Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bankenkrise in Liechtenstein Ein Prinz, der Steuern in Deutschland zahlt

Der Fürstensohn Max von und zu Liechtenstein kämpft von München aus um das Image der fürstlichen Bank LGT. Dabei blebt der 38-Jährige erstaunlich gelassen: Das Abendland geht eben nicht unter, wenn das Geschäft einmal einbricht.
Max von und zu Liechtenstein, seit 24 Monaten CEO der LGT. Foto: Reuters

Max von und zu Liechtenstein, seit 24 Monaten CEO der LGT. Foto: Reuters

ZÜRICH. Es lohnt sich, die Dinge langfristig zu betrachten. Das Adelsgeschlecht derer von und zu Liechtenstein gibt es seit ungefähr 800 Jahren. Das Land hat seine 200-Jahr- Feier knapp hinter sich. Die fürstliche Bank LGT hat immerhin 88 Jahre auf dem Buckel. Deren Chef, Max von und zu Liechtenstein, ist 50 Jahre jünger und macht den Job seit 24 Monaten – mithin erst seit einem Wimpernschlag der Geschichte. Dass die Bank, der die Kunden seit ihrem Leck im Datentresor scharenweise davonlaufen, in einer Krise steckt, vielleicht sogar in der schlimmsten seit ihrem Bestehen, lässt sich zwar nicht leugnen. Aus Sicht ihres obersten Bankiers relativiert die langfristige Perspektive aber einiges. Das Abendland geht eben nicht unter, wenn das Geschäft mal einbricht.

Max von und zu Liechtenstein ist also so entspannt, wie es der Situation angemessen ist, der Anzug grau, die Krawatte gestreift, der Auftritt, der eigentlich in einem Hotel-Foyer geplant war und wegen außerordentlichen Interesses in den großen Tagungssaal der Züricher Börse verlegt werden musste, souverän. Schließlich kann er selbst die Krise nur ausbaden, reingeschlittert ist sein Onkel Philipp von und zu - Sie wissen schon –, in dessen Amtszeit der Datenklau fiel.

Max, der zweitgeborene Sohn des Fürsten Hans Adam II. von und zu Liechtenstein ist sauber. Seine Steuern zahlt er in Deutschland, wo er mit Frau und Kind in München wohnt. Die Gretchenfrage, die hier zur Mäxchenfrage wird und die er sich gefallen lassen muss, ist die, warum er als Bankdirektor die Steueroptimierungsmodelle der LGT so unkritisch weitergeführt hat. „Wir sind nicht dafür da, die Steuererklärung unserer Kunden auszufüllen“, antwortet der Prinz.

Ein Raubein ist er nicht. Worte wie „Hehlerei in großem Stil“, die sein Bruder Alois gewählt hatte, als es um die Verteidigung der Landes- und Bankinteressen gegenüber Deutschland gegangen war, wären Max vermutlich nicht über die Lippen gekommen. Wer Kollegen fragt, erhält die Beschreibung eines „uneitlen Chefs“. Bevor er die Leitung der familieneigenen Bank übernahm, war er Chef des Deutschlandbüros der US-Investmentbank JP Morgan. Dies liegt in der Nähe des Bayerischen Hofs in München, und die Adresse behagt ihm und der Familie noch heute mehr als die kalten Mauern von Schloss Vaduz. Sein erstes eigenes Geld hat er in der Beteiligungsbranche verdient – für JP Morgan in den USA und für Industri Kapital in Skandinavien.

Dass das Kapitel LGT für ihn bald zu Ende sein könnte – dazu schweigt er. Natürlich weiß er, dass die Verquickung von Bank und Staat, die einst das Land beflügelte, inzwischen beide Seiten eher lähmt. „Es ist“, so sagt ein liechtensteinischer Kritiker, „als wenn Horst Köhler noch Sparkassenpräsident wäre.“ Doch zurücktreten? So einfach geht das nicht. Schließlich musste man auch zum LGT-Chef bisher geboren werden.

Startseite
Serviceangebote