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Zahlungsverhalten Kreditkartenanbieter Mastercard rechnet mit monatelanger Flaute

Mastercard erwartet, dass die Transaktionen frühestens zum Jahresende Vorkrisenniveau erreichen. Auch Visa spürt die Zurückhaltung der Verbraucher.
13.05.2020 - 12:29 Uhr Kommentieren
Corona: Kreditkartenanbieter Mastercard rechnet mit langer Flaute Quelle: Bloomberg
Werbung für eine Mastercard-Kreditkarte

Der Kreditkartenanbieter rechnet angesichts der Coronakrise mit weniger Transaktionen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Der US-Kreditkartenanbieter Mastercard geht davon aus, dass sich Verbraucher angesichts der Coronakrise für etliche Monate zurückhalten. Mit Blick auf die Transaktionszahlen sagte der künftige Europachef Mark Barnett: „Wir erwarten, dass sich die Normalisierung bis in das vierte Quartal zieht.“

Das Niveau von vor der Krise werde man erst wieder gegen Ende dieses Jahres oder Anfang kommenden Jahres erreichen, sagte er dem Handelsblatt. Barnett übernimmt die neue Position zum 1. Juni.

Bereits ab Ende Februar seien die Umsätze bei grenzüberschreitenden Zahlungen abgesackt, also vor allem für Reisen und Flüge. „Mit dem Start des Lockdowns in verschiedenen Ländern sind die Zahlungen an der Ladenkasse zudem deutlich gesunken“, sagte Barnett, der seit 2003 für Mastercard arbeitet und zuletzt unter anderem für das Geschäft in Großbritannien zuständig war.

Mastercard wie auch der Wettbewerber Visa haben in den ersten drei Monaten 2020 zwar den Gewinn gesteigert. Die beiden börsennotierten Konzerne zeigten sich bei der Präsentation der Zahlen vor einigen Tagen jedoch vorsichtig. So setzt Mastercard Aktienrückkäufe zeitweise aus. Visa-Chef Alfred Kelly geht von einigen herausfordernden Quartalen aus, die vor dem Unternehmen lägen. Im März seien Transaktionszahlen und Volumina deutlich gesunken.

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    Gerade in ihrem Heimatmarkt, den USA, wo Kreditkarten viel verbreiteter sind als in Deutschland, dürften viele Menschen für längere Zeit deutlich weniger Geld ausgeben. Schließlich liegt die Zahl der arbeitslosen Amerikaner bereits bei mehr als 33 Millionen. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen sind seit Jahresbeginn zwar gefallen, aber deutlich weniger als der US-Leitindex S&P 500.

    Deutschland gilt als schwieriger Markt

    Verbraucher in Deutschland zahlen traditionell viel mit Bargeld. Zudem ist die Girocard als Bankkarte, besser bekannt unter ihrem alten Namen „EC-Karte“, mit mehr 100 Millionen Stück in Umlauf stark verbreitet. Kreditkarten gibt es deutlich weniger. In einer Bundesbank-Erhebung aus dem Jahr 2017 gaben 36 Prozent der Verbraucher an, dass sie eine Kreditkarte besitzen.

    An der Ladenkasse nutzten sie aber die Kreditkarte nur für weniger als zwei Prozent der Transaktionen, gemessen am Umsatz lag der Anteil etwas höher. Beim Onlineshopping waren zuletzt Kauf auf Rechnung, der Online-Bezahldienst Paypal und Lastschrift beliebter als Kreditkarten, wie das Handelsforschungsinstitut EHI ermittelte.

    In der Coronakrise allerdings nimmt die Bargeldliebe wegen Hygienebedenken ab. Die meisten Kunden dürften aber auch jetzt eher zur Girocard greifen.

    Daher gilt der deutsche Markt als schwierig für Kreditkartenfirmen. Barnett sagte: „Wir wollen vor allem eine Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten anbieten.“ Kreditkarten böten den Vorteil, dass man damit weltweit zahlen könne und auf verschiedenen Kanälen – sowohl online als auch an der Ladenkasse mit Karte oder Smartphone. So kann man Kreditkarten in verschiedenen Bezahl-Apps für das Smartphone hinterlegen.

    Grafik

    Mastercard und Visa geben Karten nicht selbst aus, sondern die jeweiligen Kreditinstitute. Die Banken erhalten je Bezahlung mit Giro- oder Kreditkarte eine Gebühr vom Händler, das sogenannte Händlerentgelt. Mastercard wiederum kassiert von den Banken Gebühren für die Nutzung des Systems.

    Profitieren könnten Mastercard und Visa aber wie andere Zahlungsdienstleister davon, dass Kunden angesichts der Corona-Pandemie mehr online einkaufen als bisher. Man erkenne zwei starke Entwicklungen, so Barnett. „Es gibt weltweit einen Zuwachs im E-Commerce und bei Onlinezahlungen.“ Zudem werde an der Ladenkasse immer mehr kontaktlos gezahlt, das gelte für alle europäischen Länder.

    Mastercard vertreibt in Deutschland aber zusehends auch sogenannte Debit-Mastercards. Dabei wird das Geld anders als bei Kreditkarten direkt vom Konto des Kunden abgebucht und nicht wie bei einer Kreditkarte mit Zeitverzögerung. Derzeit bieten laut Mastercard rund 190 Kreditinstitute solche Debitkarten an.

    Mastercard und Visa sind Partner europäischer Banken. Das Verhältnis ist zugleich ambivalent: Die Geldhäuser sind bei grenzüberschreitenden Zahlungen sogar abhängig von den beiden Unternehmen. So kann man mit der Girocard und anderen nationalen Bankkarten nicht im Ausland bezahlen. Solche Transaktionen laufen über die Mastercard- und Visasysteme, Maestro und V-Pay.

    In einigen europäischen Ländern basieren die nationalen Zahlungssysteme bereits auf der Technik der beiden Konzerne. Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz sagte kürzlich: „Allein über die Netze von Mastercard und Visa laufen mehr als zwei Drittel der europäischen Kartentransaktionen.“

    Vor diesem Hintergrund wurde im vergangenen Jahr bekannt, dass 20 große Banken ausloten wollen, ob und wie sie ein europäisches Zahlungssystem auf die Beine stellen. Banken aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden und Italien hatten sich der Initiative namens Peps (Pan European Payment System) angeschlossen.

    Mastercard wirbt um erneute Fristverlängerung für strengere Sicherheitsprüfung

    Angesichts der Corona-Pandemie wirbt Mastercard darum, den Start der strengeren Sicherheitsprüfungen bei Online-Kredikartenzahlungen, der sogenannten starken Kundenauthentifizierung, erneut zu verschieben. „Die Coronakrise verändert sehr viel. Die Einzelhändler tun gerade alles, um ihr Geschäft am Leben zu halten. Die Umsetzung neuer Vorgaben ist vermutlich derzeit nicht ihr Fokus“, sagte Barnett. „Daher glauben wir, dass die Behörden weitere Maßnahmen in Betracht ziehen und die Frist um mindestens sechs Monate verlängern sollten, um einen reibungslosen Übergang zur starken Kundenauthentifizierung zu ermöglichen und diesen in allen EU-Mitgliedstaaten einheitlich zu gestalten“.

    Eigentlich sollte die starke Kundenauthentifizierung, auch Zwei-Faktor-Authentifizierung genannt, in der EU längst komplett in Kraft getreten sein, sie ist Teil der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2. Unter anderem soll sie Onlinezahlungen sicherer machen, im Fall von Kreditkarten dürften viele Verbraucher die neuen Regeln jedoch auch als komplizierter betrachten. Nationale Aufsichtsbehörden hatten die Frist für den Handel aber im vergangenen Herbst verlängert, in Deutschland bis Ende 2020.

    Die starke Kundenauthentifizierung schreibt vor, dass Kunden Onlinezahlungen noch einmal extra bestätigen müssen – zum Beispiel mit einer TAN-Nummer oder mit einem Fingerabdruck am Smartphone. Betroffen davon sind in erster Linie Zahlungen per Kreditkarte. Für das Bezahlen per Lastschrift gibt es keine Änderungen. Auch für Verbraucher, die beim Bezahldienst Paypal das Bankkonto hinterlegt haben, und für Nutzer etwa von Paydirekt ändert sich nichts.

    Barnett betonte, dass Mastercard grundsätzlich für die neuen Vorgaben ist: „Verbraucher werden es letztlich schätzen, weil es die Sicherheit erhöht und sie sich nicht mehr Dutzende Passwörter merken müssen.“ Sobald die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgesetzt sei, könnten die Betrugsraten eingedämmt werden.

    Im Nachgang zum Datenleck beim Bonusprogramm „Priceless Specials“, das deutsche Kunden im vergangenen Jahr betraf, kann Mastercard noch immer keinen Neustart verkündigen. Eine Sprecherin sagte dazu: „Das Bonusprogramm ist derzeit ausgesetzt, und wir prüfen, ob wir dieses weiter fortsetzen.“

    Vor rund acht Monaten war Mastercard in die Schlagzeilen geraten, weil bei „Priceless Specials“ Daten von 90.000 Nutzern im Internet aufgetaucht waren. Es ging um Namen und E-Mail-Adressen, die sich vollständigen Kreditkartennummern zuordnen ließen. Mastercard hatte damals „Drittanbieter“ für das Leck verantwortlich gemacht.

    Mehr: Warum einige Zahlungsdienstleister der Coronakrise trotzen können.

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