Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Glas mit Münzen

Bargeld macht den Banken vor allem Arbeit – bringt dafür aber wenig ein.

(Foto: dpa)

Bargeld Wie Banken die Abgabe von Kleingeld verkomplizieren

Die Einzahlung von Bargeld ist vielen Geldhäusern zu aufwändig und lästig. Manche nehmen dafür saftige Gebühren. Unbegrenzt können sie die Kosten aber nicht weitergeben.
Kommentieren

Frankfurt Vor einigen Wochen sorgte die Sparkasse Bochum für Aufsehen. Sie hat die Annahme von Bargeld eingeschränkt – und bestätigt damit einen Trend: Banken mögen kein Bargeld mehr. Es macht ihnen zu viel Arbeit.

Die Kunden mögen es dagegen schon. Sie begleichen immer noch den Großteil ihrer Einkäufe im Geschäft in bar, wenn auch die jeweiligen Summen sinken. Der Anteil der Barzahlungen lag nach Zahlen der Bundesbank zuletzt bei etwa drei Viertel. Nach Volumen gerechnet erreicht er im deutschen Handel immerhin noch knapp die Hälfte des bewegten Geldes.

Die Kunden können bei der Sparkasse Bochum jetzt nicht mehr in allen Geschäftsstellen Münzen und Scheine am Schalter ein- und auszahlen. Möglich ist das nur noch in 34 von 45 Filialen. In den übrigen geht das nur über Automaten. Hinzu kommen ohnehin die Kosten.

Die Grenze, bis zu der die Einzahlung gratis ist, liegt bei der Bochumer Sparkasse bei 50 Münzen. Bei höheren Summen zahlen Kunden drei Prozent der Summe, die sie in Münzen abgeben, mindestens aber 7,50 Euro pro Safebag – das ist eine Plastiktüte, in der lose Münzen abgegeben werden. Am Automaten kostet die Einzahlung drei Prozent, aber mindestens vier Euro.

Das Beispiel zeigt: Man kann eine eigentlich selbstverständliche Dienstleistung, die unmittelbar zum Konto gehört, auch sehr kompliziert ausgestalten. Die Einzahlung von Bargeld ist bei Banken nicht beliebt – sie macht Arbeit und bringt wenig ein. Viele Geldhäuser schränken ihren Service daher ein oder verlangen Gebühren dafür, oft auch eine Kombination von beidem. Nur bei fünf von rund 20 Kreditinstituten, die das Handelsblatt befragt hat, ist die Bareinzahlung für private Kunden komplett gratis.

Besonders weit ist die Sparda-Bank Hannover gegangen. Bei ihr können Kunden seit Anfang des Jahres nur noch in vier der 22 Filialen Münzen am Schalter einzahlen – dafür aber kostenlos. Bei der Berliner Volksbank, der größten Volksbank in Deutschland, dürfen pro Kunde bis zu 99,99 Euro Münzgeld im Monat gratis eingezahlt werden. Für höhere Summen wird eine Gebühr von 5,5 Prozent des Gesamtbetrags fällig.

Die Sparkasse Hannover verlangt bei Summen von mehr als 50 Euro den Preis von 6,50 Euro je Safebag. Die Deutsche Bank wiederum sagt: Bis zu 50 lose Münzen am Tag kann man kostenfrei einzahlen. Darüber hinaus ist eine Gebühr von fünf Euro pro Safebag und 30 Cent pro Münzrolle fällig. Die Grenze bei der Frankfurter Volksbank liegt bei 20 Euro Münzgeld täglich.

Ein anderes Modell fährt die Hamburger Sparkasse: Wer ein Girokonto namens Haspa-Joker hat, das monatlich 7,90 Euro kostet, dem wird für Münzservice nichts extra berechnet. Andere Kunden können bis zu fünf Münzrollen und fünf Safebags pro Monat kostenfrei abgeben. Danach berechnet die Sparkasse je Münzrolle 20 Cent und je Safebag 3,50 Euro. Die Fantasie der Gebührengestaltung scheint bei Bargeldgeschäften besonders groß zu sein.

Immerhin: In den 35 Bundesbank-Filialen kann man Münzen unbegrenzt gratis in Scheine umtauschen. Möglich ist auch, für eine Gebühr von drei Euro Bargeld zugunsten von Behörden oder wohltätigen Organisationen einzuzahlen, die ein Konto bei der Bundesbank haben.

Teurer sind dagegen die Automaten der US-Firma Coinstar. Vor den bundesweit 279 Supermärkten der Kette Real stehen die blauen Geräte. Sie schlucken loses Kleingeld und spucken einen Bon aus, der im Laden für den Einkauf genutzt oder gegen größere Scheine eingetauscht werden kann. Aber das kostet 9,9 Prozent der Summe.

Das Sparschwein bleibt verschont

Nach Ansicht von Verbraucherschützern sollten Kunden die Gelegenheit haben, Bargeld zumindest bis zu einem bestimmten Umfang kostenlos auf ihr Konto einzuzahlen. „Da ein Girokonto der Verwahrung von Geld dient, muss die Möglichkeit bestehen, dieses in handelsüblichem Umfang einzuzahlen“, sagt Gerrit Cegielka von der Verbraucherzentrale Bremen.

Der „handelsübliche Umfang“ bemesse sich nicht nach dem Betrag, sondern nach dem Aufwand. Verbraucherschützer sehen die Grenze bei 50 Münzen. Darüber hinaus „liegt es allein im geschäftspolitischen Ermessen des Kreditinstituts, ob und in welcher Höhe Gebühren verlangt werden“, so Cegielka.

Viele Banken haben in den letzten Jahren die Gebühren erhöht und argumentieren, dass sich der Umgang mit Bargeld in den vergangenen Jahren für sie verteuert habe. Das liegt auch daran, dass sie Münzen seit drei Jahren auf ihre Echtheit und Umlauffähigkeit hin prüfen müssen und dafür neue Prüfautomaten oder externe Dienstleister einsetzen. Eine EU-Verordnung von 2015 verlangt das. Ein Prüfautomat koste 10.000 bis 15.000 Euro, erklärt ein Sprecher des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken. 

Eine weitere Folge der EU-Vorschrift: Die Wiederausgabe der Münzrollen direkt in der Filiale an andere Kunden sei wegen dieser Prüfungen nicht mehr möglich, so die Sparkasse Bochum. Die eingezahlten Münzen müssten in die Hauptgeschäftsstelle transportiert werden.

Die Sparkasse erklärt, dass rund 60 Prozent der abgegebenen Münzen nicht wieder an die Kunden ausgegeben werden und daher zur Bundesbank transportiert werden müssen. „Zurück in die Geschäftsstellen gehen nur so viele Rollen, wie die Filialen für ihre Kunden bestellen“, sagt die Pressesprecherin.

Die Banken können ihre Kosten aber nicht unbegrenzt an die Kunden weitergeben. Darauf zumindest deutet ein Rechtsstreit zwischen Verbraucherschützern und der BBBank hin. Verbraucherschützer hatten 2017 gegen das genossenschaftliche Geldhaus geklagt, weil sie dessen pauschale Gebühr von 7,50 Euro für Bareinzahlungen als zu hoch erachten.

Vor einigen Monaten entschied daraufhin das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 17 U 147/17), dass der Preis der BBBank rechtswidrig ist. Es fehle an einer schlüssigen Erklärung der Bank, die „die Erhebung eines Entgeltes von 7,50 Euro für jede Einzahlung von Münzgeld rechtfertigen könnte“.

Der Druck der Verbraucherschützer hat gewirkt: Die BBBank hat bereits im Januar 2018 entschieden, das Entgelt für Münzgeldeinzahlungen am Schalter zu ändern. Seither können 50 Münzen kostenfrei eingezahlt werden, und darüber hinaus beträgt der Preis weniger als die Hälfte, nämlich nur noch drei Euro.

Immerhin: Bei einigen Kundengruppen zeigen sich die meisten Kreditinstitute kulant. Kinder und Jugendliche, die ihr Sparschwein schlachten und das Geld auf ihr Konto einzahlen wollen, müssen in der Regel nicht mit Gebühren rechnen – selbst wenn sie dabei die ausgewiesenen Obergrenzen für kostenlose Einzahlungen mit ihren Ersparnissen übertreffen. Dies gilt auch für verschiedene karitative Einrichtungen. Das ist so ein bisschen wie früher – als Gebühren für Bareinzahlungen noch undenkbar waren.

Startseite

Mehr zu: Bargeld - Wie Banken die Abgabe von Kleingeld verkomplizieren

0 Kommentare zu "Bargeld: Wie Banken die Abgabe von Kleingeld verkomplizieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote