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Bankenfusion Mitarbeiter von Deutscher Bank und Commerzbank suchen neue Jobs

Die Fusionspläne der Banken verunsichern die Angestellten. Vor allem im wichtigen Investmentbanking der Deutschen Bank droht eine Abwanderungswelle.
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New York, Frankfurt, Londonb

Banker von Deutscher Bank und Commerzbank suchen neue Jobs Quelle: AP
Deutsche Bank

Die jüngste Bonusrunde bei der Deutschen Bank soll abwanderungswillige Banker noch bestärkt haben.

(Foto: AP)

Wenn Janet Mason in diesen Tagen in ihre LinkedIn-Nachrichten schaut, wimmelt es dort nur so von Einladungen zum Kaffeetrinken. Fünf am Tag seien keine Seltenheit, sagt die Managerin einer US-Bank, die ihren richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Und alle kommen von Mitarbeitern der Deutschen Bank. Einige haben in ihrem Profil auf dem Karriere-Netzwerk sogar explizit stehen: „Offen für neue Möglichkeiten“ – verbunden mit ihrer privaten E-Mail-Adresse.

Seit die Deutsche Bank und die Commerzbank offiziell Verhandlungen über eine Fusion aufgenommen haben, breiten sich Angst und Nervosität unter den Mitarbeitern aus. Schließlich stehen durch den möglichen Zusammenschluss der beiden größten privaten deutschen Banken Zehntausende Jobs auf dem Spiel. In Deutschland bereiten die Gewerkschaften Proteste vor.

Auch unter den Investmentbankern in London und New York wächst die Furcht um den Job und damit die Bereitschaft, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Die Commerzbank hat ihr Investmentbanking nach der Finanzkrise schon massiv verkleinert, deshalb fürchten die Banker, dass sie vom größeren Rivalen einfach überrollt werden.

Aber auch bei der Deutschen Bank sind die Investmentbanker enttäuscht. Viele glauben, dass sich die Bank künftig noch stärker auf Deutschland konzentrieren und ihren globalen Anspruch endgültig aufgeben wird.

„Alle wissen: Wenn die Fusion mit der Commerzbank kommt, wird es Stellenstreichungen geben. Niemand will nach so einer Zusammenlegung zu viele Mitarbeiter haben“, sagt ein New Yorker Headhunter. „Rightsizing“ heißt das an der Wall Street. Für die Mitarbeiter, die bereits seit Jahren mit immer neuen Krisen konfrontiert werden, bedeutet das zunehmende Unsicherheit.

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Bereits seit Jahren diskutiert die Deutsche Bank über die richtige Größe des Geschäfts in den Vereinigten Staaten. Einige einflussreiche Großaktionäre fordern noch einmal deutliche Einschnitte im Investmentbanking in den USA. Auch Analysten wie Stuart Graham vom Researchhaus Autonomous gehen davon aus, dass die Fusion mit der Commerzbank der Anlass wäre, um das Investmentbanking der Deutschen Bank noch einmal zu verkleinern.

Weniger Bonus

Die Bank hat ihr Investmentbanking und das Geschäft in den Vereinigten Staaten bereits im vergangenen Jahr ein Stück weit zurückgefahren und die Bilanzsumme um rund 100 Milliarden Dollar geschrumpft. Dabei wurde unter anderem der Handel mit Aktien in den USA um ein Viertel zusammengestrichen, ebenso Dienstleistungen für Hedgefonds und die Aktivitäten im Energie- und Rohstoffhandel.

Ein ähnliches Bild der Verunsicherung wie an der Wall Street zeigt sich auch in London. „Die allgemeine Annahme ist, dass sich die Bank durch eine Fusion mit der Commerzbank stärker auf Deutschland konzentrieren wird und ihren globalen Anspruch aufgibt, das enttäuscht viele“, meint ein Londoner Deutschbanker. Entsprechend groß sei die Wechselbereitschaft. Auch der in London ansässige Personalberater Reto Jauch sieht zunehmende Unruhe bei den Investmentbankern des Frankfurter Geldhauses.

„Es deutet sich ja schon seit einiger Zeit an, dass diese Fusion zustande kommt“, sagt Jauch. „Die Mitarbeiter machen sich Gedanken, was die Fusion für sie heißt, und suchen nach einem Plan B.“

Bei der Commerzbank in London ist die Jobangst womöglich noch größer. Die Übernahme von Dresdner Kleinwort Benson vor zehn Jahren ist vielen Bankern noch in schlechter Erinnerung. Damals waren bei beiden Banken 1 400 Investmentbanking-Stellen gestrichen worden.

Die Commerzbanker haben keine Zweifel, dass es bei einer Fusion mit der deutlich größeren Deutschen Bank die eigene Belegschaft am härtesten treffen wird. „Der Juniorpartner leidet immer am meisten“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter. Er sieht die Fusionsgespräche mit einem gewissen Fatalismus. „Wir haben bereits so viel hinter uns. Was immer passiert, es wird passieren.“

Deutsche Bank und Commerzbank: „Keine ist profitabel – und global relevant auch nicht“

Tatsächlich wäre es nur eine weitere Kürzungswelle. Die Commerzbank baut bereits seit Jahren Stellen ab. 2016 verkündete das Management eine neue Strategie, die die Streichung von 9 600 Arbeitsplätzen vorsah. Dazu trägt auch der Verkauf der Sparte Equity Markets & Commodities (EMC) an die französische Großbank Société Générale bei, der im vergangenen Jahr verkündet wurde.

Diese Woche haben einige Mitarbeiter des Bereichs ihre letzten Tage im Commerzbank-Gebäude an der Gresham Street. Etliche sind bereits auf Jobsuche – in der Erwartung, dass die Einheit bei der Société Générale zurechtgestutzt wird.

Bei der Deutschen Bank dürfte die jüngste Bonusrunde abwanderungswillige Banker noch bestärkt haben. „Viele sind leer ausgegangen. Das wird als Zeichen verstanden: Ihr könnt auch gehen“, meint Personalberater Jauch. „Es ist ein alter Teufelskreis: Wenn der Bonus-Pool kleiner wird, gehen die Leistungsträger und mit ihnen schließlich auch ein Teil der Kunden“, bestätigt ein New Yorker Headhunter.

Für zusätzlichen Frust dürfte die Vorgabe der Bank an das Topmanagement sorgen, während der Fusionsverhandlungen keine eigenen Aktien des Unternehmens aus Compliance-Gründen verkaufen zu dürfen, wie die „Financial Times“ am Sonntag berichtete.

Für 2018 schüttet die Bank deutlich geringere Leistungsprämien aus. Die Boni schrumpfen von 2,3 Milliarden Euro auf 1,9 Milliarden Euro. Ein Grund für den Rückgang ist der Stellenabbau. Allerdings sinken die Boni um 14 Prozent, während die Zahl der Mitarbeiter um lediglich acht Prozent zurückgegangen ist. Der Bonuspool pro Kopf fällt also kleiner aus, das zeigt sich auch an der Zahl der Einkommensmillionäre, die von 705 auf 643 gefallen ist.

Im Gegensatz zu den Prämien für die 90 000 Mitarbeiter stieg die Gesamtentlohnung für den Vorstand der Bank von 29,8 Millionen Euro auf 55,7 Millionen Euro. Auch weil das Geldhaus 2018 nach drei Verlustjahren in Folge wieder schwarze Zahlen schrieb und die Topmanager trotz massiver Kursverluste am Aktienmarkt dieses Mal keinen Anlass sahen, auf einen Bonus zu verzichten.

Vorstandschef Christian Sewing stehen für das vergangene Jahr sieben Millionen Euro zu, seinem Stellvertreter, dem Chefinvestmentbanker Garth Ritchie, sogar 8,6 Millionen.

Im am Freitag vorgestellten Geschäftsbericht veröffentlichte die Deutsche Bank nicht nur Zahlen zu Prämien und Gehältern, sondern äußerte sich auch zum Engagement im Investmentbanking: Die Sparte „wird sich auf ihre Kernprodukte und -märkte konzentrieren und sich aus Bereichen, die für die wichtigsten Kunden nicht mehr relevant sind oder in denen wir keine führende Position mehr anstreben, zurückziehen.“

Gleichzeitig betonen die Frankfurter aber auch, dass sie eine „führende europäische Unternehmens- und Investmentbank mit globalem Engagement und Aktivitäten in mehr als 60 Ländern“ bleiben wollen. 2018 trug der Bereich gut die Hälfte zu den Erträgen von insgesamt 25 Milliarden Euro bei.

Kritische Großinvestoren

Nach Informationen aus Finanzkreisen floss über ein Viertel aller an die Mitarbeiter ausgeschütteten Boni in die USA, der nächstgrößere Anteil nach Großbritannien. Das wertet die Führung des Instituts als Bekenntnis zu einem starken Investmentbanking. Leistungsträger, die die Bank halten wolle, hätten sich trotz des insgesamt kleineren Bonustopfes für das vergangene Jahr sogar über höhere Prämien freuen können.

Personalberater beurteilen das allerdings etwas kritischer: „Nach den Sparrunden und den Enttäuschungen der vergangenen Jahre ist die Loyalität der Mitarbeiter in den angelsächsischen Finanzmetropolen zur Deutschen Bank deutlich unterentwickelt“, meint Andreas Halin, Gründer von Global Mind Executive Search. In Deutschland sieht der Headhunter dagegen ein differenzierteres Bild.

Hier macht Halin bei vielen Investmentbankern trotz der Verwerfungen der vergangenen Jahre und der jüngsten Fusionsverhandlungen „noch immer eine große Treue zur Deutschen Bank“ aus. Allerdings sei der Arbeitsmarkt in Deutschland auch nicht groß genug, um abwanderungswillige Deutschbanker in großer Zahl aufzunehmen.

Vielleicht machen sich die insgesamt 140 000 Mitarbeiter von Deutscher Bank und Commerzbank aber auch umsonst Sorgen wegen der Folgen der Fusion. Denn drei der fünf wichtigsten Aktionäre der Deutschen Bank stehen dem Zusammenschluss nach wie vor kritisch gegenüber, weil sie fürchten, dass aus zwei schwächelnden Banken kein neuer Champion entstehen kann.

Die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock, einer der größten Anteilseigner beider Institute, machte am vergangenen Freitag die Kritik an der Frankfurter Großbankenfusion öffentlich: Man sei von der Idee nicht überzeugt. Es könne nicht das Ziel sein, damit noch eine große Investmentbank nach US-Vorbild zu schaffen, weil das „nicht funktionieren würde“, sagte Vizeverwaltungsratschef Philipp Hildebrand.

Er verstehe die Überlegung hinter dem Fusionsplan nicht. „Welches Problem soll hier gelöst werden?“, fragte der frühere Schweizer Notenbankchef.

„Weder Deutsche Bank noch Commerzbank haben ein nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell“

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