Banker-Boni Die fetten Jahre sind vorbei

Londoner Investmentbanker erwarten deutlich niedrigere Boni als ihre Kollegen in der Private-Equity-Welt. Das könnte dazu führen, dass Investmentbanker die Branche wechseln.
Banker sollen in jedem Fall zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie zu große Risiken eingegangen sind. Quelle: ap
Finanzplatz London

Banker sollen in jedem Fall zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie zu große Risiken eingegangen sind.

(Foto: ap)

LondonEin guter Weg zum Glück führt über realitätsnahes Erwartungsmanagement, pflegen Psychologen gerne zu sagen. Vor dem Hintergrund dürfte dem Glück der Londoner Investmentbanker eigentlich nicht viel im Wege stehen. Eine Reihe großer Banken hat bereits vor einigen Wochen gewarnt, dass die gesamten Bonitöpfe für das abgelaufene Jahr nicht so üppig ausfallen würden wie gewohnt.

In einer Umfrage des Personalvermittlers Astbury Marsden haben daher weniger Beschäftigte in der Londoner Finanzbranche als noch ein Jahr zuvor angegeben, dass sie überhaupt eine Prämie erwarten.

Sie haben zwar ihre Erwartungen heruntergeschraubt, laut Astbury Marsden sind dennoch Enttäuschungen programmiert. Denn einerseits lägen selbst die niedrigeren Erwartungen noch über dem, was Banken an Boni zu zahlen bereit seien, sagt Astbury-Marsden-Experte Adam Jackson Anfang der Woche bei der Veröffentlichung der Umfrageergebnisse.

Und was den Bankmitarbeitern ebenfalls die Laune verderben dürfte, sei der große Abstand zwischen den Prämien in ihrer Branche und den Sonderzahlungen, die in der Private-Equity-Welt erwartet würden.

MBA-Studenten stehen nicht mehr auf Investmentbanking
Platz 9: MIT Sloan
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Die MIT Sloan School of Management in Massachusetts ist eine der renommiertesten Wirtschaftsschulen der USA. An den Fakultäten lehrten namhafte Forscher wie die Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson, Franco Modigliani und Robert M. Solow. Zu den ehemaligen Studenten der Universität zählen Kofi Annan, Benjamin Netanjahu und William C. Ford. Alle drei sind keine Investmentbanker – und das scheint kein Zufall zu sein. Denn seit 2008 nimmt die Popularität des Investmentbanking beim MIT Sloan stark ab.

Popularitätsverlust*: 19.8 Prozent

*Popularitätsverlust des Investmentbankings von 2008 bis 2014, Quelle: FT Research

Platz 8: Stanford
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60 Kilometer von San Francisco entfernt liegt die Stanford University. Die private Hochschule ist eine der forschungsstärksten der Welt. Rund 30 Nobelpreisträger brachte Stanford hervor. Investmentbanker hingegen kommen immer seltener von der Stanford University.

Popularitätsverlust: 20 Prozent

Platz 7: Insead
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Die Insead Business School wurde 1957 gegründet und bietet interessierten Studenten die Möglichkeiten sich an den Fakultäten in Fontainebleau (Frankreich) und Singapur zu bilden. 2010 wurden in Abu Dhabi ein weiterer Campus eröffnet. Außerdem arbeitet Insead eng mit der Wharton School zusammen. Die MBA-Absolventen aus den drei Standorten meiden jedoch zunehmend das Investmentbanking. Seit 2008 hat sich die Zahl um mehr als ein Drittel verkleinert.

Popularitätsverlust: 31 Prozent

Platz 6: Booth University
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Die University of Chicago Booth School of Business ist die zweitälteste Business-Schule der USA. Gegründet wurde sie 1898. Aber auch in der Booth School sinkt das Interesse am Investmentbanking. Zahlreiche MBAs suchen immer öfter den Weg in Unternehmen abseits der Finanzbranche. Hoch im Kurs sind Tech-Konzerne wie Google und Amazon. Sie locken vor allem mit arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsbedingungen.

Popularitätsverlust: 32 Prozent

Platz 5: Wharton University
5 von 9

Der US-Industrielle Joseph Wharton hat mit der Wharton School in Philadelphia 1881 die erste Business School in den USA gegründet. Seitdem hat sich die Universität als einer der führenden Wirtschaftsschulen etabliert. Der altehrwürdige Ruf kann den Interessensschwund am Investmentbanking allerdings nicht kaschieren. Als Gründe dafür werden die hohe regulatorischen Einschränkungen im Investmentbanking, die zu langen Arbeitszeiten, der Sexismus in der Finanzbranche und der mangelnde gesellschaftliche Nutzen der Arbeit als Investmentbanker genannt.

Popularitätsverlust: 43 Prozent

Platz 4: Haas School of Business
6 von 9

Die Haas School of Business ist die Wirtschaftsfakultät der Berkeley University in Kalifornien. Gegründet wurde sie 1898. Viele der MBAs auf der Haas School und anderen MBA-Schulen schrecken - neben den Arbeitsbedingungen - auch die milliardenschweren Verluste im Investmentbanking, die Skandale und die sinkenden Boni-Zahlung der vergangenen Jahre ab.

Popularitätsverluste: 44 Prozent

Platz 3: Columbia Business School
7 von 9

Nicht nur das Investmentbanking ist betroffen. Immer mehr Uni-Absolventen meiden auch andere Bereiche des Finanzwesens. So laufen etwa der Versicherungsbranche, den Fondsmanagements und Unternehmensberatungen die Talente davon. Besonders viele der begabten Studenten, die mit der Finanzbranche auf Kriegsfuß stehen, kommen von der Columbia Business School.

Popularitätsverlust: 45,6 Prozent

Der Umfrage des Personalvermittlers zufolge fallen diese etwa vier Mal so hoch aus. Demnach rechnen Private-Equity-Manager im Schnitt mit einem Bonus von gut 104.000 Pfund (umgerechnet 140.000 Euro), während Investmentbanker gerade mal auf rund 24.500 Pfund (33.000 Euro) hoffen. Dazwischen liegen Vermögensverwalter und Beschäftige im Privatkundengeschäft. Sie erwarten einen Bonus von knapp 60.000 Pfund.

Es sind gleich zwei Entwicklungen, die die Entwicklung der Banker-Boni treffen: die von der Europäischen Union vorgeschriebene Begrenzung der Prämien auf maximal das Doppelte des Festgehalts sowie die geschäftlichen Probleme der Banken. Die gesamte Branche kämpft mit höheren Eigenkapitalanforderungen der Aufsichtsbehörden, das macht ihre Geschäfte teilweise unprofitabel. Einige Banken, darunter die Deutsche Bank, haben daher ein Sparprogramm auf den Weg gebracht und wollen Tausende von Mitarbeitern entlassen.

Unternehmen in der Private-Equity-Branche müssen dagegen keinen Bonusdeckel beachten. Jackson von Astbury Marsden sagt daher voraus, dass ein Teil der enttäuschten Investmentbanker sich möglicherweise nach einem neuen Job umsehen und eine Position bei einer Beteiligungsgesellschaft angesichts der höheren Boni dort in Betracht ziehen könnte.

Dass Investmentbanker nicht mehr in dem Maße Rekordverdienste kassieren wie das noch vor Ausbruch der Finanzkrise der Fall war und sich Gehaltsstrukturen grundsätzlich verschieben, das zeichnet sich bereits seit einiger Zeit ab. So hat die Denkfabrik New Financial Anfang vergangenen Jahres vorhergesagt, dass schon bald die Gesamtvergütung, also Boni und Festgehalt zusammengenommen, in der Vermögensverwaltung höher ausfallen dürfte als im Investmentbanking.

Denn die durchschnittlichen Einnahmepakete im Investmentbanking seien seit 2006 um etwa ein Viertel gesunken, während sie in der Vermögensverwaltung parallel dazu um mehr als 20 Prozent gestiegen seien.

 

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