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Bankenbranche Erster Dresdner-Banker klagt Millionen ein

Erstmals in der aktuellen Finanzkrise hat ein Ex-Manager der Dresdner Bank seinen ehemaligen Arbeitgeber auf Zahlung einer Millionenabfindung verklagt. Der frühere Investmentbanker verlangt offenbar die Zahlung von 1,5 Millionen Euro. Wahrscheinlich wird er nicht der letzte Kläger sein.
Das Logo der Dresdner Bank an einer Filiale des Kreditinstituts. Quelle: ap

Das Logo der Dresdner Bank an einer Filiale des Kreditinstituts.

(Foto: ap)

FRANKFURT. Als gelernter Investmentbanker gehört es für Jens-Peter Neumann zur Pflicht, ganz vorne dabei zu sein. Gestern ist es dem 50-Jährigen wieder einmal gelungen: Neumann verklagt als erster Ex-Dresdner-Banker seinen früheren Arbeitgeber auf Auszahlung seiner Abfindung. Es geht um 1,5 Mio. Euro. Seine Chancen, trotz Milliardenverlusten und bereits kassiertem Bonus recht zu bekommen, stehen gar nicht so schlecht.

Für eine gütliche Einigung zumindest scheint Neumann keinen Anlass zu sehen. Ein entsprechender Termin vor dem Arbeitsgericht war am Morgen nach nur 15 Minuten ohne Ergebnis vorbei. Da half es auch nichts, dass Dresdner-Anwalt Matthias Woldter daran erinnerte, dass das von Neumann verantwortete Capital-Markets-Geschäft 2008 schlappe 5,7 Mrd. Euro Miese einfuhr. Dieser argumentiert, die Zahlen seien bei der Auflösung seines Vertrages im Januar bereits offenkundig gewesen. Dennoch habe die Dresdner der Zahlung von 4,5 Mio. Euro zugestimmt.

Erst am 18. Februar kündigte dann der neue Dresdner-Eigentümer Commerzbank an, angesichts des Desasters bei der Dresdner-Investmentbank die Boni konzernweit zu streichen. Zu dem Zeitpunkt waren allerdings schon drei Mio. Euro Bonus an den in der Branche als hemdsärmlig und bisweilen vorlaut geltenden Banker geflossen. Die Dresdner entschied darauf kurzerhand, die noch ausstehenden 1,5 Mio. Euro einzubehalten – und den Rest zurückzufordern. Man habe in einem Schreiben an Neumanns Verantwortung appelliert, heißt es.

Dass es keine Antwort gab, überrascht Banker, die Neumann näher kennen, nicht wirklich. „Das passt zu dem, dem ist das egal“, sagt einer, der mit ihm gearbeitet hat. Neumann, der gerne mit breiten Hosenträgern auftaucht, erschien gestern nicht vor Gericht. Angeblich wohnt er auf Zypern – seine Anwältin Tanja Karhausen wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Unabhängig vom Wohnsitz dürfte Neumann auf alle Fälle gute Chancen haben. „Rechtlich ist das ein Selbstgänger“, sagt ein renommierter Arbeitsrechtler, der namentlich lieber nicht genannt werden will. Die Dresdner dürfe Anspruchsgrundlagen nicht vermischen. Weiterverhandelt wird in Frankfurt am 6. August, die Bank lehnte gestern mit Hinweis auf das laufende Verfahren jeglichen Kommentar ab.

Neumanns Klage könnte Signalwirkung haben. Die Mitglieder des weniger als 20 Köpfe umfassenden Executive Committee der Dresdner Kleinwort sollen für 2008 mehr als 100 Mio. Euro Boni erhalten haben. Und keineswegs alle sind bereit, dem wohlwollenden Appell der Commerzbank zu folgen. Zudem bereiten in London rund 250 Händler der Bank Klagen gegen den Wegfall versprochener Boni vor. Entscheidender dürfte Neumanns juristischer Feldzug aber für die Integration von Commerzbank und Dresdner sein. Denn der Wegfall der Prämien für 2008 trifft besonders die kleinen und mittleren Bankangestellten, die abseits vom Investment-Banking mitunter Rekorde einfahren konnten. Sollte Neumann vor Gericht siegen, wäre das wohl für viele von ihnen ein herber Schlag.

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