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Wall Street Fed-Stresstest: US-Banken hoffen auf freie Bahn für höhere Dividenden

Am Donnerstag werden die Ergebnisse der Bankenaufsicht veröffentlicht. Analysten erwarten keine großen Überraschungen. Doch der Deutschen Bank könnten Sanktionen drohen.
24.06.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Bei ausländischen Instituten geht es auch um die Frage, ob sie Kapital an den Mutterkonzern überweisen dürfen. Quelle: E+/Getty Images
Wall Street

Bei ausländischen Instituten geht es auch um die Frage, ob sie Kapital an den Mutterkonzern überweisen dürfen.

(Foto: E+/Getty Images)

New York Amerikas Großbanken sind erstaunlich gut durch die Corona-Krise gekommen. Nun hoffen sie darauf, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Weg frei macht für umfassende Aktienrückkäufe und Dividendensteigerungen.

Am Donnerstag nach Börsenschluss in New York werden die Ergebnisse der diesjährigen Stresstests veröffentlicht. Wer besteht, der darf ohne Beschränkungen Kapital an die Aktionäre ausschütten.

Analysten erwarten keine großen Überraschungen. Barclays Analyst Jason Goldberg geht davon aus, dass viele US-Banken überkapitalisiert sein werden und nach den bestandenen Stresstests mehr als 100 Prozent ihrer Gewinne in den kommenden zwölf Monaten an ihre Aktionäre ausschütten könnten. „Wir gehen davon aus, dass alle großen Banken ihre Dividenden für das dritte Quartal anheben und ihre Aktienrückkaufprogramme anheben werden“, schrieb er in einer Analyse.

Die Stresstests wurden nach der Finanzkrise 2008 eingeführt als Signal an die Finanzmärkte, dass die Institute auch schwere Krisen überstehen und weiterhin Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben können. In den vergangenen Jahren hat die Fed die Tests sukzessive aufgeweicht und gerade kleinere Banken vom großen bürokratischen Aufwand entlastet.

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    Der wichtigste Test besteht aus der umfassenden Kapitalanalyse, Comprehensive Capital Analysis and Review, kurz CCAR genannt. Hier prüft die Fed, wie die Banken ihre Bilanzen verwalten und ob sie stark genug sind, um Dividenden zu zahlen oder Aktien zurückzukaufen.

    Ergebnis der Deutschen Bank wird nicht veröffentlich

    Bei ausländischen Instituten, die – wie die Deutsche Bank – eine Holding in den USA haben, geht es um die Frage, ob sie Kapital an den Mutterkonzern überweisen dürfen und ob sie grundsätzlich eine Reihe von Vorgaben in Bezug auf Kernkapital- und Verschuldungsquoten erfüllen. Neben den quantitativen Aspekten gibt es hier auch qualitative Anforderungen, unter anderem an das Risikomanagement der Bank.

    Da die Deutsche Bank den Stresstest in den vergangenen beiden Jahren bestanden hat, wird in diesem Jahr nicht mehr öffentlich gemacht, ob die Bank den Test besteht oder nicht. Das hatte die Fed vor der Coronakrise als neue Regel eingeführt. Die US-Notenbank, die auch ein wichtiger Bankenregulierer ist, bespricht nun nur mit den Banken direkt, wenn es Mängel zu beheben gibt.

    Die Fed ließ Ende Mai durchblicken, dass sie mit den Fortschritten bei der Deutschen Bank in Sachen Risikomanagement und Compliance noch nicht zufrieden sei und hatte dem Frankfurter Institut nach Handelsblatt-Informationen eine Rüge erteilt. Damit würden der Deutschen Bank Sanktionen, einschließlich hoher Geldstrafen drohen. Zuletzt stand jedoch vor allem die Credit Suisse im Fokus, nachdem das Family Office Archegos mit riskanten Aktienwetten einen Milliardenverlust verursacht hatte.

    Pandemie zwang zur Anpassung des Tests

    Die Coronakrise hatte die Fed dazu gezwungen, die Stresstests anzupassen. Der tiefe wirtschaftliche Einbruch im Frühjahr 2020 war deutlich schwerwiegender als es die Regulier in ihren Test vorgesehen hatten. Um sicherzustellen, dass die Banken ausreichend kapitalisiert waren, stoppte die Fed Aktienrückkäufe für mehrere Monate. Im Dezember wurde dann ein weiterer und strengerer Stresstest durchgeführt, den die Banken ebenfalls bestanden haben. Im ersten Quartal wurden daher die Beschränkungen zum Teil wieder aufgehoben.

    Die US-Banken haben von einer ganzen Reihe an Faktoren profitiert: Dazu zählte auch, dass die Fed die Leitzinsen gleich zu Beginn zurück auf null setzte und Billionen in die Finanzmärkte pumpte, um Störungen aufzulösen. Noch immer kauft sie als Teil ihrer ultra-lockeren Geldpolitik Anleihen im Wert von 120 Milliarden Dollar im Monat.

    Hinzu kam ein unerwarteter Boom im Handelsgeschäft und bei Börsenmänteln, der die Einnahmen im Investmentbanking kräftig ankurbelte. Schon jetzt gehören Bank-Aktien zu den großen Gewinnern.

    Das Papier von Goldman Sachs legte in diesem Jahr rund 35 Prozent zu. Bei JP Morgan Chase sind es 20 Prozent. Analyst Golstein empfiehlt aufgrund der anstehenden Kapitalausschüttungen, weiter auf Banktitel zu setzten.

    Der Wall Street stehen jedoch neue Schwierigkeiten bevor. JP Morgan-CEO Jamie Dimon warnte vergangene Woche auf einer Branchenkonferenz, dass die Handelsumsätze im zweiten Quartal um knapp 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen sein könnten.

    Da sich viele Unternehmen zu Beginn der Pandemie mit frischem Kapital eingedeckt haben, ist zudem auch die Nachfrage nach frischen Krediten gering. Dimon hatte bereits im Frühjahr in seinem Brief an die Aktionäre vor der großen Konkurrenz durch Tech-Konzerne und Fintech-Start-ups gewarnt, was die gesamte Branche mittelfristig belasten könnte. Die großen Wall-Street-Häuser legen in der zweiten Juli-Hälfte ihre Ergebnisse für das abgelaufene Quartal vor.

    Ergebnisse von EU-Belastungscheck Ende Juli erwartet

    Und wie stehen die europäischen Banken in der Pandemie da? Die Europäische Zentralbank (EZB) und EU-Bankenbehörde Eba durchleuchten aktuell im Rahmen eines Stresstests rund 90 Institute. Dabei wird unter anderem geprüft, welche Folgen eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Geldhäuser hätte.

    Viele Banken haben inzwischen Daten und Szenario-Rechnungen an die Aufseher übermittelt, die nun von den Behörden überprüft werden. Veröffentlich werden sollen die Ergebnisse der Belastungsprobe dann Ende Juli. Der Stresstest hätte ursprünglich bereits 2020 stattfinden sollen, wurde wegen der Coronakrise aber um ein Jahr verschoben.

    Wegen der Pandemie hatte die EZB die Banken im März 2020 aufgefordert, ganz auf Dividenden und Aktienrückkäufe zu verzichten. So wollten die Aufseher sicherstellen, dass die Banken Unternehmen weiter mit Krediten versorgen und drohende Kreditausfälle durch die Coronakrise verdauen können.

    Seit diesem Jahr dürfen Geldhäuser, die es sich leisten können, wieder einen kleinen Teil ihrer Gewinne ausschütten. Die ausgeschüttete Summe darf jedoch weder 15 Prozent der kumulierten Gewinne aus den Jahren 2019 und 2020 überschreiten noch 0,2 Prozentpunkte des harten Kernkapitals der Bank. Die Aufsichtsbehörden hatten jedoch in Aussicht gestellt, dass ab September 2021 wieder Ausschüttungen im üblichen Maße möglich sind, „solange keine außergewöhnliche Verschlechterung der Lage eintritt“.

    Angesichts der wirtschaftlichen Erholung rückt eine Aufhebung der Dividendenbeschränkungen nun immer näher. „Wenn das von uns vorhergesagte Tempo anhält, könnte diese Empfehlung früher oder später verschwinden“, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos am Mittwoch auf einer Finanzveranstaltung in Spanien. Erwartet wird, dass die EZB dazu am 23. Juli eine Entscheidung fällt.

    Die EZB ist für die Aufsicht über die großen Banken im Euro-Raum zuständig. Aktuell kontrolliert sie 114 Institute, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

    Mehr: Die Deutsche Bank wird die Schatten der Vergangenheit nicht los

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