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Wirecard-Untersuchungsausschuss Sonderermittler zweifelt an Tod von Marsaleks Vertrauensmann auf den Philippinen

B. ist der einzige Tote im Wirecard-Skandal. Für den Ermittlungsbeauftragten des Untersuchungsausschusses ist der Fall noch nicht geklärt. Er kritisiert die Behörden.
28.05.2021 - 19:36 Uhr Kommentieren
Jan Marsalek ist flüchtig. Ein enger, ebenfalls verdächtiger Vertrauter starb vor knapp einem Jahr plötzlich. Der Fall wirft immer mehr Fragen auf. Quelle: dpa
Fahndung nach Ex-Wirecardvorstand Jan Marsalek

Jan Marsalek ist flüchtig. Ein enger, ebenfalls verdächtiger Vertrauter starb vor knapp einem Jahr plötzlich. Der Fall wirft immer mehr Fragen auf.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Ermittlungsbeauftragte des Wirecard-Untersuchungsausschusses, Wolfgang Wieland (Grüne), stellt das Ableben des früheren Wirecard-Managers B. infrage. In einem Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt, schreibt der Jurist, dass Bedenken am Tode B.s „bedauerlicherweise nicht ausgeräumt werden“ konnten.

B., ein enger Vertrauter des flüchtigen früheren Wirecard-Vorstandes Jan Marsalek, hatte 2007 auf den Philippinen die erste asiatische Wirecard-Niederlassung gegründet. Später führte er zwei Partnerfirmen, die als Drittpartner angeblich für einen wesentlichen Anteil des Wirecard-Geschäfts sorgten.

Eine von B.’s Firmen, Pay Easy Solutions, soll 2018 für knapp 15 Prozent des Wirecard-Umsatzes verantwortlich gewesen sein. Auf der anderen Seite zählte Pay Easy zu den größten Kreditnehmern des Konzerns. So schuldet das Unternehmen Wirecard laut einer Aufstellung des Rechnungswesens bis heute 262 Millionen Euro.

Im März 2020 trafen sich B. und Marsalek mit den Wirtschaftsprüfern von EY in Manila. Beide nahmen offenbar an, dass die Fassade mit dem angeblichen Treuhandvermögen von 1,9 Milliarden Euro hielt.

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    Doch Mitte Mai waren die Zweifel von EY an der Existenz des Vermögens so groß geworden, dass die Prüfer zu Testzwecken kurzfristig 110 Millionen Euro von einem Konto in Manila abbuchen wollten. Wirecard stimmte zu. Wenige Stunden später schrieb B. an Marsalek: „Sag mal, seid ihr jetzt von allen guten Geistern verlassen worden?“

    Plötzlicher Tod des Verdächtigen

    Wie es weiterging, ist bekannt. Das Geld war nicht da, im Juni 2020 flog der Milliardenbetrug auf. Wirecard meldete Insolvenz an, Marsalek tauchte unter. Und B., gegen den die philippinischen Strafverfolger wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelten, starb am 27. Juli im Alter von 44 Jahren unerwartet in Manila.

    Wieland sollte für den vom Bundestag eingesetzten Wirecard-Untersuchungsausschuss nun auch klären, inwieweit der Bundesregierung und ihren Behörden Informationen über die Todesumstände vorliegen. Schon sein erster Bericht von Mitte April machte wenig Hoffnung auf Aufklärung. Wieland war verwundert darüber, dass es „von deutscher Seite keine Informationen über eine Überprüfung dieser Angelegenheit gibt“.

    Die Antworten der Staatsanwaltschaft München I, aus denen Wieland nun in seinen „ergänzenden Ausführungen“ zu seinem Bericht zitiert, haben die Zweifel des Sonderermittlers am Tod von B. nun offenbar eher bestärkt als ausgeräumt.

    Laut Staatsanwaltschaft sei eine „eigene Abklärung vor Ort“ nicht möglich gewesen, weil der Verbindungsbeamte des BKA in Jakarta coronabedingt nicht auf die Philippinen reisen konnte. Er hätte deshalb die Philippinische Nationalpolizei um Abklärung gebeten.

    Fehlender Krankenhausbericht

    Die einheimischen Beamten schickten in der Folge zwar diverse Dokumente nach Deutschland, darunter eine Kopie der Sterbeurkunde, Rechnungen und eine Bescheinigung über eine Einäscherung. Der medizinische Bericht des Krankenhauses „konnte allerdings nicht beigebracht werden“, wie es in der Antwort der Staatsanwaltschaft heißt.

    Auch ein Bild der Leiche gibt es offenbar nicht. Bei den Fotos, die den deutschen Behörden vorliegen, handele es sich laut Staatsanwaltschaft um „Lichtbilder der Abklärung durch die Polizei vor Ort“. Konkret hätten die philippinischen Beamten „zwei Bilder von Gebäuden“, ein Bild der ermittelnden Beamten und „ein Bild über ein Gespräch mit der Witwe“ gemacht.

    Linken-Politiker Fabio de Masi, Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss, hat wenig Verständnis dafür, dass sich die deutschen Behörden auf die dünne Beweislage verlassen: „Die Arbeit der Sicherheitsbehörden wirkt nachlässig, ihre Rolle hinterlässt bei mir große Fragezeichen. Für mich ist der Todesfall von B. dubios und es braucht konkrete und belastbare Daten und Fakten. Wir haben deshalb weitere Fragen an das Bundeskriminalamt gerichtet.“

    Ein Wirecard Insider hatte gegenüber dem Handelsblatt bereits im Sommer 2020 geäußert, dass er B. nicht für tot, sondern lebendig und flüchtig halte – kurz nachdem dessen Familien eine Todesanzeige veröffentlicht hatte. In keinem Land der Welt sei es so leicht wie auf den Philippinen, den eigenen Tod vorzutäuschen.

    Wie zum Beweis hielt der Satiriker Jan Böhmermann Monate später seine eigene, auf den Philippinen ausgestellte Sterbeurkunde in die Kamera. Für das Dokument, das einen natürlichen Tod bescheinigte, zahlte er nach eigenen Angaben 61 Euro.

    Mehr: Jan Marsalek und der Coup des Jahrhunderts.

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