Banker nach Libor-Skandal freigesprochen „SIEG!!!!!!!!!!!!“

Zwei ehemalige Banker der britischen Barclays-Bank sind von einer Londoner Jury freigesprochen worden. Ihnen war die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor vorgeworfen worden. Die Händler freuten sich auf Twitter.
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Jenkins musste in Reaktion auf den Libor-Skandal zurücktreten. Verurteilt wurden nur die beteiligten Händler. Quelle: AFP
Antony Jenkins, Ex-Chef der Barclays Bank

Jenkins musste in Reaktion auf den Libor-Skandal zurücktreten. Verurteilt wurden nur die beteiligten Händler.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDas Verfahren hat sechs Wochen gedauert, nun konnte es abgeschlossen werden. Mit einem für die Angeklagten erfreulichen Ergebnis: Ryan Reich und Stylianos Contogoulas, frühere Händler der britischen Großbank Barclays, wurden für nicht schuldig erklärt. Ihnen war vorgeworfen worden, den Interbankenzinssatz Libor, der den US-Dollar-Kurs festlegt, von 2005 bis 2007 manipuliert zu haben.

Die Jury fällte ihr Urteil nach vier Stunden Beratung. Der Fall war wiederaufgenommen worden, nachdem eine andere Jury im Juli keine Entscheidung hatte treffen können. Ein Ex-Händler freuten sich auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter. „SIEG!!!!!!!!!!!! Die Wahrheit gewinnt immer“, teilte Contogoulas kurz nach Verlesung des Urteils am Donnerstag seinen Followern mit. Sein Kollege Reich war bereits am Vortag freigesprochen worden.

Die jüngsten Freisprüche passen ins Bild: Die seit fünf Jahren andauernden Untersuchungen der britischen Finanzaufsicht U.K. Serious Fraud Office zu den Libor-Manipulationen haben in vielen Fällen nicht zu einer Verurteilung geführt. Das hat der der Aufsichtsbehörde den Vorwurf eingetragen, zwar die jungen Libor-Händler zu verfolgen, die wirklich verantwortlichen älteren Vorgesetzten aber zu verschonen.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
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Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
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Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
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Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
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August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
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März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
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Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
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April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

Vier frühere Kollegen von Reich und Contogoulas hatten weniger Glück vor Gericht: Sie sitzen bis zu fünfeinhalb Jahre lange Haftstrafen ab. Als erster Händler war 2015 Tom Hayes, ein früherer Angestellter der Großbanken UBS und Citigroup, verurteilt worden. Sechs Händler, die mit Hayes konspiriert haben sollen, wurden freigesprochen.

Der Libor-Manipulationsskandal hat der Finanzindustrie schwer geschadet. Nach seiner Aufdeckung musste der Mechanismus zur Wertberechnung vieler in Dollar notierter Finanzprodukte geändert werden. Banken haben mehr als neun Milliarden Dollar Strafe an die Aufsichtsbehörden bezahlt, um für ihre Rolle im Skandal zu büßen. Die öffentliche Empörung führte unter anderem zur Ablösung des Barclays-Vorstandschefs Anthony Jenkins.

Die Libor-Dollar-Rate war vor Aufdeckung des Skandals von 16 Großbanken in einer täglichen Umfrage unter Händler ermittelt worden, um die Kosten für gegenseitige Kredite einschätzen zu können. Die Libor-Rate ist eine wichtige Kenngröße für viele Papiere, darunter Darlehen und Hypotheken, im Gesamtwert von 350 Billionen Dollar.

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