Bankenkrise Zu hohe Kosten bei deutschen Banken

Laut einer Untersuchung der Ratingagentur Moody's haben deutsche Banken höhere Kosten im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten. Dieses Problem belaste besonders die Gewinne der Banken.
Nach Einschätzung der Ratingagentur haben deutsche Banken zu hohe Kosten. Quelle: dpa
Deutsche Banken

Nach Einschätzung der Ratingagentur haben deutsche Banken zu hohe Kosten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die deutschen Banken haben nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's vor allem ein Kostenproblem. „Wir sehen die im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten hohe Kostenbasis als die größte Schwäche und Herausforderung für deutsche Banken an“, schrieben die Moody's-Analysten in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zu den Aussichten für die deutschen Geldhäuser bis Ende des nächsten Jahres. Das drücke auf die Gewinne der Banken und beeinträchtige ihre Fähigkeit, mehr Kapital zur Seite zu legen. Die Bankvorstände sähen zunehmend die Notwendigkeit, das Thema anzugehen. Das zeige das Sparprogramm der Commerzbank ebenso wie die Ankündigung vieler Sparkassen und Genossenschaftsbanken, ihr Filialnetz auszudünnen.

Mehr als Sparen bleibe den Banken auch nicht übrig, heißt es in der Studie. „Weil die Kapitalmärkte immer noch fragil sind und große Bankenfusionen schwierig umzusetzen, erwarten wir, dass der langsame Prozess der Kostensenkungen weitergehen wird“, schreibt Chefanalystin Andrea Wehmeier. Die niedrigen Zinsen, die Überkapazitäten und das mäßige Kreditwachstum führten zu einem anhaltend scharfen Wettbewerb, vor allem im Geschäft mit Privatkunden und dem Mittelstand. Die Ratingagentur bewertet 37 deutsche Banken, die 76 Prozent des Sektors umfassen.

Diese Zehn entscheiden über die Zukunft der Deutschen Bank
Paul Achleitner
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Deutschen Bank ist bekannt für seine engen Kontakte zur Industrie. Nachdem vorherige Manager es nicht geschafft hatten, Fehltritte auszubügeln, die den Zorn der Kläger von New York bis London auf sich zogen, wählte er John Cryan als neuen Hoffnungsträger aus. Doch sein Ruf leidet, seit Investoren angesichts stürzender Aktienkurse und anhaltendem Chaos ungeduldiger werden. Das wurde spätestens im April ersichtlich, als er in einen Streit im Vorstand über mutmaßliches Fehlverhalten verwickelt wurde.

Bill Baer
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Der Chef der Kartellabteilung im US-Justizministerium konzentriert sich auf die Aufarbeitung der Finanzkrise von 2008 und hat den Ruf, wettbewerbsschädliche Deals aggressiv zu bekämpfen. Im vergangenen Jahr hat er Strafen über sechs Milliarden US-Dollar für Devisenmarktmanipulationen erstritten. Er hat das Sagen in den Gesprächen mit der Deutschen Bank – hat sich bislang aber noch nicht direkt zu dem Fall geäußert.

John Cryan
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Der Deutsche-Bank Chef versucht, Kapitalpuffer zu stärken und die Rentabilität zu steigern, während er Vermögen verkauft, Jobs streicht und Dividenden zurückhält. Doch sprunghafte Märkte, Strafzinsen und strengere Regulationen sorgen für reichlich Gegenwind. „Wir sind und bleiben eine starke Deutsche Bank“, schreibt Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter. Das Institut erfülle alle Eigenkapitalanforderungen, sei beim Umbau im Plan und verfüge über Liquiditätsreserven von über 215 Milliarden Euro. Die Risiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. „Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute.“

Angela Merkel
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Die Bundeskanzlerin hat das letzte Wort über mögliche staatliche Unterstützung für die Deutsche Bank. Sie steuerte das Land bereits durch die Finanzkrise. Diese Erfahrung hat sie aber auch gelehrt, welche Fallstricke es birgt, dem Finanzsektor auszuhelfen – insbesondere da im kommenden Jahr Wahlen anstehen.

Wolfgang Schäuble
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Bundesfinanzminister, verdienter Staatsmann und Merkels verlässliche Stütze bei Finanzangelegenheiten: Er würde eine mögliche Rettung der Deutschen Bank hauptverantwortlich gestalten und ausführen. Noch im Februar sagte Schäuble, er mache sich keine Sorgen um die Deutsche Bank. Doch mittlerweile vermeidet er öffentliche Kommentare zur Lage der Bank. Einen Bericht der „Zeit“, dass die Bundesregierung bereits an einem Rettungsplan arbeite, ließ er allerdings dementieren.

Mario Draghi
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Auch der Chef der Europäischen Zentralbank würde wohl in jedem Fall miteinbezogen werden. Die Geldpolitik der EZB wird als die Wurzel vieler Probleme der Deutschen Bank angesehen. Draghi dagegen sagte nun, Niedrigzinsen stellten kein Systemrisiko dar.

Daniele Nouy
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Seit zwei Jahren ist sie die Chefin der Europäischen Bankenaufsicht. Die 65-Jährige Französin wird als strenge Aufseherin gefürchtet. Sie prüft die Aktivitäten und Bilanzen der Deutschen Bank und wird den Kapitalbedarf der Bank für 2017 festlegen.

Die meisten deutschen Institute beklagen die Margen, die wegen der niedrigen Leitzinsen schrumpften. Nach Moody's-Berechnungen sind ihre Margen aber nicht weit weg vom EU-Durchschnitt - die Kostenquoten mit rund 70 Prozent der Erlöse aber deutlich darüber. Stellenabbau und Filialschließungen dürften daher noch in diesem Jahr weitergehen. Die Commerzbank hat angekündigt, bis zu 9600 Stellen zu streichen, will aber an ihrem Netz von rund 1.000 Filialen festhalten. Dort dürften trotzdem künftig weniger Menschen arbeiten als bisher. Die Nummer zwei will bis 2020 - wenn die Märkte mitspielen - auf eine Kostenquote von 60 Prozent kommen.

Kopfzerbrechen macht der Ratingagentur der Schiffsmarkt. Im Allgemeinen seien die Kreditausfallraten in Deutschland mit 3,1 Prozent sehr niedrig. Banken, die Schiffskredite vergeben haben, müssten allerdings mit einer wachsenden Zahl wackelnder Kredite rechnen - und deshalb mit höheren Rückstellungen, zumal wenn sie den Abbau ihrer Bestände forcieren. Zuletzt sei es ihnen kaum gelungen, ihr Volumen an Schiffskrediten zu reduzieren: Von 2012 bis 2015 sei der Bestand bei den fünf größten deutschen Schiffsfinanzierern - darunter NordLB und HSH Nordbank - nur auf 63 von 65 Milliarden Euro gesunken. Je nach Bank seien sieben bis 46 Prozent davon ausfallgefährdet.

Dennoch haben die deutschen Kreditinstitute nach Auffassung von Moody's „angemessen“ Kapital. Die harte Eigenkapitalquote nach dem scharfen Basel-III-Standard habe Ende 2015 im Schnitt bei 14,7 Prozent gelegen. Ein Jahr zuvor waren es erst 13,5 Prozent.

  • rtr
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