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Wirecard „Von den Wirtschaftsprüfern angeraten“: Ex-Finanzchef Burkhard Ley gibt EY Mitschuld an Treuhand-Desaster

Treuhandkonten stehen im Zentrum des Wirecard-Skandals. Ein früherer Vorstand wirft EY vor, eine Schlüsselrolle bei der Konstruktion des Systems gespielt zu haben.
19.06.2021 - 09:47 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Wirecard-Finanzvorstand ist seit November wieder auf freiem Fuß. Quelle: Wirecard
Burkhard Ley

Der ehemalige Wirecard-Finanzvorstand ist seit November wieder auf freiem Fuß.

(Foto: Wirecard)

Düsseldorf Wirecards langjähriger Finanzvorstand Burkhard Ley gibt EY eine Mitschuld am Milliardenbetrug bei dem früheren Dax-Konzern. Das geht aus einem Schreiben seines Anwalts Norbert Scharf an den Untersuchungsausschuss des Bundestags hervor. Demnach hätten die Wirtschaftsprüfer Wirecard zu den Treuhandkonten geraten, die den Skandal erst ermöglichten.

Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim musste am 18. Juni 2020 zugeben, dass ein Vermögen von 1,9 Milliarden Euro, das eigentlich auf Treuhandkonten auf den Philippinen liegen sollte, nicht existierte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bilanzfälschung und Betrug – unter anderem gegen Ley.

Der vertritt die Auffassung, dass die Treuhandkonten einen „rationalen Hintergrund“ gehabt hätten. Sie seien eingeführt worden, „um die Sicherheitseinbehalte zugunsten der Wirecard AG von der Bonität der Drittpartner zu trennen“. Er habe dies unterstützt, weil es ihm „seinerzeit ökonomisch sinnvoll und geboten“ vorkam. Und weil es dem Konzern „von den Wirtschaftsprüfern von EY angeraten worden“ sei, heißt es in dem Schreiben.

EY weist dagegen die Behauptung, dass man „maßgeblich an der Konzeption der Treuhandkonten beteiligt war, entschieden zurück“. So schrieb es der von der Prüfgesellschaft beauftragte Kölner Strafrechtler Björn Gercke in einer Stellungnahme gegenüber dem Bundestags-Untersuchungsausschuss vom 11.6. Die Treuhandkonten seien vielmehr auf Betreiben von Wirecard eingerichtet worden. Die Rolle der EY-Prüfer habe lediglich darin bestanden, „das Treuhandkontenmodell im Rahmen der Abschlussprüfung zu würdigen“. EY sieht sich als Opfer eines „umfassenden Betrugs“.

In einem Brief an den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der dem Handelsblatt vorliegt, gesteht die neu formierte deutsche Geschäftsführung ein: „Mit dem Wissen von heute hätten wir im Kernbereich des Betrugs umfangreichere Prüfungshandlungen vorgenommen.“ EY habe aber stets „nach bestem Wissen und Gewissen“ geprüft.

SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe sagte dem Handelsblatt, dass die Aussagen „des tief in der Sache verstrickten Burkhard Ley“ zwar mit Vorsicht zu genießen seien. Doch EY habe auch nicht widerlegen können, dass die „dem Betrug zugrunde liegenden Treuhandkonten eine EY-Idee waren“.

Hierfür habe es immer wieder Hinweise gegeben, sagt die SPD-Politikerin. Sollte es letztlich bewiesen werden können, hätten die Prüfer „dem großen Schwindel mit dem nicht existenten Cash mindestens den Boden bereitet“.

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Klar ist: Spätestens 2016 wurden Forderungspositionen in Asien zwischen Ley und EY zum Thema. Sie waren Kern dessen, was sich später als Luftnummer herausstellte. Die Prüfer warnten damals, dass die wachsenden Forderungen für sie immer schwerer zu überprüfen seien.

Wirecard und EY waren ab 2016 übereingekommen, unsichere Forderungen in Cash, also Vermögen, zu verwandeln, üblicherweise die härteste Bilanzgröße. Dieses Vermögen lag auf den Treuhandkonten, die Drittpartner angeblich aus Wirecard zustehenden Provisionseinnahmen befüllten.

Der vom Untersuchungsausschuss eingesetzte Sonderermittler Martin Wambach rügte zuletzt, dass EY von der problematischen Konstruktion wusste. Dazu sei „die von Wirecard gelebte Geschäftspraxis“ mit Blick „auf das vereinbarte Abrechnungs- und Zahlungsprozedere laut der Beschreibung des Abschlussprüfers erheblich von den vertraglichen Abreden“ abgewichen.

Wirecards Schattenmann Burkhard Ley

Burkhard Ley kam 2006 zu Wirecard und war zwölf Jahre lang Finanzchef. Im Dezember 2017 trat er als Vorstand ab, der Konzern beschäftigte ihn aber weiterhin als Berater. Im Juli 2020, kurz nach dem Zusammenbruch des Konzerns, kam Ley in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen laufen zwar noch, der Manager durfte seine Zelle jedoch Anfang November wieder verlassen, weil er „nur bis Ende 2017 an möglichen Taten beteiligt“ gewesen sei, wie die Staatsanwaltschaft erklärte.

Die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss haben dafür kein Verständnis. In einem mehrere Tausend Seiten langen Entwurf für den Abschlussbericht, der die zentralen Erkenntnisse des Gremiums zusammenfasst, gehen sie Ley scharf an.

Neben CEO Braun und dem inzwischen flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek sei insbesondere Leys Rolle hervorzuheben, heißt es in dem Bericht. Er habe sich gemeinsam mit Marsalek für fragwürdige Darlehensvergaben eingesetzt und eine zweifelhafte Rolle bei der Übernahme der indischen Hermes-Gruppe gespielt.

Die Staatsanwaltschaft ließ auch Burkhard Ley (links) festsetzen – im Gegensatz zu Wirecard-Chef Markus Braun aber nur für etwa drei Monate. Quelle: Agency People Image
Vorstände unter sich

Die Staatsanwaltschaft ließ auch Burkhard Ley (links) festsetzen – im Gegensatz zu Wirecard-Chef Markus Braun aber nur für etwa drei Monate.

(Foto: Agency People Image)

Wirecard hatte 2015 etwa 315 Millionen Euro für Unternehmen gezahlt, die kurz zuvor für 35 Millionen Euro den Besitzer gewechselt hatten. Ermittler vermuten, dass dabei Geld abgeflossen ist. Ley, das zeigen E-Mails, die dem Handelsblatt vorliegen, war über den gesamten Zeitraum der Übernahme im Detail informiert.

Zudem habe er eine Sonderuntersuchung namens „Project Ring“ behindert, in der EY die Hintergründe des Hermes-Deals ermitteln wollte. Gemeinsam mit Marsalek habe Ley „die zur Aufklärung entscheidenden Gespräche“ und „die entscheidenden Dokumente zurückgehalten“, heißt es in dem Bericht der Abgeordneten.

Ley streitet das ab. Er habe keine Untersuchung von EY behindert oder verzögert, auch nicht „Project Ring“, schreibt sein Anwalt. Er sei nie in illegale Geschäfte verwickelt gewesen und habe beim Hermes-Deal keinen Anlass gehabt, von einem solchen auszugehen.

Eine Korrektur des Berichtsentwurfs sei deshalb „zwingend geboten“, heißt es in dem Schreiben. Der Bundestag will am 25. Juni über den Bericht debattieren.

Mehr: „Es ist ein Wahnsinn ...“ – die letzten 48 Stunden von Wirecard

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