Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Zahlungsdienstleister Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen „FT“-Journalisten zu Wirecard-Berichten ein

Die Ermittler haben keine Belege für den Vorwurf der Marktmanipulation gefunden, den die Finanzaufsicht Bafin erhoben hatte. Im Gegenteil. Damit gerät erneut die Bafin in den Fokus.
03.09.2020 Update: 03.09.2020 - 22:55 Uhr Kommentieren
Die Vorwürfe gegen die Journalisten der „Financial Times“ haben sich den Ermittlern zufolge nicht erhärtet. Quelle: AFP
Die Wirecard-Zentrale

Die Vorwürfe gegen die Journalisten der „Financial Times“ haben sich den Ermittlern zufolge nicht erhärtet.

(Foto: AFP)

Frankfurt/Düsseldorf Die Staatsanwaltschaft München hat das Ermittlungsverfahren gegen zwei Journalisten der „Financial Times“ (FT) im Zusammenhang mit deren Berichten über den inzwischen insolventen Zahlungsabwickler Wirecard eingestellt. Es hätten sich keine hinreichenden Anhaltspunkte gefunden, die die Verdachtsmomente hätten stützen können, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Die Berichterstattung der beiden Journalisten sei grundsätzlich zutreffend und „jedenfalls vom Standpunkt der damaligen Informationslage aus weder falsch noch irreführend“ gewesen, so die Staatsanwaltschaft weiter. Unmittelbare Kontakte mit sogenannten Shortsellern seien nicht festgestellt worden. Eine FT-Sprecherin erklärte gegenüber dem Handelsblatt, die Zeitung begrüße die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen.

Die Staatsanwaltschaft leitete 2019 ein Ermittlungsverfahren gegen den Londoner FT-Reporter Dan McCrum und seine Kollegin Stefania Palma in Singapur ein. Die beiden Journalisten hatten das getan, was eigentlich Aufgabe der Finanzaufsicht Bafin und der Wirtschaftsprüfer von EY gewesen wäre: Sie brachten Wirecards Lügengebäude mit ihren Recherchen und Artikeln ins Wanken.

„Es ist erfreulich, dass die Staatsanwaltschaft München das Ermittlungsverfahren gegen Herrn McCrum nun endlich eingestellt hat. Schließlich haben er und seine Kollegin Stefania Palma mit ihrer hartnäckigen Recherche den Betrugsskandal bei Wirecard maßgeblich mit aufgedeckt“, sagte McCrums Verteidiger Hanns Feigen dem Handelsblatt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    McCrum hatte seit 2015 regelmäßig über Unstimmigkeiten in Wirecards Geschäftsgebaren und Bilanzen berichtet. Anfang 2019 begann seine letztlich entscheidende Artikelserie: Die FT berichtete unter anderem, in der Wirecard-Asienzentrale in Singapur habe es undurchsichtige Geschäfte gegeben, in Dubai seien Kundenbeziehungen erfunden worden. Der Wirecard-Aktienkurs war daraufhin stark unter Druck geraten.

    Bafin vermutete Absprachen

    Mit der Nachricht vom Donnerstag gerät erneut die Finanzaufsicht Bafin in den Fokus: Die Münchener Staatsanwälte hatten die Ermittlungen gegen die FT auf ihr Betreiben eröffnet. Am Donnerstag verwiesen sie denn auch explizit auf die „von der Bafin aufgeworfenen Verdachtsmomente“.

    Die Finanzaufsicht hatte die FT-Journalisten ab dem Januar 2019 der Zusammenarbeit mit Shortsellern verdächtigt: Das hätte es Investoren, die auf einen Absturz der Wirecard-Aktie wetteten, ermöglicht, von den Kursverlusten nach Erscheinen ihrer Berichte zu profitieren. In der Folge hatte sich die Bafin mit einem umstrittenen Leerverkaufsverbot vor Wirecard gestellt.

    Die Bafin erklärte am Donnerstag, man hege „keine Einwände“ gegen die Einstellung der Ermittlungen. „Wir hatten der Staatsanwaltschaft bereits bei Anzeigeerstattung im April 2019 mitgeteilt, dass wir – soweit sich eine Marktmanipulation durch kollusives Zusammenwirken zwischen Journalisten und Shortsellern nicht nachweisen lässt – auch möglichen Insiderhandel anzeigen“, so eine Sprecherin. „Diesem Ansatz folgt die Staatsanwaltschaft nun.“

    Grafik

    Aus München hieß es: „Die Ermittlungen gegen mögliche Shortseller werden fortgeführt.“ Mit Bezug auf die beiden FT-Reporter teilte die Staatsanwaltschaft mit: „Anhaltspunkte, dass die Beschuldigten selbst bewusst Inhalt und Zeitpunkt ihrer Berichte Dritten bekanntgegeben hätten und damit Insiderinformationen weitergegeben haben, ergaben sich nicht.“

    Vielmehr deuteten die Ermittlungen darauf hin, dass „weitere Personen, die sich im Umfeld der Beschuldigten befanden oder vom Erscheinen der Berichte wussten, die entsprechenden Informationen weitergegeben haben“.

    Denkbar ist demnach auch, dass Wirecard-Insider Londoner Spekulanten über FT-Presseanfragen informiert oder sogar selbst auf einen Aktienkursverfall gewettet haben könnten.

    Nicht nur die Bafin hatte 2019 Strafanzeige gegen die FT gestellt. Auch Wirecard hatte die Zeitung in einer Anzeige der Marktmanipulation bezichtigt. Zudem hatte der Konzern eine Zivilklage wegen angeblichen Geheimnisverrats eingereicht, die sich aber kaum auf belastbare Fakten stützte. Insolvenzverwalter Michael Jaffé will die Klage voraussichtlich nicht weiterverfolgen.

    Wirecard hatte im Juni Insolvenz angemeldet, nachdem Wirtschaftsprüfer 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf Konten in Asien liegen sollten, nicht auffinden konnten. Als einer der Hintermänner des Betrugs gilt der flüchtige Asienvorstand Jan Marsalek, der auch der Hauptverantwortliche für das Vorgehen gegen die FT gewesen sein soll.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Regierung will schärfere Regeln für Aktiengeschäfte von Bafin-Mitarbeitern prüfen

    Startseite
    Mehr zu: Zahlungsdienstleister - Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen „FT“-Journalisten zu Wirecard-Berichten ein
    0 Kommentare zu "Zahlungsdienstleister: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen „FT“-Journalisten zu Wirecard-Berichten ein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%