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BBB-Rating Ratingagentur Fitch verliert die Geduld mit der Deutschen Bank

Die Bonitätsnote des Instituts sinkt auf „BBB“, weil Fitch schnelle Fortschritte bei der Bank vermisst. Noch eine Abstufung kann sich die Bank nicht mehr leisten.
Update: 08.06.2019 - 00:18 Uhr Kommentieren
Auf dem Weg zum Ramsch-Status? In der jüngsten Bonitätszurückstufung zeigen sich die anhaltenden Schwierigkeiten und ungenügenden Fortschritte bei der Profitabilität der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Deutsche Bank

Auf dem Weg zum Ramsch-Status? In der jüngsten Bonitätszurückstufung zeigen sich die anhaltenden Schwierigkeiten und ungenügenden Fortschritte bei der Profitabilität der Deutschen Bank.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsnote der Deutschen Bank gesenkt. Die Bonitätswächter senkten das langfristige Emittentenrating der Bank um eine Stufe auf „BBB“, teilte Fitch am Freitag mit. Damit liegt die Note am unteren Ende des Bereichs, mit der ein Unternehmen als solider Schuldner gilt. Das Rating, das für Derivate-Geschäfte der Bank relevant ist, sank um eine Stufe auf „BBB+“.

Die Begründung der Ratingagentur liest sich wie ein Misstrauensvotum gegen das größte deutsche Kreditinstitut: Fitch schrieb, die Herabstufung reflektiere „die fortgesetzten Schwierigkeiten und den begrenzten Fortschritten der Bank, ihre Profitabilität zu steigern und ihr Geschäftsmodell zu stabilisieren“. Außerdem sei die Preissetzungsmacht der Deutschen Bank im deutschen Privatkundengeschäft verglichen mit globalen Wettbewerbern nicht stark genug, um das auszugleichen.

Den Ratingausblick hielt sich Fitch mit dem Attribut „evolving“, also „sich entwickelnd“ noch offen. Das Rating könne „mit der Zeit“ davon profitieren, falls es der Bank gelinge, ihr Geschäftsmodell zu stärken. Scheitert die Bank damit, ihre Schwächen zu beheben, könnten die Ratings allerdings auch weiter sinken.

Die Ratingagentur reagierte damit wohl auch auf die von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing auf der Hauptversammlung angedeuteten Restrukturierungen im Investmentbanking. Sewing hatte „harte Einschnitte“ versprochen und angekündigt, sich stärker auf stabile Geschäftsaktivitäten zu konzentrieren. Außerdem will das Institut die Kosten weiter senken und die Postbank schneller in ihr Privatkundengeschäft integrieren.

Solche Maßnahmen könnten das Geschäftsmodell der Bank stabilisieren und akzeptable Renditen generieren, „wenn sie effektiv und zügig eingeführt werden“, schreibt Fitch. Dann sei eine bessere Bonitätsnote möglich. „Wir glauben jedoch, dass eine weitergehende Restrukturierung schwer umzusetzen wäre“, schränkt Fitch ein. Scheitere die Bank damit, einen Geschäftsmix mit angemessenen Renditen zu etablieren, könne dies auch zu einer weiteren Ratingherabstufung führen.

Die Deutsche Bank erklärte in Reaktion auf die Herabstufung, sie erkenne die Herausforderungen an, die Fitch benannt hat. „Das sind auch jene Bereiche, auf denen unser Schwerpunkt liegt. Der Vorstand hat das Ziel, in den Kerngeschäftsfeldern zu wachsen und die Profitabilität zu steigern.“

Druck auf Deutsche Bank erhöht

Für die Bank ist das niedrigere Rating eine schlechte Nachricht. Zum einen steigen die Finanzierungskosten eines Unternehmens am Kapitalmarkt, wenn sich seine Ratings verschlechtern. Bei Banken kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Gerade im Derivategeschäft achten viele Investoren auf Indikatoren wie Ratings oder die Risikoprämien von Kreditderivaten, wenn es darum geht, mit welchen Geldhäusern sie wie viel Geschäft machen wollen. Schlechte Ratings sind daher auch schlecht für’s Geschäft. Für Finanzvorstand James von Moltke ist es eine erklärte Priorität, die Ratings stabil zu halten oder zu verbessern. Die Rating-Aktion von Fitch ist in dem Zusammenhang ein Rückschlag, der den Druck auf das Geldhaus noch erhöht.

Das gilt umso mehr, als auch die Ratingagentur Moody’s das Rating der Deutschen Bank mit einem negativen Ausblick versehen hat. Das bedeutet, dass Moody’s eher mit einer weiteren Verschlechterung anstelle einer Verbesserung der Bonitätsnote rechnet. Mit „A3“ ist die Bonitätsnote allerdings noch um zwei Stufen besser als die von Fitch. Zumindest die Ratingagentur Standard & Poor’s hat das aktuelle Rating der Bank, das aktuell bei „BBB+“ liegt vor kurzem mit einem stabilen Ausblick bestätigt.

Aktie nähert sich Rekordtief

Schon jetzt notiert der Aktienkurs unter der Marke von sechs Euro und damit nahe eines Rekordtiefs. Dazu haben neben den spezifischen Deutsche-Bank-Problemen auch einige Faktoren beigetragen, unter denen derzeit alle europäischen Banken leiden: Ein Ende der Niedrigzinsphase ist derzeit nicht abzusehen und auch die Italien-Krise belastet den europäischen Bankensektor.

Allerdings sitzt das Misstrauen der Investoren gegenüber der Deutschen Bank besonders tief: Das zeigen die zum großen Teil schlechten Bewertungen der Bank durch Aktienanalysten, die bei der Deutschen Bank besonders oft zum Verkauf raten. Außerdem ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Bank, also der Börsenwert in Relation zum Eigenkapital, bei der Deutschen Bank besonders niedrig: Er liegt bei etwa einem Fünftel. Das zeigt, dass die Bank auch unter ganz individuellen Problemen leidet.

Mehr: Ehemalige und amtierende Topmanager der Deutschen Bank sollen von Cum-Ex-Geschäften gewusst haben. Auch der ehemalige Co-Chef Jain steht auf der Liste der Ermittler.

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