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Begehrte Geldverschieber Warum Zahlungsdienstleister aktuell so gefragt sind

Die Branche der Zahlungsdienstleister boomt, zugleich tobt ein harter Konkurrenzkampf. Tech-Konzerne haben den Markt entdeckt – anders die Banken.
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Attraktiver Markt für Dienstleister. Quelle: imago/Science Photo Library
Zahlungsverkehr

Attraktiver Markt für Dienstleister.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Frankfurt, New York Wer wissen will, wie verrückt es derzeit in der Branche der Zahlungsdienstleister zugeht, muss nach Bamberg schauen. Im beschaulichen Franken residieren die Firma Computop und ihr Co-Chef Ralf Gladis. Gladis hat eine Art Luxusproblem: Er will Computop auf keinen Fall verkaufen, weder heute noch morgen. Beim Netzwerk LinkedIn ignoriert Gladis Anfragen von Managern, die für potenzielle Aufkäufer arbeiten. „Firewall gegen Finanzinvestoren“ nennt er diese Praxis.

„Wir verhandeln nicht mit Investoren, egal ob es um Finanzinvestoren geht oder um ein anderes Unternehmen“, sagt der Mitgründer und Geschäftsführer, dem 50 Prozent des Unternehmens gehören. Vor einigen Tagen verschickte Computop sogar eine Pressemitteilung zu dem Thema. Computop stehe nicht zum Verkauf und befinde sich auch nicht in einem Verkaufsprozess, heißt es darin, das „nicht“ jeweils gefettet. Wer das Gegenteil behaupte oder andeute, betreibe „mutwillig Falschinformation“.

Mit der ungewöhnlichen Mitteilung reagierte Gladis auf die hartnäckigen Gerüchte, dass Verhandlungen über eine Übernahme von Computop liefen. Dabei hätten der Co-Chef und die anderen Anteilseigner bei einem Verkauf einiges zu gewinnen. Beobachter taxieren den Wert der mittelständischen Firma mit 140 Mitarbeitern, die große Kunden wie die Autovermietung Sixt, den Handelskonzern Otto Group und den Textfilialisten C&A bedient, auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Viel Geld – und ein Beispiel dafür, dass die gesamte Branche immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das liegt auch an der jüngsten Serie der Milliardenübernahmen: Binnen weniger Monate haben drei US-Zahlungsdienstleister Zukäufe angekündigt. Insgesamt summieren sich die Deals auf über 80 Milliarden Dollar (71 Milliarden Euro). Der jüngste spektakuläre Zukauf: Ende Mai gab der US-Zahlungsdienstleister Global Payments bekannt, Total System Services (TSYS) zu übernehmen.

„Die jüngsten Übernahmen waren alle sehr teuer“, sagt Martina Weimert, Partnerin der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Aber es gebe noch viel Potenzial. Das hat vor allem einen Grund: Das Geschäft boomt. Verbraucher zahlen weltweit immer weniger mit Bargeld, wodurch die Volumina von Karten- und Onlinezahlungen rasant steigen. Die Branche scheine auf so etwas wie eine „goldene Zeit“ zuzusteuern, schrieb die Beratungsfirma McKinsey jüngst.

Sie prognostiziert, dass die Erträge im Zahlungsverkehr weltweit von zuletzt knapp 1,9 Billionen Dollar jährlich auf gut 2,9 Billionen Dollar im Jahr 2022 nach oben schnellen werden, wobei ein großer Teil aus Schwellenländern kommt und auch Erlöse aus Girokonten sowie Zinsgeschäften mitgerechnet werden.

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Das macht Zahlungsdienstleister attraktiv, die mitunter stark spezialisiert sind und grob gesagt zwei verschiedene Services anbieten: Ein Teil der Unternehmen kümmert sich um den juristischen Vertragsrahmen und wickelt bargeldlose Transaktionen ab. Sie sorgen also dafür, dass das Geld vom Verbraucher zum Händler wandert, im Fachjargon werden diese Firmen „Acquirer“ genannt.

Andere Anbieter, sogenannte „Payment Service Provider“, wie beispielsweise Computop, bauen als IT-Dienstleister verschiedene Zahlungsmethoden – Kreditkarte, Paypal, Kauf auf Rechnung – in die Onlineshops ein, oft inklusive Betrugsprävention und Abrechnung. Und einige Firmen wie Adyen aus Amsterdam sowie Wirecard aus München sind dafür bekannt, dass sie seit Langem beides aus einer Hand erledigen.

Welche hohen Erwartungen Investoren an die Zukunft der Zahlungsdienstleister richten, zeigt Adyen: Binnen eines Jahres ist die Aktie um 44 Prozent nach oben geschossen. Wirecard erlebt dagegen eine Achterbahnfahrt an der Börse: Die Münchener Firma, erst im vergangenen Herbst in den deutschen Leitindex Dax aufgestiegen, kommt nicht aus den Schlagzeilen.

In der Niederlassung in Singapur kam es zu bilanziellen Unregelmäßigkeiten, Investoren kritisieren die Konzernstruktur als intransparent und die Kommunikation als mangelhaft.

Auch Adyen und Wirecard gelten aus Unternehmen, an denen größere Spieler aus der Branche Interesse haben könnten. Experten gehen davon aus, dass die Fusionswelle weiter rollt: Es sei bisher ein „geschäftiges Jahr mit großen Deals, die die Branche wandeln“, schreibt Sanjay Sakhrani, Analyst der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods. Seiner Ansicht nach setzt sich der Trend zur Konsolidierung wahrscheinlich fort – unter anderem wegen des wachsenden Wettbewerbs unter Zahlungsdienstleistern.

Gerade in Europa ist der Markt noch relativ zersplittert – trotz etlicher Deals im vergangenen Jahr, auch hier wurde die Milliardenmarke mehrfach geknackt. „ Die Trends sind ähnlich wie in den USA, allerdings ist der Zahlungsverkehr in Europa noch stark an den einzelnen nationalen Märkten ausgerichtet“, meint Reinhard Höll, Zahlungsverkehrsexperte bei McKinsey.

Wettbewerbshüter dürften europäischen Payment-Champion nicht akzeptieren

Das könnte sich ändern, auch „weil die EU-Kommission auf einen einheitlichen europäischen Zahlungsverkehr drängt“. Gleichwohl dürften die EU-Wettbewerbshüter große Zusammenschlüsse oder gar einen europäischen Payment-Champion nicht akzeptieren.

Markus Ampenberger, Zahlungsexperte beim Berater Boston Consulting Group, weist darauf hin, dass nicht nur strategische Investoren Interesse an Zukäufen in der Branche haben, sondern auch Finanzinvestoren. Einige Zahlungsdienstleister gehören bereits Private-Equity-Fonds – und manche haben offenbar auch Computop im Visier.

Größenvorteile werden in der Branche immer wichtiger. Ein Grund dafür ist der harte Konkurrenzkampf vor allem unter den Zahlungsabwicklern. Sie erhalten nur einen kleinen Anteil der über sie abgewickelten Umsätze. Besonders in Europa sind die Gebühren gedeckelt. „Angesichts des Wettbewerbs fehlt den meisten Unternehmen die Zeit, nur organisch zu wachsen“, erklärt Weimert.

Wer nicht geschluckt werden will, muss selbst zukaufen – oder neue Geldgeber finden. Der Heidelberger Zahlungsabwickler Heidelpay etwa sucht nach einem neuen Investor oder Käufer und sondiert derzeit den Markt, wie Firmenchef Mirko Hüllemann kürzlich sagte. Heidelpay wolle weiterwachsen, „und das geht in einem Markt, der sich gerade konsolidiert, nur mithilfe von Zukäufen“.

Obendrein werden die Händler, besonders die großen, global agierenden, anspruchsvoller. Sie verzahnen ihr Geschäft online und im Laden – und das über Ländergrenzen hinweg. Um ausreichend Gewinne zu erwirtschaften und um in immer neue Technologien und Services für Händler zu investieren, ist ein großer Marktanteil wichtiger denn je.

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