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Barzahlen Berliner Bargeld-Start-up gewinnt neuen Mehrheitseigner

Während andere Fintechs Apple Pay und WeChat nacheifern, setzt Barzahlen auf Bargeld-Fans. Ein neuer Investor hat nun fast alle Altgesellschafter rausgekauft.
Update: 03.10.2019 - 10:25 Uhr Kommentieren
Mit Barzahlen können Kunden diverser Banken an der Kasse Geld abheben und einzahlen. Quelle: Barzahlen
An der Kasse

Mit Barzahlen können Kunden diverser Banken an der Kasse Geld abheben und einzahlen.

(Foto: Barzahlen)

Frankfurt Das Berliner Fintech Cash Payment Solutions, bekannt unter seiner Marke Barzahlen, hat einen neuen Mehrheitseigner. Wie Co-Gründer Sebastian Seifert dem Handelsblatt bestätigte, hat das international tätige Unternehmen Glory 53 Prozent seines Start-ups erworben.

Der Anbieter von Systemen zum Bargeldmanagement habe Anteile von früheren Investoren übernommen und zusätzlich frisches Kapital bereitgestellt. Als weitere Gesellschafter seien jetzt nur noch die Grenke Bank, Co-Gründer Achim Bönsch und Seifert verblieben. Ihre Anteile seien unverändert. Intern spreche man nun von den „3G“, scherzt Seifert, „Glory, Grenke und Gründer“. Die Genehmigung der Transaktion durch die zuständigen Aufsichtsbehörden stehe noch aus.

Seit der Gründung vor acht Jahren hatten Investoren insgesamt 12,5 Millionen Euro in Barzahlen gesteckt. Zu den Geldgebern gehörten die Alstin Group von Carsten Maschmeyer, Rewe Digital sowie Berlin Technologie Holding (BTH) und diverse Business Angels.

Barzahlen ist eines von vielen Finanz-Start-ups, die sich im Zahlungsverkehr tummeln. Im Gegensatz zu den meisten anderen orientiert sich das Geschäftsmodell jedoch nicht an einer steigenden Verbreitung von Kartenzahlungen. Stattdessen setzen die Gründer auf Verbraucher mit Präferenz für Bargeld.

Im Mittelpunkt stand dabei zunächst das Angebot „online Einkaufen – offline in Partnerfilialen bezahlen“ – auch Rechnungen von Energieversorgern können auf diese Art beglichen werden. Über die inzwischen rund 16.000 Partnerfilialen von Händlern wie Rewe, Rossmann und DM-Drogerie ermöglicht Barzahlen zudem Bargeldabhebungen und -einzahlungen für die Kunden von Online-Banken wie DKB, N26 und Bunq sowie Barauszahlungen des Arbeitslosengeldes. Auch Amazon zählt seit vergangenem Jahr zu den nach eigenen Aussagen inzwischen mehr als 600 Kunden.

Gründer wollen Barzahlen „langfristig“ treu bleiben

Die Gründer Seifert und Bönsch haben sich nun als Geschäftsführer dazu verpflichtet, Barzahlen „langfristig“ treu zu bleiben. „Ich werde noch mindestens fünf Jahre im Unternehmen bleiben“, sagt Seifert. „In der Start-up-Szene ist das eine Ewigkeit, doch die Arbeit macht mir weiterhin großen Spaß und ich bin davon überzeugt, dass wir erst am Anfang unserer Reise stehen.“

Auch mit dem neuen Mehrheitseigner soll Barzahlen „als unabhängiges Unternehmen bestehen bleiben“, sagt Seifert. „Uns war es sehr wichtig, dass wir weiterhin möglichst große Freiheiten haben, deshalb dürfte sich in unserem täglichen Geschäft künftig wenig ändern.“

Zur Höhe des Investments und der Bewertung seines Unternehmens äußert sich der Gründer nicht. „Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart“, sagt er. Auch zu seinen Geschäftszahlen gibt er sich bedeckt, nur so viel: „Wir wickeln pro Jahr eine deutlich siebenstellige Zahl an Transaktionen ab.“ Die erste Million habe man also schon lange hinter sich gelassen.

Der neue Mehrheitseigner Glory bezeichnet sich selbst als „weltweit führenden Anbieter von Bargeldmanagementlösungen“. Im vergangenen Jahr feierte das Unternehmen mit japanischen Wurzeln sein 100-jähriges Firmenjubiläum. Zu seinen Produkten zählen Bargeldverarbeitungsmaschinen, Cash-Management-Systeme sowie Verkaufs- und Serviceautomaten.

Der Einstieg von Glory bringt Barzahlen zusätzliches Kapital. „Das ist hilfreich und damit können wir vor allem neue Mitarbeiter einstellen“, sagt Seifert – aktuell habe er rund 60 Mitarbeiter. „Noch stärker werden wir aber von Glorys strategischer Unterstützung profitieren.“ Mit dem Einzelhandel und den Banken habe man gemeinsame Kunden. „Glory kann uns helfen, unsere Bekanntheit im Ausland zu steigern und unsere Internationalisierung schneller voranzutreiben.“

Nach dem Marktstart in Deutschland war Barzahlen zunächst nach Österreich, in die Schweiz und nach Italien expandiert. In einer zweiten Welle versucht das Unternehmen aktuell in Frankreich, Spanien und Polen Fuß zu fassen. „Ob in der nächsten Welle auch ein Markt außerhalb Europas dabei sein wird, diskutieren wir gerade. Auf jeden Fall ist Internationalisierung unser wichtigstes Ziel“, betont Seifert.

Aus Sicht des neuen Mehrheitseigners Glory soll Barzahlen dazu beitragen, „die Idee eines neuen Bargeldmanagementsystems umzusetzen“. Zudem sei man überzeugt, dass Barzahlen zur Wertsteigerung des traditionellen Geschäfts beitragen werde, hieß es in einer Meldung des Unternehmens.

Carsten Maschmeyer, Managing Partner der Alstin Group, lobte bei Bekanntgabe des Anteilsverkaufs sowohl die Gründer als auch das Produkt des Start-ups: „Barzahlen ist ein eindrucksvolles Beispiel, dass die Gründer das Wichtigste sind“, sagte er. Schon damals, als Alstin in das Unternehmen eingestiegen sei, hätten ihn Seifert und Bönsch durch „ihre Begeisterung, Willens- und Tatkraft sehr beeindruckt“. Er habe damals schon investiert, bevor das Produkt an den Markt gebracht worden sei.

Mehr: Bezahl-Apps von Volksbanken und Sparkassen werden kaum genutzt.

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