Banking Sparkassen bieten bald Echtzeitüberweisung an – Das müssen Sie zum neuen Service wissen

Die Sparkassen starten am Dienstag mit Überweisungen in Echtzeit – beinahe als Erste in Deutschland. Ein Service mit begrenztem Nutzen.
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Die Sparkassen ermöglichen ab Dienstag Überweisungen in Echtzeit. Quelle: Cultura/Getty Images
Banking-App im Smartphone

Die Sparkassen ermöglichen ab Dienstag Überweisungen in Echtzeit.

(Foto: Cultura/Getty Images)

FrankfurtAb Dienstag kann es für Kunden der Sparkassen ganz schnell gehen: Ihre Geldüberweisung im Onlinebanking oder per Banking-App kann Empfänger binnen Sekunden erreichen. Fast allen der 385 Sparkassen steht die Technik zur Verfügung, die Überweisungen in Echtzeit – auch Sofortzahlungen oder „Instant Payments“ genannt – ermöglicht.

Was bedeuten Überweisungen in Echtzeit genau?

Für Überweisungen in Echtzeit gibt es seit vergangenem November einen europaweiten Standard, wobei die Beträge auf 15.000 Euro begrenzt sind. Echtzeit heißt dabei, dass der Betrag binnen zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben wird. Bei normalen Überweisungen dauert das meist einen Arbeitstag. Blitzüberweisungen, bei denen das Geld sofort transferiert wird, gibt es schon. Aber sie sind mit Preisen von zehn Euro und mehr teuer.

Wer kann den Service nutzen?

Die Hypo-Vereinsbank bietet schon seit November Instant Payments an. Nun folgen die meisten der 385 Sparkassen, die als Marktführer zusammen 40 Millionen Girokonten zählen. Wobei die Hamburger Sparkasse, nach dem Pendant aus Berlin die zweitgrößte Sparkasse, wegen einer IT-Umstellung erst nächstes Jahr startet.

Sofortzahlungen funktionieren aber nur, wenn sowohl das Kreditinstitut desjenigen, der Geld sendet, als auch das des Empfängers die Dienstleistung bereits anbietet. Etwa 20 große Banken in Europa haben sich dem neuen Verfahren angeschlossen, teils können ihre Kunden Echtzeitüberweisungen aber nur empfangen.

Wann folgen die anderen deutschen Banken?

Die Deutsche Bank wird Instant Payments ab dem 20. November ermöglichen. Die Volks- und Raiffeisenbanken setzen das neue Zahlverfahren ebenfalls im November ein. Sie wollen dann die technische Voraussetzung dafür schaffen, dass die Konten für Echtzeitüberweisungen erreichbar sind.

Im kommenden Jahr können ihre Kunden auch selbst Sofortzahlungen auslösen. Andere Banken nennen noch keinen Starttermin. Die Commerzbank meint, dass Instant Payments „sich in einem frühen Stadium“ befänden. Sie wolle ihren Kunden die Bezahlart auch anbieten, sagt aber nicht, ab wann. Auch die Onlinebank ING-Diba hat das Thema im Fokus, kann jedoch noch keinen Starttermin nennen.

Wofür brauchen Kunden Instant Payments?

Bisher nur für Sonderfälle. Um es ganz deutlich zu machen: Normalerweise braucht man Echtzeitüberweisungen nicht. Es reicht in der Regel, wenn das Geld nach einem Werktag auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben wird. Nützlich kann eine Sofortzahlung – dann per Smartphone – aber beim Kauf eines Gebrauchtwagens sein, der üblicherweise in bar gezahlt wird. Der Verkäufer sei abgesichert, weil man eine Zahlung in Echtzeit nicht widerrufen könne, erklärt Christoph Auer von der Beratungsfirma Capco.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel nennt Oliver Hommel, Zahlungsexperte beim Berater Accenture: „Man könnte eine Reisekrankenversicherung noch vor dem Urlaubsstart am Flughafen abschließen und hätte den Schutz sofort verfügbar.“ Möglich wäre, dass Verbraucher eine Eintrittskarte, die Freischaltung für ein Abo oder bei einer Auktion binnen Sekunden zahlen – und Ticket, Abozugang oder Ware sofort erhalten. Dafür aber müssten Onlineshops Instant Payments auch als Bezahlart anbieten.

Kosten Echtzeitzahlungen etwas?

Bei vielen Geldhäusern ja. Während zum Beispiel die Frankfurter Sparkasse und die Nassauische Sparkasse für Instant Payments kein Extraentgelt von Kunden verlangen, müssen private Kunden bei anderen Häusern zahlen. Bei der Stadtsparkasse München beispielsweise 50 Cent, bei der Berliner Sparkasse je nach Kontomodell 25 oder 50 Cent. Bei etlichen anderen Sparkassen staffeln sich die Preise ebenfalls je nach Kontotyp.

Die Deutsche Bank wird je Auftrag 60 Cent verlangen. Experten sehen das Vorgehen der Geldhäuser kritisch: Es werde die Anwendung von Instant Payments „nicht gerade befördern, wenn Banken und Sparkassen dafür ein Entgelt verlangen“, meint Hommel. Ähnlich argumentiert Auer. Er verweist auf mögliche Kosteneinsparungen. Schließlich könnten Banken die bisherigen Systeme abschalten, sobald Instant Payments Standard seien.

Könnten Sofortzahlungen denn künftig zum Standard werden?

Denkbar ist das auf jeden Fall, aber wahrscheinlich nur, wenn Kunden nicht extra zahlen müssen. Bei Handy-zu-Handy-Zahlsystemen sind Instant Payments auch schon integriert. In Großbritannien und in Schweden seien Überweisungen in Echtzeit schon lange üblich, sagt Accenture-Experte Hommel.

„In beiden Fällen hat sich eine Reihe von Banken dafür zusammengeschlossen.“ Auch das Handy-zu-Handy-Zahlsystem der Sparkassen, „Kwitt“, nutzt seit diesem Jahr Instant Payments. Zahlungen werden sofort gutgeschrieben, wenn die gut 800.000 Kwitt-Nutzer unter den Sparkassenkunden Geld verschicken.

Bei den rund 120.000 Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken, die sich Kwitt angeschlossen haben, funktioniert das noch nicht.

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