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Bankenbranche Warum Europas Investmentbanken der US-Konkurrenz hinterherlaufen

Im Investmentbanking beherrschen die großen Wall-Street-Häuser den Markt. Europäer fallen immer weiter zurück. Nun werden harte Schnitte notwendig.
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Banken in Europa und in den USA agieren unter ungleichen Verhältnissen. Quelle: dpa
Bankensektor in Frankfurt

Banken in Europa und in den USA agieren unter ungleichen Verhältnissen.

(Foto: dpa)

FrankfurtVor genau zehn Jahren verkündete der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, sein Institut habe endgültig zu den ganz Großen der Branche aufgeschlossen. 1,2 Milliarden Euro Gewinn verbuchte die Bank im ersten Quartal 2009; möglich machte das die Elitetruppe des Geldhauses, die Investmentbanker. „Es sollte für Deutschlands größte Bank ganz selbstverständlich sein, zur Weltspitze zu gehören“, meinte Ackermann vor einem Jahrzehnt, obwohl die Finanzkrise schon ausgebrochen war.

Zehn Jahre später ist der Abstand der Frankfurter zur Weltspitze enorm. Die Deutsche Bank hat mit der eigenen Sanierung alle Hände voll zu tun, während die großen Wall-Street-Häuser wie Goldman Sachs, JP Morgan und Co. längst wieder Milliarden verdienen. Lange träumten Ackermanns Nachfolger davon, im Investmentbanking wieder anzugreifen – der neue Vorstandschef, Christian Sewing, schrumpft dagegen nun die Sparte, zumindest etwas.

Sewings einziger Trost: Er steht mit seinen Problemen nicht allein da. In den Nullerjahren hatten mehrere europäische Institute versucht, im Investmentbanking zur US-Konkurrenz aufzuschließen. Credit Suisse, Barclays und andere hofften auf satte Gewinne und globale Bedeutung.

Nach einer Dekade Finanz- und Euro-Krise, Niedrigzinsen und Ertragsschwäche ist von diesen Ambitionen nicht mehr viel geblieben. Wie ernst die Schwäche der europäischen Investmentbanken wirklich ist, zeigen neue Zahlen: Auch 2019 dürfte die Ertragserosion im Handels- wie im Beratungsgeschäft voranschreiten.

Global ist die US-Konkurrenz längst enteilt. Und nachhaltige Besserung ist nicht in Sicht. Das vierte Quartal 2018 war für die großen Geldhäuser rund um den Globus ein Desaster. Der Handelsstreit zwischen den USA und China verdarb die Stimmung, dazu kam die Angst vor einer empfindlichen Abkühlung der Weltkonjunktur. „Alle globalen Investmentbanken haben unter den Marktturbulenzen im zweiten Halbjahr gelitten“, erklärte ‧Corinna Dröse, Analystin der DZ Bank. „Doch die europäischen Investmentbanken trafen die Verluste härter.“

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Beispiel BNP: Bei dem Pariser Institut brach der Vorsteuergewinn der Investmentbank im vergangenen Jahr gegenüber 2017 um 21 Prozent ein. Das frühere Ziel, hier ein Drittel der Erträge zu erwirtschaften, wurde kassiert. Bei der Konkurrenz der Société Générale (SocGen) sank der Nettogewinn der Investmentbank um ein Viertel.

Nun hagelt es Bonus-Nullrunden und Entlassungen. BNP will in der Investmentbank bis 2020 insgesamt 1,1 Milliarden Euro einsparen, SocGen 500 Millionen Euro, ganze Sparten werden geschlossen. Und auch bei den Schweizern von Credit Suisse und UBS sowie den Briten von HSBC lagen die Ergebnisse unter den Erwartungen. Einzig Barclays schnitt besser ab: Im Anleihehandel gingen die Erträge im vierten Quartal nur um sechs Prozent zurück, im Aktienhandel und in der Beratung von Fusionen und Übernahmen (M&A) stiegen sie sogar leicht.

Besonders düstere Lage: Deutsche Bank

Besonders düster sieht die Lage bei der Deutschen Bank aus. 2018 waren rund zwei Drittel der risikogewichteten Aktiva in der Unternehmens- und Investmentbank gebunden, die Eigenkapitalrendite der Sparte lag allerdings nur bei 0,9 Prozent. Im Aktienhandel fielen nach Informationen des „Wall Street Journal“ Verluste von 750 Millionen Dollar an. Und auch das globale M&A-Geschäft fiel laut den Informationsdiensten Dealogic und Mergermarket gegenüber dem Vorjahr zurück.

„Das Problem ist endemisch“, warnt Magdalena Stoklosa, Analystin der US-Bank Morgan Stanley. „Schon seit 2012 sehen wir eine schlechtere Performance der europäischen Investmentbanken im Vergleich zu ihren US-Pendants.“ Während die europäischen Institute im „Restrukturierungsmodus“ verharrten, bauten die US-Banken ihren weltweiten Marktanteil deutlich aus.

So ist zwischen 2012 und 2018 der Anteil der US-Investmentbanken am Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und Afrika von 31 auf 40 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum ist der Marktanteil der europäischen Institute in Nordamerika von 29 auf 20 Prozent gefallen.

Zwar sind die Märkte positiver ins Jahr 2019 gestartet, auch weil sich im Handelsstreit eine Entspannung abzeichnet. Aber der relative Bedeutungsverlust der europäischen Institute dürfte sich auch 2019 fortsetzen. So erwarten die Analysten von Morgan Stanley, dass die Erträge im Beratungsgeschäft, etwa bei der Begleitung von Börsengängen und Übernahmen, für die US-Investmentbanken bis 2020 um über elf Prozent wachsen.

Ganz anders sieht es im Fall der Europäer aus: Hier sagt Morgan Stanley ein Minus von knapp vier Prozent voraus. Ähnlich ist die Situation im Aktienhandel. Die US-Banken dürften hier bis 2020 um über sechs Prozent zulegen – die Europäer gut fünf Prozent verlieren. Und auch im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen schrumpft ihr Einfluss: Morgan Stanley erwartet für die US-Banken bis 2020 eine Stagnation und für die Europäer ein Ertragsminus von gut fünf Prozent.

Minizinsen belasten den Bankensektor

Neue Zahlen der Schweizer UBS deuten in eine ähnliche Richtung. Die Analysten der Großbank prognostizieren für das erste Quartal 2019, dass die Erträge im globalen Anleihehandel im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent sinken, im Aktienhandel um sieben Prozent fallen und im Beratungsgeschäft stagnieren.

Auch nach Einschätzung der UBS werden die Europäer überproportional von der Flaute getroffen. Bank of America, Citi, Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley entwickeln sich laut den Analysten fast durchgehend besser als Barc‧lays, BNP, SocGen, Credit Suisse und die Deutsche Bank.

Woher kommt die Schwäche der Europäer? Experten sehen drei Hauptbelastungsfaktoren. Zum Ersten sind viele europäische Banken schlechter durch die vergangenen Krisen gekommen. „Die europäischen Banken sind seit Jahren mit der Restrukturierung beschäftigt. Dadurch verzichten sie auf Einnahmen.

Auch die Kapitalerhöhungen haben die Investoren verunsichert“, so Morgan-Stanley-Analystin Stoklosa. Ganz anders ist das Bild in den USA, wo sich die Banken dank staatlicher Kapitalspritzen und des großen Heimatmarkts schneller von der Finanzkrise erholt haben.

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Zum Zweiten leiden Europas Institute unter den Folgen der anhaltenden Niedrigzinspolitik. Anders als die US-Notenbank Fed hält die Europäische Zentralbank (EZB) weiter an den Minuszinsen für Bankeinlagen fest, und daran dürfte sich in diesem Jahr auch nichts ändern.

Zum Dritten verlieren die europäischen Institute zunehmend an Bedeutung, wenn es um das globale Beratungsgeschäft geht. „Die meisten Fusionen und Übernahmen finden längst auf internationaler Ebene statt“, sagt Finanzprofessor Volker Brühl von der Frankfurter Goethe-Universität. „Mögliche Käufer von europäischen Mittelständlern sind zum Beispiel US-Private-Equity-Fonds oder Staatsfonds vom Golf und aus China. Um diese zu erreichen, muss man vor Ort präsent sein.

Ein wirkliches globales Netzwerk haben aber nur noch die US-Banken.“ Im globalen Geschäft mit der Beratung von Fusionen und Übernahmen belegen sechs US-Banken die vorderen Plätze der Rangliste des Informationsdienstes Mergermarket. Erst auf Platz sieben folgt mit Barclays das erste europäische Haus. Die Daten von Dealogic zeigen das gleiche Bild.

Klar ist: Wo die einen Spieler sich zurückziehen, profitieren andere. Der Deutschlandchef des Investmentbankings einer großen US-Bank sagt: „Die deutschen Institute schwächeln, und das sehen auch die deutschen Mittelständler.“ Habe es früher oft noch Berührungsängste gegenüber den US-Banken gegeben, seien sie nun verschwunden.

Hoffnungswert Asien

Diese Worte sind mehr als Eigenwerbung. Der Chairman einer der größten europäischen Banken beklagte sich vor Kurzem in Frankfurt wortreich über die US-Konkurrenz. „Ich hasse es, dass die US-Banken so stark wachsen. Das ist nicht normal.“ Viele Mittelständler, mit denen er spreche, seien unzufrieden damit, auf US-Banken angewiesen zu sein.

Oft bleibe ihnen aber nichts anderes übrig. „Wir müssen in Europa aufpassen, dass wir auf ‧internationaler Ebene nicht zwischen den Amerikanern und Chinesen zerrieben werden.“ Eine schnelle Lösung für die europäische Ertragsschwäche sieht der Topbanker nicht.

Glaubt man Stoklosa von Morgan Stanley, dann könnte es zumindest eine Region geben, in der die US-Banken den Europäern noch nicht enteilt sind – Asien. „China öffnet gerade seinen Finanzmarkt. Sollte sich das Land als so vielversprechend herausstellen wie gehofft, haben auch die europäischen Institute noch gute Chancen.“

Ein Anfang ist zumindest gemacht: Die Schweizer UBS erhielt als erstes ausländisches Institut 2018 die Erlaubnis für die Komplettübernahme eines chinesischen Hauses. Und die Deutsche Bank darf als erste westliche Großbank Anleiheemissionen begleiten. Zumindest im Reich der Mitte ist man noch da, wo man sich vor zehn Jahren sah: an der Weltspitze.

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1 Kommentar zu "Bankenbranche: Warum Europas Investmentbanken der US-Konkurrenz hinterherlaufen"

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  • @Felix Holtermann
    Bei der Aufzählung der Probleme darf nicht vergessen werden, dass die europäischen Banken massiv reguliert werden.
    Aus meiner Sicht sind diese Regulierungen so extrem, dass sie den Banken massiven Schaden zufügen, da die Regulierungen von den Banken bezahlt werden müssen, deren Geschäftsmodell stark einschränken und zudem qualifizierte Mitarbeiter binden.

    Die Folge: Weniger regulierte Banken in Amerika und Asien erhalten Wettbewerbsvorteile, Schattenbanken und Hedgefonds erhalten ebenso Wettbewerbsvorteile und können ungestört wachsen und Risiken aufbauen.
    Zudem ist die Regulierung ein hoher bürokratischer Aufwand mit wenig aussagekräftigen Ergebnissen. Es ist so, als würde eine Klassenarbeit geschrieben, die JEDER Schüler besteht.
    Das Ergebnis eines Kosten - Nutzen Vergleich ist sehr negativ.