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Zahlungsdienstleister Wirecard verschiebt zum dritten Mal Vorlage des Konzernabschlusses

Der Konzern will seine Bilanz für 2019 nun am 18. Juni präsentieren. Die Verschiebung zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen Unternehmen und Prüfern ist.
25.05.2020 Update: 26.05.2020 - 10:31 Uhr Kommentieren
Es ist nicht das erste Mal, dass der Dax-Konzern seinen Konzernabschluss verschiebt. Quelle: Reuters
Wirecard-Vorstandschef Markus Braun

Es ist nicht das erste Mal, dass der Dax-Konzern seinen Konzernabschluss verschiebt.

(Foto: Reuters)

München Bereits zum dritten Mal muss der Zahlungsdienstleister Wirecard die Vorlage seiner Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr verschieben. Nach dem ursprünglich anvisierten Veröffentlichungstermin am 8. April, der schon im März auf den 30. April und dann auf den 4. Juni verschoben wurde, lässt sich auch dieser Termin nicht halten.

Stattdessen peilt der Zahlungsdienstleister nun den 18. Juni an. Am späten Montagabend begründete das Unternehmen den Schritt damit, dass der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young bis Anfang Juni nicht alle Prüfungen abschließen könne.

Das Unternehmen erwartet aber weiter ein uneingeschränktes Testat und keine wesentlichen Abweichungen zu den bereits veröffentlichten vorläufigen Zahlen. Hier hatte das Unternehmen bereits Mitte Februar ein Umsatzplus von 38 Prozent gegenüber 2018 auf 2,8 Milliarden Euro gemeldet. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war demnach um 40 Prozent auf 785 Millionen Euro angewachsen.

Wirecard selbst bedauerte den Schritt: „Die erneute Verzögerung bei der Vorlage eines testierten Abschlusses ist mehr als ärgerlich – mit oder ohne Covid-19. Ich gehe davon aus, dass sich keine wesentlichen Abweichungen dieses sehr intensiv geprüften Abschlusses gegenüber den gemeldeten vorläufigen Zahlen ergeben“, sagte Finanzvorstand Alexander von Knoop. Der groß gewachsene Finanzexperte mit dem stets aristokratisch wirkenden Auftreten hatte Anfang Mai im Haus die Kommunikation mit den Finanzmärkten übernommen.

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    Zuvor war Vorstandschef Markus Braun dafür zuständig, der jedoch angesichts der misslichen Lage oftmals nicht den richtigen Ton im Umgang mit den Investoren fand. Immerhin habe EY den Zahlungsdienstleister darüber informiert, so von Knoop nun, dass zwischenzeitlich alle ausländischen Prüfer grundsätzlich ihre Prüfungshandlungen abschließen konnten.

    Die Aktienmärkte reagierten am Dienstagmorgen nur wenig geschockt. Im frühen Handel verlor die Wirecard-Aktie rund zwei Prozent. Noch am Montag hatte sie um 4,6 Prozent zugelegt. Zum Verlust am Dienstag trug auch die Verschiebung der Hauptversammlung, die bisher für den 2. Juli geplant war, um fast zwei Monate auf den 26. August bei. Man hoffe wohl, dass viele Aktionäre dann in den Ferien seien und es deswegen weniger turbulent zugehen werde als erwartet, hieß es in einer ersten Reaktion am Dienstagmorgen bei einem Händler.

    Da sich Bund und Länder Anfang Mai darauf verständigt haben, dass bis zum 31. August keine Großveranstaltungen stattfinden dürfen, wird das Aktionärstreffen von Wirecard in diesem Jahr voraussichtlich virtuell via Internet stattfinden. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 2000 Aktionäre in den Münchener Messehallen zusammen. Konzerne, die in der deutschen Rechtsform als Aktiengesellschaft firmieren, haben bis Ende August Zeit, ihre Hauptversammlung abzuhalten. Die europäische Rechtsform als SE, die beispielsweise für die Allianz gilt, schreibt einen Termin bis Ende Juni vor.

    Druck auf Ernst & Young

    Die neuerliche Verschiebung verdeutlicht auch den Druck, der inzwischen auf dem langjährigen Wirtschaftsprüfer EY liegt. Der prüft seit mehr als einem Jahrzehnt die Bilanzen von Wirecard und hatte dabei stets ein Testat erteilt. Mit dem Bericht der siebenmonatigen Sonderprüfung durch den Wettbewerber KPMG kam Ende April jedoch vieles an die Öffentlichkeit, was in dieser Deutlichkeit zuvor nicht bekannt war.

    Nach einer Reihe von kritischen Berichten in der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ hatte sich das Unternehmen dazu entschlossen, die Bilanzen der Jahre 2016 bis 2018 noch einmal untersuchen zu lassen. Belastende Vorwürfe wurden darin zwar nicht gefunden, viele Zweifel blieben allerdings. Auch waren die Bedenken am Aktienmarkt anschließend größer als zuvor. Die Aktie verlor am Tag der Veröffentlichung des Berichts Ende April um mehr als ein Viertel an Wert.

    Denn anders als Wirecard-Chef Braun, der durch die Sonderprüfung keinen der Vorwürfe bestätigt sah, urteilten die KPMG-Prüfer in vielen Teilen hart. Und stellten dabei sogar die Gesamtaussage des Berichts infrage. Hinsichtlich der Höhe und der Existenz von Umsatzerlösen zwischen Drittpartnern und den Wirecard-Töchter in Dubai und in Irland sowie Wirecard Technologies könne KPMG für den Untersuchungszeitraum von 2016 bis 2018 keine Aussage treffen, ob die Umsatzerlöse existieren und der Höhe nach korrekt sind. „Insoweit liegt ein Untersuchungshemmnis vor“, schrieben die Prüfer wörtlich.

    Zwei wesentliche Gründe machten sie dafür verantwortlich: Zum einen stellten sie Mängel in der internen Organisation fest. Hinzu kam aber auch die mangelnde Bereitschaft von Drittpartnern, umfassend mitzuarbeiten. Transaktionsdaten für den Untersuchungszeitraum 2016 bis 2018 fehlten deshalb ebenso wie Verträge zwischen den Drittpartnern und Händlern sowie Kontoauszüge und Bankbestätigungen und Treuhandkonten.

    Unter Beobachtern des Konzerns wurde anschließend auch das Agieren des langjährigen Konzernabschlussprüfers EY diskutiert, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. „KPMG hat Grundfragen der internen Prozesse und der Wirecard-Rechnungslegung gerügt. Ich frage mich, warum EY diese Probleme nicht stärker thematisiert hat“, sagt ein ranghoher Investmentbanker.

    Angespanntes Verhältnis

    Dass das Verhältnis zwischen dem Sonderprüfer KPMG und dem langjährigen regulären Prüfer EY ebenfalls angespannt war, verdeutlichen Auszüge aus dem 74-seitigen KPMG-Bericht. So lieferte EY den Kollegen am 23. April noch Unterlagen. Ursprünglich wollte Wirecard den Bericht am 22. April veröffentlichen und meldete erst an diesem Abend die Verschiebung um wenige Tage.

    Wie genau das Geschäft des Zahlungsabwicklers überhaupt zu durchleuchten ist, bleibt zweifelhaft. Immerhin laufen bei Wirecard pro Monat rund 200 Millionen Datensätze auf, bei weit über 80 Prozent der mehr als 300.000 Kunden weltweit handelt es sich um kleine Händler und Dienstleister. Zudem läuft knapp die Hälfte des Geschäfts über sogenannte Drittpartner ab. Sie haben sich auch bei der Sonderprüfung von KPMG oftmals nicht sonderlich kooperativ gezeigt.

    Der neue Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann hat deshalb bereits angekündigt, dass sich Wirecard zunehmend um eigene Lizenzen in den Ländern bemüht, in denen bisher Drittpartner für den Dax-Konzern tätig waren. Auch sollen die Partnerschaften generell überprüft werden.

    Gerade weil der Druck der Finanzmärkte in den vergangenen Wochen so groß geworden ist, versucht das Unternehmen nun eine Transparenzoffensive. Im vergangenen Jahr wurde dort die eigene Plattform Elastic Engine auch für das Geschäft mit Drittpartnern erweitert. Wirecard hält so die Daten mit den Drittpartnern inzwischen auf eigenen Systemen vor, die bisher nur dort gelagert waren.

    Dass EY auch in Zukunft die Bilanzen von Wirecard prüft, halten Beobachter für unwahrscheinlich. Das Mandat für das laufende Geschäftsjahr hatte Wirecard im April im Bundesanzeiger neu ausgeschrieben. „Alle Bewerber werden die gleiche Chance haben, und am Ende werden wir der Hauptversammlung einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten“, sagte Aufsichtsratschef Eichelmann Ende April im Interview mit dem Handelsblatt. Wegen der verschobenen Hauptversammlung müssen Aktionäre darauf jetzt zwei Monate länger warten.

    Mehr: Um keinen anderen Dax-Titel ringen Gegner und Befürworter so intensiv wie um die Wirecard-Aktie. Jetzt warten alle auf die endgültigen Gewinnzahlen.

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