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Zahlungsdienstleister Bilanzsonderprüfung bei Wirecard wird verlängert – Jahresabschluss verschiebt sich

Die Sonderprüfung durch KPMG entlastet Wirecard bei den Vorwürfen zum Indien- und Singapur-Geschäft. Die umstrittenen Drittpartner müssen jedoch länger durchleuchtet werden.
12.03.2020 Update: 13.03.2020 - 01:04 Uhr Kommentieren
Wirecard: Jahresabschluss verschiebt sich Quelle: imago images/Sven Simon
Wirecard-Firmenzentrale

Der Zahlungsdienstleister muss sich Betrugsvorwürfen erwehren.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Frankfurt/München Wirecard hat einen vorläufigen Stand der KPMG-Sonderprüfung veröffentlicht, die die zahlreichen Vorwürfe aufklären soll, mit denen der Konzern in den vergangenen Monaten konfrontiert war. Stand jetzt bringt dieser jedoch nur begrenzte Aufklärung über die Bilanzierungsmethoden bei Wirecard. Das geht aus der Mitteilung hervor, die der Zahlungsdienstleister Donnerstagnacht veröffentlicht hat.

Die Mitteilung bringt Licht in einen Teil der offenen Fragen. Zur Zusammenarbeit mit umstrittenen Partnern, die für Wirecard den Zahlungsverkehr in Ländern abwickeln, in denen der Dax-Konzern über keine eigene Lizenz verfügt, wollen sich die Wirtschaftsprüfer jedoch erst nach weiteren Untersuchungen am 22. April äußern. Dies betrifft unter anderem das Geschäft in Dubai.

„Hintergrund ist die aufwendige und detaillierte Prüfung, die eine umfassendere Einsichtnahme in relevante interne Unterlagen der Wirecard-Gruppe sowie externer Gesellschaften notwendig macht“, erläuterte der Konzern. „Auch durch aktuelle, Corona-Virus bedingte Reiserestriktionen besonders in asiatischen Ländern muss der Zeitrahmen der Sonderuntersuchung verlängert werden.“

Der verlängerte Prüfzeitraum hat konkrete Folgen: Laut Wirecard verschiebt sich die Veröffentlichung des Jahresabschlusses für 2019, die bisher für den 8. April geplant war, auf den 30. April.

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    Wirecard verspricht, „im Sinne transparenter Prozesse den vollständigen KPMG-Untersuchungsbericht unmittelbar nach Erhalt auf ihrer Homepage in der Sektion ,Transparenz'“ zu veröffentlichen.

    Entlastung im Bereich Forderungsvorfinanzierung

    Am 21. Oktober vergangenen Jahres gab Wirecard nach erneuten schweren Vorwürfen um Bilanzierungspraktiken, Geldwäsche und womöglich erfundene Kundenbeziehungen eine Sonderprüfung der Bilanzen durch KPMG in Auftrag. Seither haben die Wirtschaftsprüfer mit einem großen personellen Aufwand von rund 40 Mitarbeitern noch mal die Bilanzen der vergangenen Jahre geprüft. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse aus dem Bericht hatte Wirecard zuletzt für Ende des ersten Quartals versprochen.

    Eindeutig ist das nun vorgelegte Zwischenergebnis laut der Mitteilung für die kritisch diskutierten Geschäfte in Indien, Singapur und den Geschäftsbereich „Merchant Cash Advance“, hinter dem sich die Forderungsvorfinanzierung, das sogenannte Factoring, für Händler verbirgt.

    KPMG habe „die Sonderuntersuchung zu den öffentlichen Vorwürfen in Bezug auf die Geschäftstätigkeit der Wirecard AG in Indien und Singapur sowie den Geschäftsbereich Merchant Cash Advance (...) weitestgehend abgeschlossen“, teilte der Konzern mit. „Diese Teile der Sonderuntersuchung haben in diesen Untersuchungsgebieten aus heutiger Sicht keine substanziellen Feststellungen ergeben, die für die Jahresabschlüsse im Untersuchungszeitraum 2016, 2017 und 2018 zu Korrekturbedarf führen würden.“

    Ausgangspunkt Dubai

    Bereits das gesamte Jahr 2019 über berichtete die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ (FT) in einer Reihe von Artikeln über Vorwürfe gegen Wirecard zu angeblichen kriminellen Machenschaften und schwer durchschaubaren Zahlungsströmen. Stets reagierte die Wirecard-Aktie mit erheblichen Verlusten, teilweise im zweistelligen Prozentbereich. Deswegen stand immer wieder der Verdacht im Raum, dass sich Hedgefonds, die auf fallende Kurse spekuliert haben, vor Erscheinen der Artikel positioniert und anschließend besonders profitiert hätten.

    Auslöser für die Sonderprüfung durch KPMG war letztendlich ein zehnseitiger Artikel in der FT im Oktober. Angereichert durch interne und externe Dokumente wurden dort Zahlungsströme von Wirecard über Partner in Dubai und Irland angezweifelt. Im Mittelpunkt stand dabei Wirecards Partner Al Alam aus Dubai. Über den sollen laut FT im Jahr 2016 rund die Hälfte des Unternehmensgewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erzielt worden sein. Laut interner Unterlagen sei das Unternehmen aus Dubai für einen Umsatz von 265 Millionen Euro und einen „Ebitda-Effekt“ von 173 Millionen Euro verantwortlich, hieß es dort.

    Al Alam ist für Wirecard ein so genannter „Third Party Acquirer“, der in Ländern, in denen das Unternehmen über keine eigenen Lizenzen verfügt, die Abwicklung des Zahlungsverkehrs übernimmt.

    Laut FT wurden 2016 über Al Alam die Geschäfte von 34 wichtigen Kunden von Wirecard abgewickelt. Sie stammen aus den USA, Europa, dem Mittleren Osten, Russland und Japan. Die britische Wirtschaftszeitung hatte nach eigener Darstellung versucht, alle diese Geschäftspartner zu kontaktieren. Demnach hatten 15 von ihnen niemals den Namen Al Alam gehört, sechs antworteten nicht, fünf konnten nicht identifiziert werden und acht von ihnen haben ihr Geschäft eingestellt. Wirecard bestritt diese Darstellung scharf.

    Der jetzt veröffentlichte Zwischenstand der Sonderprüfung bringt zu diesen Vorwürfen noch keine Aufklärung: Das Drittpartnergeschäft soll weitere sechs Wochen durchleuchtet werden.

    Singapur und Indien im Fokus

    Auch bezüglich Singapur hatte die FT bereits Anfang 2019 in mehreren Artikeln schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. Damals ging es um finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Niederlassung, die Wirecards Asienexpansion steuert. Dreimal hatten die lokalen Aufsichtsbehörden daraufhin die Geschäftsräume von Wirecard durchsucht, mehr als 200 Kartons an Material wurden mitgenommen.

    Wirecard reagierte in der Folge mit einer externen Untersuchung durch die renommierte Anwaltskanzlei Rajah & Tann. Sie sollte die Vorfälle in Singapur aufarbeiten und die Hintergründe ans Licht bringen. Deren Bericht, der Ende März 2019 nur in Auszügen veröffentlicht wurde, zeigte zwar Verfehlungen. Die bewegten sich aber lediglich im Rahmen von Fehlbuchungen in früheren Bilanzen. Insgesamt ging es um etwa 5,5 Millionen Euro, die berichtigt wurden.

    Ebenfalls für eine Reihe von kritischen Artikeln über Wirecard sorgte im vergangenen Jahr ein Unternehmenskauf in Indien aus dem Jahr 2015. Damals hatte Wirecard die beiden dortigen Zahlungsdienstleister Hermes i Ticket und GI Technologies übernommen. Es war der bis dato größte Deal in der Unternehmensgeschichte.

    Der wesentliche Teil der Kaufsumme von 340 Millionen Euro floss jedoch an einen noch immer unbekannten Fonds auf Mauritius, während die eigentlichen Verkäufer, indische Unternehmer, kurz davor nur 37 Millionen Euro erhalten hatten. Auch hier stand der Verdacht von Geldwäsche und Betrug im Raum.

    Laut der Mitteilung von Donnerstagnacht gab es für das Singapur- und Indiengeschäft nun Entwarnung durch die KPMG-Prüfer. Die Jahresabschlüsse zwischen 2016 und 2018 müssen dahingehend nicht korrigiert werden.

    Mehr: Der Softbank-Einstieg bei Wirecard zahlt sich aus: Der Konzern schließt eine neue vielversprechende Partnerschaft.

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