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Wolfgang Grenke Vorwürfe um Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung: Der Grandseigneur steht unter Druck

Grenke hat vor mehr als vier Jahrzehnten das Unternehmen aufgebaut. Sein Name steht für das Unternehmen – und Grenke vor seiner schwersten Aufgabe.
18.09.2020 - 17:14 Uhr Kommentieren
In der Außendarstellung der Grenke AG steht jedoch noch immer deren Gründer an erster Stelle. Quelle: Manuel Krug
Wolfgang Grenke

In der Außendarstellung der Grenke AG steht jedoch noch immer deren Gründer an erster Stelle.

(Foto: Manuel Krug)

München Auf den Erklärungsversuch mussten Anleger lange warten. „Wolfgang Grenke äußert sich zum Franchisesystem der Grenke AG“, hieß es dann am Donnerstag kurz vor Börsenschluss. Ein anderthalbseitiger Erklärungsversuch folgte, warum das internationale Franchisemodell des Leasingunternehmens aus Baden-Baden zwar komplex, aber durchaus nachvollziehbar sein soll.

Mehr als zwei Tage waren da vergangen, seitdem eine 64-seitige Studie des Analysedienstes Viceroy Research schwere Vorwürfe um Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung gegen den MDax-Konzern erhoben hatte.

Damit meldete sich Wolfgang Grenke bereits einen Tag vor dem Vorstand um die Vorsitzende Antje Leminsky und Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp zu Wort. Die äußerte sich erst am Freitagnachmittag ausführlich zu den Vorwürfen. Leminsky, die seit 2018 an der Spitze von Grenke steht, ist im Konzern auch für das jetzt umstrittene Risikomanagement und das Credit-Center verantwortlich.

In der Außendarstellung der Grenke AG steht jedoch noch immer deren Gründer an erster Stelle. Für Wolfgang Grenke stand nie infrage, dass sein Name für das Unternehmen stehen sollte. Es ging schließlich von Anfang an um verliehenes Geld, um Verträge, um Vertrauen. Zudem war er es, der schon als Student im Jahr 1978 mit einem Leasingunternehmen für Büro-IT begann. Damals noch in einer kleinen Dachwohnung nahe dem Zentrum seiner Heimatstadt Baden-Baden.

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    Mehr als zwei Jahrzehnte später folgte der Börsengang der Grenke Leasing AG. Der Neue Markt war zur Jahrtausendwende das Wachstumssegment an der Deutschen Börse, weltweit versprachen junge Unternehmen aus der New Economy gewaltiges Wachstum und schnellen Reichtum für die Anleger.

    Wolfgang Grenke, damals schon ein Endvierziger mit Familie und drei Söhnen, wirkte in diesem Umfeld wie ein Exot. Der groß gewachsene Unternehmer mit Kinnbart und dem weichen badischen Ton in der leisen Stimme, präsentierte ein seit Jahren funktionierendes Geschäftsmodell, schrieb Gewinne und trat im dunklen Anzug mit Krawatte vor die Investoren.

    Das Geschäftsmodell, das er mit „Small Ticket IT Leasing“ umschrieb, war simpel und stieß dennoch in eine riesige Lücke. Denn Wolfgang Grenke erkannte schon in den Anfängen der Informationstechnologie, dass sich Bürotechnik rasch entwickelt und eine bestehende Infrastruktur entsprechend schnell veraltet. Für Unternehmer sei es deshalb besser, Computer, Drucker und Kopierer zu leasen und nach wenigen Jahren gegen Geräte der neuesten Generation zu tauschen.

    Gerade kleine und mittlere Unternehmen griffen bei diesem Angebot gern zu. Dass Grenke als Leasinggeber hinter dem Vertrag stand, erfuhren sie oft erst, wenn sie den Vertrag mit ihrem IT-Dienstleister genau studierten. In den folgenden Jahren kamen bei der Grenke AG eine Bank und das Factoring-Geschäft hinzu, weshalb der Zusatz Leasing im Jahr 2016 aus dem Firmennamen entfernt wurde.

    Mäzen für Kunst, Kultur und Sport

    In seiner Geburtsstadt Baden-Baden ist Wolfgang Grenke, der Anfang Februar 70 Jahr alt wird, einer der großen Gönner und Mäzene für Kunst, Kultur und Sport. Denn die Kurstadt am Fuße des Schwarzwalds wirkt nach außen hin zwar mondän, gut gefüllt sind die Stadtkassen trotzdem nicht.

    Deshalb war man im Rathaus heilfroh, als Wolfgang Grenke vor knapp zwei Jahrzehnten einen heruntergekommenen Gebäudekomplex an der Prachtmeile Lichtentaler Allee übernahm. Dort, zwischen Kurhaus und dem Museum Frieder Burda, stand ein baufälliges Palais aus dem Jahr 1820, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg amerikanische GIs getanzt hatten, das aber anschließend über viele Jahre hinweg dem Verfall preisgegeben war.

    Über die Grenke-Stiftung, die Wolfgang Grenke schon im Jahr 2004 gegründet hatte und in die er 675.000 Aktien seines Unternehmens übertrug, ließ er den Komplex aufwendig sanieren. Seit dem Jahr 2009 sind im „LA8“ ein Museum, ein Kulturzentrum, gehobene Gastronomie sowie der OSC Baden-Baden untergebracht.

    Den deutschen Schachrekordmeister fördert der leidenschaftliche Schachspieler Wolfgang Grenke seit Jahrzehnten, weshalb auch internationale Großmeister für den OSC am Tisch sitzen. Die goldene Ehrenmedaille der Stadt bekam Wolfgang Grenke, der sich auch für das Festspielhaus Baden-Baden und den Trabrennsport im nahen Iffezheim engagiert, schon im Jahr 2011.

    Jetzt muss Wolfgang Grenke beweisen, dass die Anschuldigungen um Betrug, Bilanzfälschung und Geldwäsche gegen sein Unternehmen nicht wahr sind. Seine jüngsten Erklärungsversuche bewerten Analysten wie Marius Fuhrberg von M. M. Warburg wohlwollend, die Existenz des Unternehmens sehen sie nicht bedroht. Jetzt geht es darum, dass Wolfgang Grenke weitere Details liefert.

    Mehr: Grenke wehrt sich gegen die Attacke des Wirecard-Shortsellers Fraser Perring, lässt aber viele Detailfragen offen.

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