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Zahlungsdienstleister Finanzaufsicht prüft Wirecards Kommunikation

Der Konzern wehrt sich gegen neue Vorwürfe und will seine komplexe Bilanz künftig besser erklären. Unterdessen prüfen Aufseher die Kommunikation von Wirecard.
09.12.2019 - 18:08 Uhr Kommentieren
Der Zahlungsdienstleister geriet in der Vergangenheit schon öfter wegen Unregelmäßigkeiten in die Kritik. Quelle: Bloomberg
Die Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

Der Zahlungsdienstleister geriet in der Vergangenheit schon öfter wegen Unregelmäßigkeiten in die Kritik.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt, München Von einer besinnlichen Adventszeit kann beim Zahlungsabwickler Wirecard keine Rede sein. Nach Informationen des Handelsblatts prüft die deutsche Finanzaufsicht Bafin die Kommunikation des umstrittenen Dax-Konzerns. Die Bafin hatte im Frühjahr sogenannte Leerverkäufe verboten, die von Spekulanten für Wetten auf fallende Wirecard-Kurse genutzt wurden.

Außerdem war die Bafin dem Verdacht nachgegangen, dass Journalisten der britischen Zeitung „Financial Times“ (FT) unzulässigerweise mit Spekulanten zusammengearbeitet haben, die Wirecard attackiert hatten. Angesichts des eskalierenden Streits über den Konzern betonen die Aufseher jetzt, dass sie nicht nur die Gegner von Wirecard unter die Lupe nehmen, sondern auch den Konzern selbst.

Am Montag erklärte die Bafin auf Handelsblatt-Anfrage: „Dass unsere Untersuchungen in alle Richtungen gehen – und damit auch Wirecard erfassen –, ist nicht neu.“ Weiter heißt es: „Über den im April bei der Staatsanwaltschaft München I angezeigten Sachverhalt der Short-Attacke hinaus untersuchen wir weiter, ob Marktmanipulationen möglicherweise auch durch unrichtige/irreführende Angaben oder aber das Zurückhalten von Ad-hoc-Mitteilungen durch Wirecard erfolgt sind.“ Der Hedgefonds Greenvale Capital hatte wegen irreführender Informationen laut Nachrichtenmagazin „Spiegel“ Beschwerde gegen Wirecard eingelegt.

Erst Ende September hatte die Bafin wegen formaler Fehler ein Bußgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro von Wirecard gefordert. Damals ging es um fehlende Unterschriften und eine verspätete Mitteilung darüber, wo der Halbjahresbericht 2018 im Internet zu finden sei.

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    Die Furcht der Behörde, im Markt als quasi verlängerter Arm des Konzerns wahrgenommen zu werden, ist nicht unbegründet: So hatte etwa im November das Prager Anlagehaus „Krupa Global Investments“ seinen fünf Millionen Euro schweren Einstieg bei Wirecard mit folgender Aussage erklärt: „Die deutsche Regulierungsbehörde Bafin und die deutsche Regierung unterstützen Wirecards Mission und Expansion umfassend.“ Ein Eindruck, der bei den Aufsehern nicht auf Gegenliebe stößt.

    Cashflow im Fokus

    Der Konzern aus Aschheim bei München steht unter einem Presse-Trommelfeuer nach kritischen Berichten in der „Süddeutschen Zeitung“, dem „Spiegel“ und der „FT“. Nach einem erneuten Artikel der britischen Wirtschaftszeitung gab der Aktienkurs am Montag um bis zu fünf Prozent nach, erholte sich später aber wieder deutlich.

    Im Kern lässt sich die Kritik auf zwei Hauptvorwürfe zusammenführen: Wirecard hat demnach den Kapitalmarkt unzureichend über problematische Sachverhalte informiert und wendet irreguläre Bilanzierungsansätze an. Im Raum steht ein böser Verdacht: Wirtschaftet der Konzern, der Jahr für Jahr die eigenen Prognosen übertrifft, weniger solide als gedacht – und stopft Bilanzlöcher durch frische Geldmittel?

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    Nahrung erhielt der letztgenannte Vorwurf durch den jüngsten „FT“-Artikel von diesem Montag. Dieser behandelte den Cashflow von Wirecard und seine Zusammensetzung. Der Cashflow gilt als wichtige Kenngröße für die Liquidität eines Unternehmens und stellt vereinfacht gesagt die Einnahmen eines Konzerns den Ausgaben gegenüber. Ist er dauerhaft negativ, drohen Liquiditätsprobleme.

    Auf den ersten Blick gibt es dazu bei Wirecard keine Hinweise, im Gegenteil: Zahlreiche Analysten stützen ihre Kaufempfehlung unter anderem auf den starken Cashflow. So stieg diese Kennzahl 2018 auf 500 Millionen Euro, während sie noch 2014 lediglich etwa 144 Millionen Euro betrug. Insbesondere der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit wuchs deutlich, was an der Börse als grundsätzlich verlässlicher Wert gilt, lässt sich der Barmittelfluss doch in der Regel nur schwierig beeinflussen.

    Fragliche Treuhandgelder

    Die „FT“ bezieht sich auf Zahlen von Ende März 2017. Damals wies der Konzern einen Cashbestand von 1,45 Milliarden Euro aus. Hiervon könnten laut „FT“ 334 Millionen Euro vom in der Vergangenheit kritisch diskutierten, undurchsichtigen Drittpartner Al Alam aus Dubai gekommen sein und auf sogenannten Treuhandkonten gelegen haben.

    Auch die Gelder anderer Drittpartner auf Treuhandkonten seien dem Cashbestand zugerechnet worden. Die „FT“ zitiert Finanzprofessor Collins Ntim von der Southampton Business School, der diesen Ansatz „aggressive Buchhaltung“ nennt.

    Bei Wirecard kann man die Aufregung nicht nachvollziehen. Man habe alle Cashpositionen gemäß dem internationalen Buchhaltungsstandard IFRS korrekt ausgewiesen, heißt es aus Aschheim. Der Wirtschaftsprüfer EY habe die Richtigkeit der Konzernbilanzen der vergangenen Jahre uneingeschränkt testiert.

    Der Wirecard-Geschäftsbericht weist auf die eigene Interpretation der Treuhandkonten explizit hin: „Auch Konten aus dem Acquiring-Bereich, die zum Teil nicht direkt, aber auf Rechnung von Wirecard gehalten werden, werden unter den Zahlungsmitteln ausgewiesen, wenn die Wirecard über diese Gelder kurzfristig verfügen kann.“

    Kritik an Kommunikation

    Laut Wirecard halten Kreditkartennetzwerke wie Mastercard und Visa keine direkten Beziehungen zu lokalen Einzelhändlern, sondern über zwischengeschaltete Partner, die die Zahlungen abrechnen. Diese Acquirer sind grundsätzlich austauschbar und an die Wirecard-Plattform angeschlossen, betont der Konzern.

    Ein kleiner Anteil der Zahlungen wird zurückgehalten, um für Ausfälle und Rückbuchungen gewappnet zu sein. Geparkt werden diese Gelder auf Treuhandkonten. Kommt es nicht zu entsprechenden Rückbuchungen, kann Wirecard über die Gelder binnen kurzer Frist verfügen. Da der Konzern das geschäftliche Risiko trägt, ist die Zurechnung zum Cashbestand nach dieser Lesart bilanziell korrekt. Ein Wirtschaftsprüfer, der die Zahlungsbranche genau kennt und mit dem das Handelsblatt sprechen konnte, hält den Ansatz für grundsätzlich nachvollziehbar. Problematisch sei jedoch die große Bedeutung des Partners Al Alam.

    Wirecard steht seit geraumer Zeit im Verdacht, es könnte in der Vergangenheit zu Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen gekommen sein. Wesentlicher Grund dafür ist das komplexe Geschäftsmodell. Zuletzt hatte das Handelsblatt über das verweigerte Testat für die jüngste verfügbare Bilanz der Singapurtochter des Konzerns berichtet. Diese war aufgrund von Ermittlungen der örtlichen Finanzaufsicht in die Schlagzeilen geraten.

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    Um solche Probleme zu unterbinden, setzt der Konzern auf eine neue interne Reportingstruktur, die die lokalen Einheiten mit der Hilfe regionaler „Hubs“ enger an die deutsche Zentrale anbinden soll. Zudem hat Wirecard eine Sonderprüfung der Bilanz durch KPMG in Auftrag gegeben. Diese hat mit einem 16-köpfigen Team die Arbeit aufgenommen und bereits binnen kurzer Zeit Vorstandsmitglieder zur Anhörung vorgeladen. Die Untersuchung führen drei KPMG-Partner, darunter der deutsche KPMG-Vorstand Sven-Olaf Leitz.

    Darüber hinaus will der Konzern seine Kapitalmarktkommunikation verbessern. „Wir sind aus unserer Sicht schon jetzt das transparenteste Unternehmen unseres Sektors. Gleichzeitig suchen wir ständig nach Optimierungsmöglichkeiten“, erklärte eine Sprecherin am Montag. Wirecard will laut Insidern die Rolle seiner Drittpartner in den kommenden Tagen noch besser erklären und arbeitet an einer entsprechenden Darstellung – diesbezügliche Schritte hatte der Konzern bereits in der Vergangenheit angekündigt.

    Mehr: Der Zahlungsdienstleister Wirecard setzt auf neue Reportingregeln. Probleme wie jene in Singapur sollen damit künftig verhindert werden.

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