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Zahlungsdienstleister Wirecard reagiert auf Manipulationsvorwürfe und versucht den Befreiungsschlag

Einen Tag nach dem Bericht der „Financial Times“ geht Wirecard mit einem Statement an die Öffentlichkeit und weist die Vorwürfe entschieden zurück.
16.10.2019 - 12:00 Uhr Kommentieren
Wirecard weist Vorwürfe der FT zurück und versucht Befreiungsschlag Quelle: imago images / Sven Simon
Wirecard-Zentrale

In der kommenden Woche ist Konzernkreisen zufolge eine Telefonkonferenz mit Analysten und dem Wirtschaftsprüfer angesetzt.

(Foto: imago images / Sven Simon)

München Mit einem Tag Verzögerung hat sich Wirecard in einem Statement zu den erheblichen Vorwürfen geäußert, die am Dienstag in der „Financial Times“ geäußert wurden. Diese hatten zu einem Absturz der Wirecard-Aktie um zeitweise mehr als 20 Prozent geführt. In dem Statement versucht der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München für Aufklärung zu sorgen und die Dinge aus seiner Sicht klarzustellen.

Die „Financial Times“ hatte am Vortag berichtet, dass im Jahr 2016 rund die Hälfte des von Wirecard in diesem Jahr erzielten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) über ein Partnerunternehmen aus Dubai namens Al Alam erzielt worden seien. Daraufhin kontaktierte die Wirtschaftszeitung 34 wichtige Kunden, deren Geschäfte über die Plattform dieses Wirecard-Partners abgewickelt wurden.

Diese Recherchen ergaben, dass fast die Hälfte den Namen Al Alam nie gehört haben, andere sich nicht äußerten oder nicht mehr auffindbar sind. Wirecards Tochter in Dubai mit dem Namen Card Systems Middle East, die den Kontakt zu Al Alam gehalten habe, soll angeblich nur einen einzigen Angestellten haben. Trotzdem liefen hierüber jeden Monat Transaktionen im dreistelligen Millionenbereich.

Wirecard selbst wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Die mehr als 300.000 Vertragskunden von Wirecard seien alle mit der eigenen Technologie-Plattform verbunden, heißt es da. Alle Umsätze und Erträge, die Wirecard in seiner Bilanz nenne, bezögen sich somit auf die Dienstleistungen, die über diese Plattform bereitgestellt würden.

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    „Die Wirecard-Tochtergesellschaften in Dubai, Card Systems Middle East FZ LLC und Wirecard Processing FZ LLC, beschäftigen beinahe 200 Mitarbeiter und bilden eine der globalen Produkt- und Dienstleistungszentren von Wirecard, die lokale Rechenzentren betreiben und vertragliche Vereinbarungen mit Kunden und verschiedenen Partnern haben“, heißt es in der Erklärung wörtlich.

    Im vergangenen Geschäftsjahr sind so angeblich knapp 32 Prozent des weltweiten Umsatzes über Kunden geflossen, die über die Rechenzentren in Dubai vertraglich gebunden sind. Die beiden Töchter in Dubai würden auch im Rahmen der Konzernprüfung durch den langjährigen Wirtschaftsprüfer EY geprüft.

    Grafik

    Wirecard versuchte am Mittwoch zudem, sein komplexes und für Außenstehende oftmals schwer verständliche Geschäftsmodell weiter zu erklären. Demnach wird weltweit knapp die Hälfte der Transaktionsvolumina mit mehr als hundert Partnern abgewickelt.

    Das gilt in der Regel für Länder, in denen Wirecard keine eigene Zulassung zur Abwicklung von Zahlungen besitzt. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Länder in Nord- und Südamerika, im Nahen Osten, Afrika und Asien. In früheren Erklärungen war von einem Anteil von 48 Prozent am Gesamtvolumen die Rede, den das Geschäft mit Partnern ausmacht.

    Das größte Volumen, das mit einem einzelnen Partner im vergangenen Jahr abgewickelt wurde, lag bei zwölf Prozent des Transaktionsvolumens von Wirecard.

    Der knappe Mehrheitsanteil des Transaktionsvolumens komme aus Ländern, in denen Wirecard über eigene Lizenzen verfügt. Künftig soll dieser Anteil ausgebaut werden, ist bereits seit geraumer Zeit aus dem Unternehmen zu hören.

    Finanzchef Alexander von Knoop betonte in der Vergangenheit mehrmals, dass man in Zukunft nicht mehr die Marge bei der Zahlungsabwicklung mit einem Partner teilen wolle und sich deswegen verstärkt um eigene Lizenzen in den Ländern bemüht, in denen das bisher nicht der Fall ist.

    „Üblicher Ansatz“ der Branche

    Der in der „Financial Times“ angesprochene Partner Al Alam sei einer von mehreren unabhängigen Partnern, mit denen Wirecard in den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammenarbeite. Dabei handle es sich um ein mittelständisches Unternehmen für Zahlungstechnologie und -dienstleistungen mit Zugang zu vielen Zahlungsmethoden. „Diese Partner sind oft im Hintergrund aktiv, ein in der Branche üblicher Ansatz“, heißt es in der Mitteilung vom Mittwoch wörtlich.

    Auch zu den 34 Kundennamen, die in der „Financial Times“ genannt wurden, bietet Wirecard eine überraschende Erklärung. Dabei handele es sich gar nicht um die Namen echter Einzelhändler.

    Stattdessen würden sich dahinter so genannte „Kundencluster“ verbergen, die für Reporting- und Abstimmungszwecke erstellt wurden. Die wiederum würden jeweils Hunderte echte Einzelhändler enthalten.

    Zudem äußerte sich erstmals der langjährige Wirtschaftsprüfer Ernst & Young GmbH öffentlich. Er bestätigte, dass in den Bilanzen von Wirecard alle gesetzlichen und fachlichen Anforderungen vollständig erfüllt wurden und werden.

    Die Wirecard-Aktie konnte sich nach einem Minus von 12,8 Prozent am Dienstag zum Handelsende am Mittwochvormittag nur leicht erholen. Sie stand am Mittag 1,4 Prozent im Plus. Davor kam es bei hohen Umsätzen zu größeren Kurssprüngen, weshalb der Handel mehrfach angehalten wurde.

    In der kommenden Woche soll es Konzernkreisen zufolge eine Telefonkonferenz mit Analysten und den Wirtschaftsprüfern geben, in denen die Vorwürfe der britischen Wirtschaftszeitung mit weiterem Material entkräftet werden sollen.

    Mehr: Hat eine Wirecard-Partnerfirma Kundenbeziehungen erfunden? Der Verdacht belastet den Aktienkurs. Der Konzern spricht von „irreführenden Behauptungen“.

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