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Zahlungsdienstleister Wirecard verkauft das Geschäft mit Kartenlesegeräten an Unzer

Der Heidelberger Zahlungsdienstleister Unzer, der bis vor Kurzem unter dem Namen „Heidelpay“ auftrat, erwirbt rund 4000 Kartenterminals. Auch Wirecard-Mitarbeiter sind zu Unzer gewechselt.
19.10.2020 Update: 19.10.2020 - 17:19 Uhr Kommentieren
Der Zahlungsdienstleister Unzer aus Heidelberg übernimmt das Geschäft mit rund 4000 Kartenterminals von Wirecard. Quelle: ddp images/Sven Simon
Der insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard

Der Zahlungsdienstleister Unzer aus Heidelberg übernimmt das Geschäft mit rund 4000 Kartenterminals von Wirecard.

(Foto: ddp images/Sven Simon)

Frankfurt Der Verkauf von kleineren Teilen des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard setzt sich fort. Das Geschäft mit Kartenlesegeräten kauft die Heidelberger Zahlungsfirma Unzer, die bis vor Kurzem Heidelpay hieß. Unzer-Chef Mirko Hüllemann sagte dem Handelsblatt: „Wir gehen davon aus, dass wir damit rund 2500 Händler und 4000 Kartenterminals übernehmen.“

Dabei geht es um das Geschäft der Wirecard Retail Services GmbH. Unzer kauft den Bestand an sogenannten Point-of-Sales-Terminals, übernimmt aber nicht die Gesellschaft. Zum Kaufpreis wollte Unzer sich nicht äußern. Laut Philip Heinke, Insolvenzverwalter der Wirecard Retail Services, übernimmt Unzer das Geschäft rückwirkend zum 1. Oktober.

Der Deal ist ein weiterer Erfolg für die Wirecard-Insolvenzverwalter. Ihnen ist inzwischen mehrfach der Verkauf von Einzelteilen des Skandalunternehmens gelungen. Ende September wurden alle Aktien der Wirecard Romania SA an den portugiesischen Zahlungsdienstleister SIBS verkauft. Kurz zuvor war bereits die Österreich-Tochter von Wirecard veräußert worden. Käufer ist die Frankfurter Private-Equity-Gesellschaft Aurin, der Preis liegt bei knapp vier Millionen Euro.

Unzer, das mehrheitlich dem US-Finanzinvestor KKR gehört, hat sich kräftiges Wachstum zum Ziel gesetzt und zuletzt mehrere kleine Konkurrenten erworben. Hüllemann sagte dazu: „Wir wollen Wachstum, auch über Zukäufe. Wir übernehmen kleinere Wettbewerber und Spezialanbieter, um eine gewisse Größe zu erreichen.“ Größe spiele für Zahlungsdienstleister eine wichtige Rolle.

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    KKR war im August 2019 bei Unzer eingestiegen. Der Zahlungsdienstleister hat seitdem bereits mehrere Firmen aus der Branche übernommen. Ende September gab das Unternehmen bekannt, dass es sich von Heidelpay in Unzer umbenennt und unter der neuen Marke auch die meisten Zukäufe zusammenführen will. Hüllemann gab damals das Ziel aus, dass Unzer mittelfristig, binnen drei bis fünf Jahren, zu den drei führenden Zahlungsdienstleistern in Europa gehören wolle.

    Zahlungsdienstleister Unzer strebt nach mehr Marktanteilen

    Das allerdings ist ambitioniert. Der Markt gilt als stark umkämpft. Zwar bezahlen immer mehr Menschen bargeldlos, sie kaufen zunehmend per Internet ein und bezahlen ihre Einkäufe mit Karte oder Smartphone. Die Coronakrise treibt diesen Trend noch an. Doch die Margen sind gering, Zahlungsdienstleister erhalten nur einen kleinen Teil der transferierten Umsätze.

    Daher streben alle Zahlungsdienstleister nach Größe. Wenn ihre Systeme erst einmal etabliert sind, kostet die Abwicklung zusätzlicher Millionenumsätze praktisch nichts. Um dennoch Profit zu machen und Geld für Innovationen zu haben, brauchen sie einen hohen Marktanteil.

    Grafik

    An der Spitze positionieren sich mit Abstand Worldline aus Frankreich und der niederländische Wettbewerber Adyen. Während Adyen im Wesentlichen von Zukäufen absieht, hat Worldline bereits mehrfach kleinere Konkurrenten übernommen. Derzeit steht Worldline kurz vor der Integration von Ingenico.

    Ingenico, ebenfalls aus Frankreich, hat auf dem deutschen Markt ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Sparkassen namens Payone gestartet. In Deutschland zählt daneben Computop zu den etablierten Online-Zahlungsdienstleistern. Auch Stripe aus den USA gewinnt Kunden. Obendrein drängen einige Banken wieder in das Geschäft, das sie lange vernachlässigt haben.

    Zudem zeichnet sich eine weitere Konsolidierung des europäischen Marktes ab. Vor wenigen Tagen haben die beiden italienischen Zahlungsdienstleister Nexi und Sia ihre Fusionspläne kundgetan. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat Nexi daneben ein unverbindliches Angebot für den dänischen Zahlungsdienstleister Nets gemacht. Auch Nets ist in der Hand von Private-Equity-Firmen. Zu dem Konzern gehört auch Concardis, ein Payment-Unternehmen, an dem ehemals eine Gruppe deutscher Banken beteiligt war.

    Wirecard-Mitarbeiter: Rund 100 wechseln zu Unzer

    Im Zuge des Wirecard-Niedergangs hat Unzer inzwischen auch rund 100 frühere Wirecard-Mitarbeiter übernommen. 80 Ex-Mitarbeiter von Wirecard hatte Unzer bereits angeheuert. Durch die Übernahme der Kartenterminals kommen 21 dazu. „Es geht um Experten für Marketing, Vertrieb, Produktmanagement sowie Technik. Sie sind fast komplett an unserem Standort München“, sagte Hüllemann. Unzer hatte den Standort erst im vergangenen Monat eröffnet.

    Durch die Übernahme der Wirecard-Mitarbeiter wolle man allerdings keine sogenannten Hochrisikokunden gewinnen, erklärte Hüllemann weiter. Als „Hochrisikokunden“ werden in der Branche Kunden aus den Segmenten Online-Glücksspiel, Online-Gaming und Online-Pornografie sowie Online-Trading bezeichnet. Wirecard hatte vergleichsweise viele Kunden aus diesen Bereichen. „Wir haben gar keine Glücksspielkunden“, sagte der Unzer-Chef. Auch Kunden aus den anderen drei Segmenten seien „nicht unser Fokus“. Details zu Anteilen am Transaktionsvolumen nannte er nicht.

    Wie sehr das Wirecard-Geschäft bereits gelitten hat, wird an dem Verkauf des Terminal-Geschäfts deutlich. Unzer zufolge hatte Wirecard vor der Pleite Ende Juni bei der Wirecard Retail Services GmbH noch 4000 Händler und 6000 Terminals – inzwischen ist die Zahl um etwa ein Drittel geschrumpft.

    Für Unzer ist der Zukauf im stationären Geschäft durchaus bedeutend. Das Unternehmen hat derzeit rund 23.000 stationäre Händler als Kunden, die etwa 30.000 Terminals betreiben. Es hatte erst im dritten Quartal zwei weitere Terminal-Anbieter erworben, Kulam und Paydiscount. Daneben bedient Unzer rund 12.000 Onlinehändler als Kunden, darunter das Immobilienportal Immobilienscout24 und den Elektronikhändler Alternate.

    Mehr: Die Wirecard-Pleite sorgt für Chaos in Singapur

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