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Volks- und Raiffeisenbanken Genossenschaftsverband: Immer mehr Geldhäuser werden Negativzinsen weitergeben

Dem Genossenschaftsverband zufolge sind aber bislang nur wenige Kunden betroffen. Die Volksbanken wollen den „Spargedanken“ schützen.
17.02.2020 - 15:03 Uhr Kommentieren
Immer mehr Volks- und Raiffeisenbanken-Kunden nutzen Filialen für ihre Bankgeschäfte. Quelle: dpa
Volksbank

Immer mehr Volks- und Raiffeisenbanken-Kunden nutzen Filialen für ihre Bankgeschäfte.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Zahl der Banken, die Negativzinsen an ihre Kunden weiterreichen, dürfte weiter steigen. Davon geht der Genossenschaftsverband aus, der rund 360 Volks- und Raiffeisenbanken vertritt. Siegfried Mehring, Vizechef des Verbands, sagte am Montag, eine Vielzahl von Kreditinstituten werde perspektivisch Negativzinsen nutzen müssen. Das gelte vor allem für Großanleger und institutionelle Kunden.

Laut Verbandschef Ingmar Rega haben die Mitgliedsinstitute die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) bisher aber nur an „relativ wenige Kunden weitergegeben“. „Den Schutz des Spargedankens nehmen die Volksbanken und die Raiffeisenbanken sehr ernst“, sagte Rega, der seit Jahresbeginn an der Spitze des Verbands steht.

Bisher ist bundesweit von rund 90 Geldhäusern bekannt, dass sie von – meist vermögenden – Privatkunden Negativzinsen verlangen, wie das Vergleichsportal Biallo ermittelt hat. Insgesamt allerdings gehen noch weitaus mehr Kreditinstitute so vor. Laut einer Erhebung der Bundesbank vom November berechnen mindestens etwa ein Viertel der befragten Banken Minuszinsen von Privatkunden. Bei Firmenkunden sind Negativzinsen dagegen bereits viel verbreiteter.

Hinter dem Vorgehen verbirgt sich nichts anderes als die Absicht der Institute, die Strafzinsen, die ihnen die EZB berechnet, an ihre Firmen- und Privatkunden weiterzugeben. Im September hat die Notenbank den Strafzins für Einlagen der Geldhäuser auf 0,5 Prozent erhöht. Der EZB-Strafzins führt dazu, dass die deutschen Institute laut Berechnung der Branche pro Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Strafzinsen an die EZB zahlen müssen.

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    In der Regel verlangen die Geldhäuser Negativzinsen nur von vermögenden Privatkunden – oft ab Einlagen von 100.000 Euro, 500.000 Euro oder einer Million Euro. Daneben gibt es einige wenige Banken, die schon ab dem ersten Euro Minuszinsen berechnen oder eine Extragebühr verlangen. Teils gilt das jedoch nur für Neukunden.

    Die 360 Mitgliedsinstitute im Genossenschaftsverband – bundesweit gibt es mehr als 800 Genossenschaftsbanken – verdienten 2019 etwas mehr als ein Jahr zuvor. Das Betriebsergebnis vor Bewertung, also vor Wertberichtigungen bei Krediten und Wertpapieren sowie Reservebildung, betrug gut 4,1 Milliarden Euro. Gestützt wurde es, weil die Mitgliedsbanken mehr Kredite vergeben haben. Zwar sinkt die Marge angesichts der Negativzinsen, doch die Kreditinstitute konnten den Effekt durch mehr Darlehensvergabe wettmachen.

    „Ungeachtet guter Zahlen stehen Banken unter erheblichem Veränderungsdruck“, sagte Rega. Auf die schwierigen Bedingungen reagieren die Volksbanken unter anderem mit Fusionen, aber auch mit mehr Kooperationen untereinander – oder auch mit Sparkassen.

    Bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen die gemeinsamen Filialen von Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse, die die beiden Geldhäuser „Finanzpunkt“ nennen. Rega zufolge hat der Verband derzeit allerdings „keine Anhaltspunkte, dass das ein Modell ist, das sich flächendeckend ausbreiten wird“.

    Mehr: Die Zahl von privaten Banken, Volksbanken und Sparkassen ist 2019 gesunken.

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