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Bankenaufseher „Ich mag die Idee eines nationalen Champions nicht besonders“

Bankenkontrolleure wollen eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank nüchtern prüfen. Bankenchampions, egal ob deutsche oder europäische, sehen viele sogar kritisch.
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Die Finanzaufsicht der Deutschen Bundesbank betont ihre Neutralität. Quelle: dpa
Bundesbankzentrale in Frankfurt

Die Finanzaufsicht der Deutschen Bundesbank betont ihre Neutralität.

(Foto: dpa)

FrankfurtVon Fusionseuphorie ist rein gar nichts zu spüren – zumindest nicht bei der Finanzaufsicht. Die obersten Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bundesbank haben an diesem Dienstag deutlich gemacht, dass sie nationale oder europäische Bankenchampions nicht fördern wollen – im Gegensatz zur Politik. Vor zwei Tagen hatten die Deutsche Bank und die Commerzbank offiziell Sondierungsgespräche über eine Fusion angekündigt.

„Mir ist es heute und aus gegebenem Anlass wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir als Aufsicht bei Fragen von Zusammenschlüssen von Banken neutral sind“, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling bei einer Finanzkonferenz in Frankfurt. Die Aufsicht prüfe mögliche Zusammenschlüsse nüchtern. „Hier gibt es keinen Bonus, hier gibt es keinen Malus – und Champion ist keine aufsichtsrechtliche Kategorie.“

Die europäischen Bankenaufseher müssen die Zusammenschlüsse von Banken genehmigen. Sie prüfen unter anderem, ob einer Transaktion ein aussichtsreicher Geschäftsplan zugrunde liegt oder ob bilanzielle Sondereffekte beim Kapital anerkannt werden.

Auch der oberste europäische Bankenaufseher, Andrea Enria, macht klar, dass er nationale Champions nicht begünstigen will. „Ich mag die Idee eines nationalen, eines europäischen Champions nicht besonders“, sagte der Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht der „Financial Times“. Ein Bankenaufseher solle kein bestimmtes strukturelles Ergebnis fördern.

Enria plädierte für offene Märkte. Wenn es ausländische Banken oder ausländische Investoren gebe, die ihre Expertise und ihr Kapital mitbrächten, sollte das aus seiner Sicht überall willkommen sein.

Nach Einschätzung von Wuermeling ist Enria nicht grundsätzlich gegen nationale Bankenchampions, der Italiener könne mit der Begrifflichkeit aber wenig anfangen. Es sei nachvollziehbar, dass sich „europäisches Aufsichtshandeln nicht an nationalen strukturpolitischen Überlegungen orientiert“, erklärte Wuermeling.

Viele Politiker sind in Deckung gegangen

Die Bankenaufsicht sieht sich grundsätzlich nicht als Fusionstreiber. „Die Aufsicht kommt erst ins Spiel, sobald ein Plan an uns herangetragen wird“, sagte Wuermeling. Und am Ende entscheide die Aufsicht, ob ein Zusammenschluss genehmigt werde oder nicht.

„Wir haben dabei zu prüfen, ob ein Institut die regulatorischen Anforderungen erfüllt und auch perspektivisch erfüllen kann.“ Dazu brauche es ein tragfähiges und nachhaltiges Geschäftsmodell. „Die Annahmen und Projektionen in den vorgelegten Geschäftsplänen werden deshalb gründlich analysiert“, so der Bundesbank-Vorstand.

Mehrere Politiker hatten sich in den vergangenen Monaten für die Schaffung von großen und starken Banken ausgesprochen. Ihnen ist wichtig, dass es zumindest ein großes deutsches Institut gibt, das heimische Unternehmen bei Geschäften im Ausland und am Kapitalmarkt unterstützen kann.

Nach der Verkündung der Sondierungsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank gingen viele Politiker jedoch in Deckung und betonten, die Entscheidung über einen Zusammenschluss liege bei den Instituten.

„Ich bin ein großer Freund der Aussage, dass strategische Entscheidungen wie Bankfusionen von Bankvorständen und Aufsichtsräten gemacht werden und nicht von Politikern“, sagte Finanzstaatssekretär Jörg Kukies am Montag. Er machte sich für eine Stärkung der europäischen Banken- und Kapitalmarktunion stark.

Wenn es zu einer vertieften Integration komme, gäbe es auch geringere Hürden für grenzüberschreitende Fusionen und Geschäftsmodelle, erklärte Kukies. „Das sollte aber nicht im Vordergrund stehen.“ Am wichtigsten sei ihm, dass die Versorgung der Realwirtschaft mit Krediten und mit Kapitalmarktprodukten verbessert werde. „Das ist für mich die oberste Frage.“ Aus Sicht von Wuermeling wird die Konsolidierung in den kommenden Jahren ein Dauerbrenner bleiben. „Fusionen können ein wirkungsvolles Instrument sein, um hohe Verwaltungsaufwendungen aufzufangen.“

Seit 1991 ist die Zahl der Kreditinstitute in Deutschland von fast 4.500 auf rund 1.800 gefallen. „Und die Zahl wird weiter sinken“, prognostiziert der Bundesbank-Vorstand. Alleine im vergangenen Jahr habe es in Deutschland 53 Bankfusionen gegeben.

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1 Kommentar zu "Bankenaufseher: „Ich mag die Idee eines nationalen Champions nicht besonders“"

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  • Nehmen wir an sie wären Bankenaufseher. Jetzt gibt es nur noch eine wesentliche Bank in ihrem Aufsichtsbereich. Was würden sie zur Fusion sagen ??