahren.

    Gemessen am Geschäft der Geldhäuser dürften über die Jahre insgesamt viele Milliarden Franken an Retrozessionen zusammengekommen sein. Liti-Link-Chef Schwärzler verweist auf eine Studie, die das Volumen allein für das Jahr 2012 auf insgesamt 4,2 Milliarden Franken taxiert. Das ist eine Schätzung – verlässliche Zahlen von den Banken gibt es nicht. Beim sogenannten Bankenombudsman, einer unabhängigen Schlichtungsstelle in der Schweiz, ist von einem Rückgang der Beschwerden die Rede.

    Profitable Geschäftsidee

    Das Geschäftsmodell von Schwärzlers Firma erinnert an Dienstleister, die bei Flugverspätungen Entschädigungen eintreiben – nur dass es nicht um verspätete Ferienflieger, sondern um Retrozessionen geht. Kunden können Liti-Link ihre Forderungen abtreten. Schwärzlers Firma prüft die Ansprüche, macht sie geltend und kassiert im Erfolgsfall einen Teil der Zahlungen als Prämie. 40 Prozent behält Liti-Link ein.

    Der Firmenchef hält das angesichts des Aufwands für legitim. „Wir sind nicht Robin Hood, sondern ein Dienstleister, der seine Kunden bestmöglich bedienen will.“ Das Unternehmen sei profitabel und habe für seine Kunden bereits einen hohen einstelligen Millionenbetrag an Rückforderungen erkämpft. Zahlen zu Umsatz oder Gewinn möchte der Liti-Link-Chef nicht verraten.

    Bei der Schweizerischen Bankiervereinigung heißt es, der Umgang mit womöglich zu Unrecht einbehaltenen Retrozessionen aus vergangenen Jahren sei Sache der Institute. Dabei stünden in erster Linie die Kunden in der Pflicht: „Das Thema wurde breit diskutiert und ist allen Parteien bekannt. In der Mehrheit der Fälle dürften es die Kunden sein, die auf die Bank zugehen.“

    Mehr: Das Schweizer Institut Vontobel will sich als reines Investmenthaus neu erfinden und stärker auf ultrareiche Kunden setzen.

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