Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Berater engagiert Risikoanalyse für die Commerzbank: Der Bund lässt seine Staatsbeteiligung überprüfen

Berater sollen für die Deutsche Finanzagentur Optionen für die Beteiligung an der Commerzbank durchrechnen. Das steckt hinter dem Auftrag des Bundes.
Kommentieren
Die Bank will im Herbst eine neue Strategie präsentieren. Quelle: dpa
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Die Bank will im Herbst eine neue Strategie präsentieren.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bis Herbst will die Commerzbank eine neue Strategie für die nächsten Jahre erarbeiten. Und auch der größte Aktionär, der deutsche Staat, beschäftigt sich eingehend mit Optionen für das schwächelnde Frankfurter Geldhaus.

Die Finanzagentur, die die Commerzbank-Beteiligung des Bundes von 15,6 Prozent verwaltet, hat auf dem „Deutschen Vergabeportal„ deshalb Anfang des Monats ein Beratungsmandat ausgeschrieben. „Die Finanzagentur beabsichtigt mit diesem Vergabeverfahren, externe Beratung zur Bewertung der von der Commerzbank angekündigten Veröffentlichung einer neuen Strategie im Herbst 2019 hinzuzuziehen“, heißt es in der Ausschreibung, über die zuerst die „Börsen-Zeitung“ berichtet hatte.

Das Beratungsunternehmen, das den Zuschlag bekommt, soll eine Bewertung der strategischen Ausrichtung der Commerzbank vornehmen und Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken benennen. „Ziel ist die ergebnisoffene Prüfung und Beurteilung der Beteiligung und die Ableitung von strategischen Empfehlungen für das Beteiligungsmanagement.“

Dabei sollen die Berater „mögliche Handlungsoptionen“ der Commerzbank (CBK) aufzeigen und bewerten, heißt es in den Unterlagen. „In diesem Zusammenhang sollen sowohl die Möglichkeiten des organischen als auch des anorganischen Wachstums (z. B. Joint Ventures, Zukäufe der CBK, Kooperationen, Realisierung von Wertpotentialen durch Verkäufe von Teilen) beleuchtet werden.“ Die Commerzbank äußerte sich dazu nicht. Eine Sprecherin der Finanzagentur erklärte: „Unsere Handlungsoptionen haben wir fortlaufend im Blick. Das erfordert selbstverständlich eine ergebnisoffene Bewertung der strategischen Neuausrichtung der Commerzbank.“

Ein Verkauf der gesamten Commerzbank, über den in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder spekuliert worden ist, wird in den Unterlagen nicht als Prüfauftrag genannt. Eine Veräußerung ist nach der Ende April geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank auf absehbare Zeit ohnehin unwahrscheinlich. Denn potenzielle Käufer wie ING und UniCredit haben Finanzkreisen zufolge aktuell kein Interesse an der Übernahme des Instituts.

Der Bund hat zudem wiederholt deutlich gemacht, dass er es mit einem Verkauf der Commerzbank-Beteiligung nicht eilig hat. Aus Sicht von Beobachtern dokumentiert der Bund mit der Prüfung, dass er bei der Suche nach einer neuen Strategie nicht nur zuguckt, sondern sich aktiv einbringt. Die Finanzagentur, bei der sich nur einige wenige Leute um Altlasten aus der Finanzkrise kümmern, könne das nicht aus eigener Kraft stemmen.

Manche Beobachter sind der Ansicht, dass der Bund durch die öffentliche Ausschreibung auch Druck auf das Commerzbank-Management ausübt und diesem verdeutlicht, dass im Rahmen des Strategieprozesses alles auf den Prüfstand gestellt werden müsse.

Viele Experten sind schließlich der Ansicht, dass kleine strategische Anpassungen bei der Commerzbank angesichts der schwachen Zahlen und der schwierigen Rahmenbedingungen nicht ausreichen würden. Mithilfe der Prüfung könnte der Bund auch ausloten, ob es die Möglichkeit gibt, neue Investoren an Bord zu holen.

Aktie im freien Fall

Die Commerzbank leidet unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem harten Wettbewerb um Privat- und Firmenkunden in Deutschland. Zudem besteht die Gefahr, dass im Zuge der Konjunkturabkühlung mehr Unternehmen Pleite gehen und in der Folge die Zahl der Kreditausfälle steigt. Im ersten Halbjahr stieg die Risikovorsorge bei der Commerzbank bereits um 60 Prozent an.

Unter dem Strich ging der Gewinn im ersten Halbjahr um über ein Viertel auf 391 Millionen Euro zurück. Das Ziel, den Vorjahresgewinn von 865 Millionen Euro im Jahr 2019 zu übertreffen, ist „vor dem Hintergrund der Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr sowie der sich spürbar eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Lage und der zunehmend von Unsicherheit geprägten geopolitischen Situation deutlich ambitionierter geworden“, warnte Deutschlands zweitgrößte Privatbank am Mittwoch.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Commerzbank ihre Strategie im Herbst möglicherweise stärker anpassen wird als ursprünglich geplant. Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank hatte Vorstandschef Martin Zielke noch betont, dass er keinen Anlass für grundlegende Änderungen sieht. Das Management prüfe lediglich, „ob wir an der einen oder anderen Stelle noch einmal nachschärfen“, sagte er dem Handelsblatt Ende April

Gut drei Monate später hat sich seine Wortwahl spürbar verändert. „Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu“, erklärte Zielke diese Woche. „Dies wird vermutlich weitere Investitionen erfordern, und genau das prüfen und bewerten wir im aktuellen Strategieprozess.“

Auch die Finanzagentur will die wirtschaftliche Lage der Commerzbank von einem Berater nun detailliert analysieren lassen. Dabei sollten unter anderem die Erträge der Kerngeschäftsbereiche, Kosteneinsparungen und der Beitrag der Digitalisierung zum Unternehmenserfolg beleuchtet werden, heißt es in der Ausschreibung. Die Finanzagentur will den Auftrag zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember vergeben. Die Beratungsleistungen sollen dann „voraussichtlich in einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten erfolgen“.

Der Staat hatte die Commerzbank in der Finanzkrise vor dem Aus gerettet. Aktuell ist er noch mit gut 15 Prozent am Geldhaus beteiligt. Diese Beteiligung, die den Staat einst gut fünf Milliarden Euro kostete, ist aktuell nur noch rund eine Milliarde Euro wert.

Die Commerzbank-Aktie hat seit Mitte April rund einen Drittel ihres Wertes verloren und ist auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren gefallen. Auch am Freitag ging es weiter bergab. Das Papier fiel bis zum Mittag um gut drei Prozent auf 5,22 Euro.

Mehr: Die Zinsflaute und die Konjunkturabkühlung haben der Commerzbank im ersten Halbjahr zugesetzt. Der Druck auf das Management steigt.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Berater engagiert - Risikoanalyse für die Commerzbank: Der Bund lässt seine Staatsbeteiligung überprüfen

0 Kommentare zu "Berater engagiert: Risikoanalyse für die Commerzbank: Der Bund lässt seine Staatsbeteiligung überprüfen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote