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Zahlungsdienstleister Bafin verbietet Spekulationen auf fallende Wirecard-Kurse – Ermittlungen gegen „FT“-Journalisten

Die Finanzaufsicht verbietet ab sofort Leerverkäufe bei Wirecard. Sie sieht in dem hochspekulativen Handel eine Gefahr für das Marktvertrauen in Deutschland.
18.02.2019 Update: 18.02.2019 - 18:00 Uhr 3 Kommentare

„Von Wirecard würde ich erstmal die Finger lassen“

München Die Reaktion der Investoren auf die ebenso überraschende wie ungewöhnliche Maßnahme der deutschen Finanzaufsicht war eindeutig: Um rund 15 Prozent legte die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard am Montag zu. Schon früh am Morgen hatte die Börsenaufsicht Bafin verkündet, dass sie nach den heftigen Kursturbulenzen seit Ende Januar zu einem ihrer radikalsten Maßnahmen greift: Für mindestens zwei Monate sind Netto-Leerverkäufe von Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard verboten.

Damit hat die Bafin neue Wetten auf Kursverluste von Wirecard untersagt, zudem dürfen Anleger, die zuletzt auf Kursbewegungen der Aktie spekuliert haben, ihre Positionen nicht mehr vergrößern. Das gilt unabhängig von dem Land, aus dem diese Investoren agieren. Die Verfügung gilt bis zum 18. April.

Eine ähnliche Maßnahme gab es bisher nur in der Finanzkrise nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008, als die Leerverkäufe für elf Banken eingefroren wurden, weil die Aufseher das Finanzsystem in Gefahr sahen.

Grund für diesen außergewöhnlichen Schritt sind die für einen Dax-Wert extrem starken Kursausschläge seit dem 30. Januar. Damals hatte die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ zum ersten Mal über Unregelmäßigkeiten und den Verdacht des Betrugs bei Wirecard in Asien berichtet.

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    Das Unternehmen, das nach einem rasanten Kursanstieg im September vergangenen Jahres in die oberste deutsche Börsenliga aufgestiegen war, dementierte die Vorwürfe stets und und sprach lediglich von möglichen Compliance-Verletzungen im Bereich der Rechnungslegung in Höhe von insgesamt 13,6 Millionen Euro. Dennoch stürzte der Kurs in der Spitze um bis zu 40 Prozent ab, rund zehn Milliarden Euro an Börsenwert wurden nach zwei weiteren kritischen Berichten der Zeitung vernichtet.

    Schon in der vergangenen Woche zeichnete sich ab, dass die Bafin eingreifen dürfte, um die Spekulationswelle rund um Wirecard zu stoppen. Unter besonderer Beobachtung standen da bereits die sogenannten Leerverkäufer. In der Regel handelt es sich dabei um Hedgefonds, die sich gegen eine Gebühr Aktien bei Großinvestoren wie Banken oder Versicherungen leihen, sie am Markt verkaufen und hoffen, sie später zu günstigeren Kursen wieder zurückkaufen zu können.

    Dann geben sie die geliehenen Papiere wieder an den eigentlichen Eigentümer zurück. Bis Ende Dezember war der Verlauf der Leerverkäufe bei Wirecard unverdächtig, dann aber gingen Zahl und Volumina deutlich nach oben. Ab der letzten Januar-Woche, also der Phase unmittelbar vor der ersten Veröffentlichung in der „Financial Times“ und auch noch in den Tagen danach zogen sie kräftig an.

    Im Bundesanzeiger, in dem die entsprechenden Leerverkäufe ab einem Anteil von einem halben Prozent des ausgegebenen Kapitals gemeldet werden müssen, meldeten zuletzt der New Yorker Hedgefonds Slate Path Capital mit einem Anteil von 1,5 Prozent des ausgegebenen Kapitals sowie Odey Asset Management aus London mit 0,77 Prozent sogenannte Shortpositionen. Gründer Crispin Odey spekuliert jedoch schon seit Jahren gegen Wirecard, sodass sich an der kritischen Grundausrichtung zumindest nichts verändert hat. Der Börsenaufsicht Bafin müssen bereits Positionen ab 0,2 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals gemeldet werden.

    Höherer Börsenumsatz als bei VW

    Zudem waren auch die täglichen Handelsumsätze der Wirecard-Aktie seit Ende Januar außergewöhnlich hoch. Meist war die Aktie des Unternehmens aus der Nähe von München die am stärksten gehandelte unter allen 30 Dax-Werten. In der vergangenen Woche lagen die Volumina an einigen Tagen sogar bei mehr als dem Doppelten von Schwergewichten wie Volkswagen oder Siemens und beim Drei- bis Vierfachen von SAP und der Allianz. Am vergangenen Montag wechselte jede 37. frei handelbare Aktie den Besitzer, ein außergewöhnlich hoher Wert.

    Die Bafin begründete ihren außergewöhnlichen Schritt mit all diesen Entwicklungen. Die heftigen Ausschläge stellten eine ernst zu nehmende Bedrohung für das Marktvertrauen in Deutschland dar, hieß es aus Bonn. Man habe zuletzt massive Unsicherheiten an den Finanzmärkten festgestellt.

    Das Vorgehen ist eng abgestimmt mit der europäischen Börsenaufsicht ESMA, die betonte, dass die eingeleiteten Maßnahmen angemessen und geeignet seien. Normale Marktaktivitäten mit den Wirecard-Aktien wie zum Beispiel das Geschäft mit börsengehandelten Fonds, die Indizes abbilden, oder Absicherungspositionen für Wandelanleihen von Wirecard sind nicht von dem Verbot der Bafin betroffen.

     Hedgefonds-Gründer Odey will das Leerverkaufsverbot nicht akzeptieren und kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Klage gegen die Bafin an. „Wir sind sehr aufgeregt über die Möglichkeiten eines Rechtsstreits gegen die Bafin“, sagte Odey.

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    Am Montag bestätigte zudem die Münchener Staatsanwaltschaft, dass eine konkrete Strafanzeige eines Anlegers gegen die „Financial Times“ eingegangen sei. Deswegen habe man ein Ermittlungsverfahren eingeleitet „wegen eines Vergehens nach dem Wertpapiergesetz“. Die Sprecherin wies aber auch darauf hin, dass schon eine begründete Anzeige ausreiche, um als Beschuldigter zu gelten.

    Auch stünden die Ermittlungen erst am Anfang. Außerdem liegt der Münchener Staatsanwaltschaft eine Aussage eines potenziellen Leerverkäufers vor, der behauptet, er sei unmittelbar vor der Veröffentlichung in der britischen Wirtschaftszeitung informiert worden. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sprach hier aber nur von einem „Aktienkaufinteressent“, da diese Person nach dieser Information nicht am Markt tätig geworden sei. Deswegen könne sie nicht beschuldigt werden. Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet.

    Eine Sprecherin der „Financial Times“ wies die Anschuldigungen zurück. „Alle Vorwürfe gegen die FT, einen ihrer Reporter oder Mitarbeiter hinsichtlich Marktmanipulation oder unethischer Berichterstattung im Zusammenhang mit Wirecard sind unbegründet und falsch.“ Sie seien ein Vorwand, um die ernst zu nehmenden Vorwürfe in Zusammenhang mit betrügerischer Kontoführung zu verschleiern, die von Wirecard-Mitarbeitern in Singapur begangen wurden, hieß es in einem Statement.

     Spekulationen um die Wirecard-Aktie gibt es bereits seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Vorwürfe gingen stets in eine ähnliche Richtung. In der Regel war von Marktmanipulation, Betrug und einem undurchsichtigen Geschäftsmodell die Rede. Bewiesen wurden die Vorwürfe bislang nie, auch erhob die Staatsanwaltschaft nie Anklage gegen Verantwortliche bei Wirecard. Stets folgte dem Kurseinbruch der erneute Aufstieg der Aktie in neue Höhen.

    Damals war der Wetteinsatz am Markt gegen Wirecard sogar noch deutlich höher als heute. 2016 wurde zeitweise ein niedriger zweistelliger Prozentsatz der frei handelbaren Aktien für Leerverkäufe genutzt. Von Wirecard selbst gab es am Montag nur eine kurze Reaktion. „Wir begrüßen alle Maßnahmen der Aufsichtsbehörden, die zu einer schnellen Aufklärung beitragen“, hieß es in einem kurzen Statement. Das Unternehmen hat bereits mehrfach betont, dass man die Ermittlungen der Behörden voll unterstütze.

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    3 Kommentare zu "Zahlungsdienstleister: Bafin verbietet Spekulationen auf fallende Wirecard-Kurse – Ermittlungen gegen „FT“-Journalisten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herr J.-Fr. Pella:
      ... weil Bayer mit Monsanto Mist gebaut hat ... das ruft Spekulanten / Leerverkäufer heran.

    • Wie heißen die Großinvestoren bei Wirecard, wie heißen die Eigentümer?????

      Wo war die BAFIN, als im letzten Jahr Blackrock in millionenfacher Höhe Leerverkäufe gegen BAYER AG tätigte und die Aktien von Bayer um ca. 20% einbrachen????

      Wieso hat da die BAFIN nicht eingegriffen???? Verlogener Haufen.

    • Vielleich kann das Handelsblatt herausfinden, welchen Sinn, welchen volkswirtschaftlichen Nutzen oder finanztechnische Notwendigkeit Leerverkäufe von Aktien haben.
      Ich glaube nur an Gewinne unnützer Spekulanten zu Lasten der anderer.

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