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Zahlungsdienstleister Markus Braun erwartet „sehr starkes 2020“ – Hedgefonds positionieren sich gegen Wirecard

Der Vorstandschef sieht gute Vorzeichen für das kommende Jahr. Großanleger stellen sich auf Wirecards Seite – Hedgefonds dagegen. Die Lage bleibt explosiv.
16.12.2019 - 19:46 Uhr Kommentieren
Die Aktien des Zahlungsdienstleisters schwanken stark. Quelle: Reuters
Wirecard

Die Aktien des Zahlungsdienstleisters schwanken stark.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die vorletzte Handelswoche vor Weihnachten mag auf Aktionäre von Wirecard wie ein Déjà-vu-Erlebnis gewirkt haben. Der Kurs ist um rund 13 Prozent eingebrochen, Auslöser waren unter anderem erneute kritische Berichte in der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“, die Zweifel an dem Zahlungsdienstleister geschürt hatten.

Dann gingen die Handelsumsätze der Wirecard-Aktie an der Börse schlagartig nach oben. Sie gehörte tagelang zu den meistgehandelten Aktien im Dax.

Vorstandschef Markus Braun, der mit einem Anteil von etwas über sieben Prozent selbst der größte Einzelaktionär bei Wirecard ist, äußerte sich am Montag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Nach einem „gewaltigen 2019“ sieht er gute Vorzeichen für ein „sehr starkes 2020“.

Das operative Geschäft würde demnach weiterhin prächtig laufen. Erst im November hatte der Konzern für das kommende Jahr eine Ergebnisprognose vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 1,00 bis 1,12 Milliarden Euro bekanntgegeben. Damit lägen die Erwartungen rund ein Drittel über den Erwartungen für dieses Jahr.

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    Wenn es um Wirecard geht, stehen sich zwei Fronten gegenüber. Auf der einen Seite positionieren sich diejenigen, die weiterhin an gewaltige Zukunftschancen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs glauben und Wirecard dabei als einen der großen Player am Markt sehen. Vor allem die überwiegende Mehrzahl der Analysten, aber auch viele namhafte Großinvestoren stehen trotz aller Anschuldigungen weiter zu Wirecard.

    Auf der Gegenseite haben sich in den vergangenen beiden Wochen etliche Hedgefonds positioniert. Mit Leerverkaufspositionen spekulieren sie auf weiter fallende Kurse bei Wirecard. Der Dax-Konzern ist bereits seit über einem Jahrzehnt immer wieder das Ziel von Hedgefonds. Die Folge ist eine Art gegenseitige Blockade.

    Viele Großinvestoren halten zu Wirecard

    Die amerikanische Großbank Morgan Stanley, die aktuell einen Anteil von 1,9 Prozent der Wirecard-Aktien besitzt, steht weiterhin zu dem Zahlungsdienstleister und hat gerade erst ihr Kursziel von 190 auf 205 Euro erhöht. Das käme angesichts des aktuellen Kurses einer Verdoppelung gleich.

    Nach Ansicht von Analyst Adam Wood zeichnet sich der Zahlungsdienstleister durch ein hohes strukturelles Wachstum aus. Die Bilanzierungsvorwürfe lasteten jedoch derzeit auf dem Kurs.

    Auch bei der DWS sieht man nach den jüngsten Attacken keinen Anlass, an der bisherigen Strategie etwas zu ändern. Die Fondstochter der Deutschen Bank hatte im Oktober ihren Anteil an Wirecard deutlich aufgestockt. Mit einem Anteil von fast sechs Prozent der Aktie ist die DWS derzeit der zweitgrößte Investor hinter Vorstandschef Braun selbst.

    Die Fondsgesellschaft habe sich bei ihrem jüngsten Marktausblick auf Sektorebene für ein Übergewicht des IT- und globalen Finanzsektors ausgesprochen, heißt es von dort. Das bedeute speziell für Deutschland ein Übergewicht in Versicherungs- und Technologiewerten.

    Dabei bemängeln Großanleger immer wieder, dass gerade in Deutschland die Auswahl an bedeutenden Technologieunternehmen nicht allzu groß sei. Im Dax zählen neben Wirecard lediglich SAP und Infineon dazu. Im Falle von Wirecard habe man sich bei der DWS zusammen mit externen Wirtschaftsprüfern, Rechnungswesen-Experten und seriösen Analysten intensiv mit den Zahlen und Vorwürfen beschäftigt.

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    Einen sehr engen Kontakt zu Wirecard hält auch Nicolas Walewski, Chef und Gründer der Londoner Investmentboutique Alken. Walewski ist einer der Investoren der ersten Stunde bei Wirecard. Schon vor rund 15 Jahren stieg er mit einem größeren Paket ein, damals zum Kurs von zwei Euro je Aktie. Insofern ist ihm auch beim jetzigen Kurssturz, nach dem die Aktien noch immer jenseits der 100 Euro notieren, nicht bange.

    Walewski erklärte Wirecard erst kürzlich wieder zum seinem „Liebling“ am deutschen Aktienmarkt. Außer dem Zahlungsdienstleister hält er hierzulande lediglich eine größere Position in RWE.

    Hedgefonds setzen auf fallende Kurse

    Auf der Gegenseite bringen sich immer mehr Hedgefonds in Stellung, die auf fallende Kurse bei Wirecard wetten. So wurde am Montag bekannt, dass sowohl Greenvale Capital aus London als auch die amerikanische Coatue Management aus Wilmington ihre Leerverkaufspositionen erhöht haben.

    Greenvale hält nun einen Anteil von 0,63 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals und hat seinen Anteil von 0,56 Prozent aus der vergangenen Woche damit noch einmal aufgestockt. Coatue hält nun 0,72 Prozent, nachdem es vor wenigen Tagen noch 0,54 Prozent waren.

    Großinvestoren müssen ab einem Anteil von 0,5 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals eine Meldung abgeben, die dann am folgenden Handelstag im Bundesanzeiger veröffentlicht wird. Davon gab es zuletzt etliche. So hält der Londoner Hedgefonds TCI Fund Management im Moment 0,93 Prozent. Der ebenfalls in London beheimatete Mashall Wace besitzt seit der vergangenen Woche einen Anteil von 0,73 Prozent.

    Schon vor anderthalb Wochen erhöhte der Hedgefonds Slate Path Capital seine Position auf 1,1 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals. Davor lag der Anteil bei 0,94 Prozent. Der New Yorker Großinvestor Slate Path setzt bereits seit Längerem auf sinkende Kurse bei Wirecard.

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    In der Regel handelt es sich bei den Leerverkäufern um Hedgefonds, die sich gegen eine Gebühr Aktien bei Großinvestoren wie Banken oder Versicherungen leihen, sie am Markt verkaufen und hoffen, sie später zu günstigeren Kursen wieder zurückkaufen zu können. Dann geben sie die geliehenen Papiere wieder an den eigentlichen Eigentümer zurück.

    Wer sich jetzt somit in großem Stil gegen Wirecard positioniert, der setzt darauf, dass der Aktienkurs weiter an Wert verliert. Das würde besonders dann passieren, wenn weitere Vorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister auftreten würden.

    Als mögliche Schwelle für weitere Verluste nannten Börsianer zuletzt die Marke von 100 Euro für den Aktienkurs. Sollte sie unterschritten werden, dann könnte es durch sogenannte Stopp-Loss-Orders weiter bis zum Jahrestief bei rund 86 Euro gehen. Bei Stopp-Loss-Orders handelt es sich um automatische Verkaufsaufträge, die bei Unterschreiten eines bestimmten Kurslimits ausgelöst werden. Damit kommt es dann häufig zu einem weiteren Kursrutsch.

    Rechtliche Unwägbarkeiten

    Einig sind sich Fürsprecher wie Gegner von Wirecard lediglich darin, dass die vielen rechtlichen Unwägbarkeiten und die damit verbundene Unsicherheit unter Investoren im Moment die Hauptgründe für die starken Kursschwankungen bei Wirecard sind.

    Welche Kurse möglich wären, wenn Wirecard seine Probleme endlich in den Griff bekommen würde, zeigt der niederländische Konkurrent Adyen. Wirecard ist bei Umsatz und Gewinn etwa viermal so groß. An der Börse werden die Niederländer jedoch mit über 20 Milliarden Euro bewertet, Wirecard aktuell mit weniger als 13 Milliarden Euro.

    Noch deutlicher wird der Unterschied beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), bei dem Adyen mittlerweile im dreistelligen Bereich angelangt ist, während es Wirecard für das kommende Jahr auf überschaubare 18 bringt. Trotzdem bezeichnet Morgan-Stanley-Analyst Adam Wood Adyen als den „Platzhirsch der Branche“.

    Mehr: Wurden Hedgefonds überwacht? Wirecard erklärt, externe Sicherheitsberater hätten eine Beschattung eigenmächtig initiiert – der Konzern selbst habe dies nie beauftragt. Lesen Sie hier mehr.

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