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Zahlungsverkehr Konto, Bank- und Zahlungsservice aus einer Hand: Deutsche Bank verbündet sich mit US-Paymentriese Fiserv

Mit einem Joint Venture will die Bank Marktanteile im Zahlungsgeschäft gewinnen – und erhofft sich davon einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
21.06.2021 - 10:40 Uhr Kommentieren
Das Geldhaus erhofft sich aus dem Joint Venture mit Fiserv einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Quelle: dpa
Zentrale der Deutschen Bank

Das Geldhaus erhofft sich aus dem Joint Venture mit Fiserv einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Bank verbündet sich im Geschäft mit Zahlungsabwicklungen mit einem der großen internationalen Payment-Konzerne. Die Deutsche Bank und der US-Zahlungsdienstleister Fiserv starten ein Gemeinschaftsunternehmen in Deutschland, wie sie am Montag ankündigten. Das größte deutsche Geldhaus will damit auf dem heimischen Markt in der Zahlungsabwicklung für Geschäftskunden sowie kleine und mittelgroße Firmen Fuß fassen.

Das Joint Venture will den kleinen und mittelgroßen Unternehmenskunden Konten, Bank- und Zahlungsdienstleistungen aus einer Hand anbieten. „Das bedeutet für sie geringere Kosten und weniger Komplexität“, sagte Stefan Hoops, der Chef der Firmenkundensparte der Deutschen Bank. Kein anderer Wettbewerber verfüge über so ein umfassendes Angebot, ist Hoops überzeugt. „Das ist eine einzigartige Kombination im Markt“, sagte auch John Gibbons, verantwortlich bei Fiserv für die Regionen Europa, Nahost und Afrika.

In der neuen Strategie im Zahlungsverkehr der Unternehmenskundensparte soll das Gemeinschaftsunternehmen ein wichtiger Baustein werden: Die Bank will unter anderem die Einnahmen aus Bereichen wie Plattformen, Finanz-Start-ups und E-Commerce von bislang rund 100 Millionen Euro bis 2022 auf 200 Millionen Euro verdoppeln. Noch in diesem Jahr will das Institut Zahlungen im Umfang von einer Milliarde Euro abwickeln.

„Das Gemeinschaftsunternehmen steht in etwa für die Hälfte der neuen Strategie, weil wir darüber einen großen Teil der Zielgruppe ansprechen“, sagte Kilian Thalhammer, der für die Deutsche Bank das Geschäftsfeld Merchant Solutions verantwortet, dem Handelsblatt. Das würde bedeuten, dass sich die Deutsche Bank Erträge im mittleren zweistelligen Millionenbereich erhofft und Transaktionen im Umfang von einer halben Milliarde Euro abwickeln will.

Für die Unternehmenskundensparte der Deutschen Bank ist ein Erfolg der neuen Initiativen wichtig. Das Zinsumfeld setzt den Erträgen der Sparte zu. Die neuen Geschäftsideen im Zahlungsverkehr haben bislang noch keine messbaren Erfolge erzielt.

Der Firmenkundensparte setzt das Niedrigzinsumfeld zu. Unternehmensbankchef Hoops hofft auf mehr Erträge aus dem Zahlungsverkehr. Quelle: Bloomberg
Unternehmenskundenchef Stefan Hoops

Der Firmenkundensparte setzt das Niedrigzinsumfeld zu. Unternehmensbankchef Hoops hofft auf mehr Erträge aus dem Zahlungsverkehr.

(Foto: Bloomberg)

Mit dem Gemeinschaftsunternehmen will das Geldhaus unter anderem wieder in großem Stil in das lange vernachlässigte Geschäft mit Zahlungsabwicklungen für Händler und andere Firmenkunden einsteigen. Während die Bank größere Kunden weiterhin selbst bedienen will, soll sich das Joint Venture in erster Linie um Geschäftskunden wie Handwerker, Freiberufler bis hin zu mittelgroßen Unternehmen kümmern. Geplant sind nicht nur Zahlungslösungen für den stationären Handel, sondern bis Ende dieses Jahres auch für den E-Commerce.

Die Deutsche Bank hatte bereits im vergangenen Jahr mit der Fiserv-Tochter First Data kooperiert und ihren Kunden deren Kartenterminals vermittelt. Dafür erhielt das Geldhaus eine Provision. Künftig arbeitet das Geldhaus direkt mit Fiserv. Parallel dazu bleibt First Data mit ihrer in Deutschland bekannten Marke Telecash weiterhin eigenständig aktiv. 

In das Joint Venture, dessen Name die Deutsche Bank noch nicht nennt, sollen alle First-Data-Kunden eingebracht werden, die ein Deutsche-Bank-Konto haben. Künftig würde die Deutsche Bank einen größeren Anteil an den Transaktionsgebühren erhalten, die die Kunden zahlen.

Vorteile für beide Seiten

Die Zusammenarbeit bringt der Deutschen Bank mehrere Vorteile: Zum einen muss sie nicht selbst das Geschäft mit Kartenlesegeräten aufbauen, das ist die Kernkompetenz, die Fiserv einbringt. Außerdem ist Fiserv besser darin, den nötigen Kundenservice für viele kleine Kunden im Akzeptanzgeschäft zu leisten. „Bei kleinen Kunden kommt es in hohem Maße auf Kosteneffizienz, Skalierbarkeit und Standardisierung an, damit es sich rentiert“, sagt Thalhammer. „Fiserv bringt auf diesem Gebiet eine hohe Erfahrung mit.“

Doch auch für Fiserv bietet die Kooperation Chancen – schließlich ist der Zahlungsriese allein auf Kartenlesegeräte spezialisiert und hat keine Erfahrungen etwa im E-Commerce. Das US-Unternehmen verspricht sich viel von der Kooperation. „Deutschland ist ein hochattraktiver Markt für uns, da wir den sich entwickelnden Bedürfnissen nach Zahlungslösungen der kleinen und mittelgroßen Firmen nachkommen wollen“, sagt Fiserv-Manager Gibbsons.

Der Markt für Online-Zahlungsabwicklungen ist durch den E-Commerce-Boom attraktiver denn je. Auch an der Ladenkasse zücken Verbraucher zusehends eine Karte oder ihr Smartphone. Beide Trends hat die Coronakrise noch einmal angetrieben. Vor allem die Abwicklung von Onlinezahlungen gilt als vielversprechend, weil Zahlungsdienstleister hier mehr Zusatzservices verkaufen können.

Allerdings dominieren bereits große Paymentfirmen diesen Markt. So ehrgeizig die Ziele im Geschäft mit der Zahlungsakzeptanz für die Deutsche Bank selbst sind, so bescheiden sind diese Volumina im Vergleich zu Platzhirschen wie dem aufstrebenden Paymentunternehmen Adyen, das 2020 ein Transaktionsvolumen von 300 Milliarden Euro abwickelte.

Hart umkämpftes Geschäft

Für Newcomer gilt der Einstieg in den Payment-Markt grundsätzlich als schwierig. Es geht um ein Massengeschäft, und es lohnt sich erst, wenn eine Payment-Firma das Transaktionsvolumen hochgefahren und sich einen gewissen Marktanteil erarbeitet hat. Denn je Transaktion erhalten Zahlungsabwickler nur einen Minianteil vom Händlerumsatz, die Margen sind gering. Daher ist das Geschäft auch hart umkämpft.

Die Deutsche Bank setzt darauf, dass sie den Kunden neben der reinen Zahlungslösung auch Zusatzprodukte verkaufen kann, etwa ein Geschäftskonto, einen Kredit oder internationale Geldtransfers. „Das Gemeinschaftsunternehmen will den Kunden vor allem Paketlösungen anbieten, zu denen neben dem Konto die nahtlose Integration weiterer Bankdienstleistungen wie beispielsweise die Akzeptanz von Fremdwährungen gehören sollen“, erläutert Thalhammer. Das neue Unternehmen soll sowohl die Bestandskunden versorgen, als auch neue Kunden gewinnen.

Die Deutsche Bank meint, dass der Anteil ihrer rund 800.000 kleinen und mittelgroßen Firmenkunden, für die Zahlungsdienstleistungen aus dem Joint Venture interessant sein könnten, im zweistelligen Prozentbereich liegt. Bereits ein niedriger zweistelliger Prozentsatz würde dem Gemeinschaftsunternehmen einen „signifikanten Marktanteil in Deutschland sichern“, heißt es in Finanzkreisen.

Thalhammer sieht Chancen darin, Händlern mehr Dienstleistungen zu bieten, als es bisher im Markt üblich ist. Dazu gehört zum Beispiel, eingegangene Zahlungen nicht nur einmal im Monat im Block weiterzuleiten. „Hat der Händler bei uns sein Konto, überweisen wir das Geld aus Kundentransaktionen täglich auf das Händlerkonto“, sagt er. Händler müssten dann außerdem nicht mehrere Verträge mit verschiedenen Zahlungsverkehrsanbietern schließen.

Für die Gemeinschaftsfirma soll eine dreistellige Zahl an Beschäftigten arbeiten. In großen Teilen sollen sie von der Deutschen Bank sowie Fiserv dorthin wechseln. Ebenso wenig wie den Firmennamen geben die beiden Unternehmen bekannt, wie viel sie jeweils in das Joint Venture investieren.

Mehr: Deutsche Bank will Zahlungskonzernen im E-Commerce Paroli bieten

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