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Bankenbranche „Durch Blockchain wird es für die Finanzaufsicht schwierig“

Neue Technologien helfen Bankkontrolleuren, sagt Bain-Berater Matthias Memminger. Doch in manchen Bereichen stoßen sie bereits an ihre Grenzen.
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Die Finanzaufsicht kann laut Matthias Memminger durch neue Technologien schneller werden. Quelle: Bain & Company Germany, Inc.
Matthias Memminger

Die Finanzaufsicht kann laut Matthias Memminger durch neue Technologien schneller werden.

(Foto: Bain & Company Germany, Inc.)

Matthias Memminger ist Partner bei Bain & Company in Zürich. Er berät seit über 20 Jahren Banken, unter anderem bei Fragen der Regulierung. Zudem tauscht er sich regelmäßig mit den Aufsichtsbehörden aus.

Herr Memminger, wie rüsten sich die Finanzaufsichtsbehörden für die Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung?
Viele Aufsichtsbehörden haben ihre IT-Expertenteams in den vergangenen Jahren bereits massiv aufgestockt. Aber ihre Mitarbeiter sind in der Regel auf klassische Banken-IT spezialisiert und nicht auf neue Technologien wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz. Künftig werden die Aufsichtsbehörden deutlich mehr Mitarbeiter brauchen, die Algorithmen und Programmiercodes analysieren und bewerten können.

Lassen sich neue Technologien überhaupt noch mit den althergebrachten Finanzregeln überwachen?
In einigen Bereichen wird das nicht funktionieren, in anderen schon. Wenn es darum geht, klar definierte Regeln zu überprüfen, wie etwa bei der Kundenkontrolle oder der Geldwäscheprävention, kann man Regeln vergleichsweise einfach in die digitale Welt übertragen und automatisieren. Eine Maschine kann solche Aufgaben meist sogar besser erledigen als ein Mensch, denn sie macht keine Flüchtigkeitsfehler. Und die Aufsicht kann die Entscheidung der Maschine relativ einfach nachvollziehen.

In welchen Bereichen stößt die Aufsicht an ihre Grenzen?
Wenn ganze Geschäftsfelder in den digitalen Bereich abwandern, beispielsweise durch die Blockchain-Technologie, wird es schwierig. Da verschwimmen die Grenzen zwischen Finanzbranche, IT und Datenanbietern. Und wenn Daten weltweit zirkulieren, wird es für einzelne Aufsichtsbehörden sehr schwierig, darauf zuzugreifen und den Überblick zu behalten.

Wie sieht es beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz aus?
Wenn ein selbstlernender Algorithmus eine Entscheidung zu einem Kunden-Onboarding trifft und dann später Feedback bekommt, ob seine Entscheidung richtig oder falsch war, kann er daraus lernen und sich selbst weiterentwickeln. Das ist gut. Aber für Aufsichtsbehörden ist eine selbstlernende Maschine wie eine Blackbox. Sie können Entscheidungsprozesse nicht mehr nachvollziehen und im Nachhinein feststellen, wo und warum ein Fehler passiert ist.

Die Finanzaufsicht Bafin sieht den Einsatz solcher Systeme kritisch und betont, am Ende bleibe der Mensch verantwortlich.
Das ist eine vernünftige Haltung. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Regulatorik befindet sich noch in einem frühen Stadium. Deshalb wäre es für die Bafin zu riskant zu sagen: Wir erlauben den Einsatz pauschal, schauen uns die Ergebnisse an und reagieren dann erst im Nachgang. Die Aufsicht hält durch ihre Regeln letztendlich die Aufmerksamkeit des Managements hoch. Es wird sich deshalb sehr gut überlegen, welche Technologien es einsetzt und welche nicht.

Welche Aufsichtsbehörden sind beim Einsatz neuer Technologien denn besonders fortschrittlich?
Die Bank of England und die Finanzaufsicht von Singapur fangen bereits an, neue Wege zu gehen. Beide sind als Zentralbanken nicht nur für Regulierung zuständig, sondern spielen auch eine Rolle bei der Förderung des heimischen Finanzplatzes. Deshalb gehen sie das Thema offener an als andere europäische Aufsichtsbehörden.

Könnte die Finanzaufsicht durch neue Technologie besser werden und bei Problemen dank Live-Daten proaktiv eingreifen?
Die Finanzaufsicht kann durch neue Technologien schneller werden. Bisher hinkt sie mit Datenanfragen und Vor-Ort-Überprüfungen ja nicht selten Wochen, Monate oder gar Jahre hinterher. Diesen Zeitverzug kann man in bestimmten Bereichen durch neue Technologien verkürzen, in der Handelsüberwachung zum Beispiel auf 24 Stunden. So lassen sich manche Schäden noch verhindern. Eine Live-Überwachung mit Echtzeitdaten kann ich mir dagegen nicht vorstellen. Das wäre auch aus ordnungspolitischer Sicht zweifelhaft.

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