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Berkshire Hathaway Trotz Milliarden-Verlusten – Star-Investor Buffett sucht den nächsten großen Deal

Buffets Konglomerat hat gerade einen der größten Verluste seiner Unternehmensgeschichte eingefahren – doch der 88-Jährige blickt optimistisch in die Zukunft.
Update: 24.02.2019 - 15:12 Uhr Kommentieren
Der Star-Investor lässt sich von den Verlusten seines Unternehmens nicht aufhalten. Quelle: Reuters
Warren Buffett

Der Star-Investor lässt sich von den Verlusten seines Unternehmens nicht aufhalten.

(Foto: Reuters)

New YorkWarren Buffett ist genervt. Eine neue Bilanzierungsregel zwingt ihn seit einem Jahr, die Aktienportfolios zu aktuellen Kursen zu bewerten und in den Quartalsergebnissen zu verbuchen. Das führt zu heftigen Schwankungen. Im vierten Quartal meldete der Chef des Konglomerats Berkshire Hathaway einen Verlust von 25,4 Milliarden Dollar, einen der größten der Unternehmensgeschichte.

„Weder Berkshires stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender, Charlie Munger, noch ich glauben, dass das eine sinnvolle Regel ist“, schimpfte Buffett in seinem Brief an die Investoren. Den veröffentlichte er am Samstag zeitgleich mit den Quartalsergebnissen. Der Großteil des Verlusts ist schließlich auf sein großes Aktienportfolio zurückzuführen, das Ende vergangenen Jahres 173 Milliarden Dollar schwer war.

Im vierten Quartal waren die Märkte besonders schwach und von großen Kursschwankungen geprägt. An mehreren Tagen habe Berkshire daher Gewinne und Verluste von mehr als vier Milliarden Dollar verbucht. Die Ausschläge seien damit doppelt so hoch gewesen wie sonst, erklärte Buffett.

Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 ist von Oktober bis Dezember um 14 Prozent eingebrochen. Besonders sein zweitgrößtes Investment, Apple, verlor in dem Zeitraum fast 40 Prozent an Wert. Seitdem haben sich sowohl Apple als auch die Aktienmärkte insgesamt wieder spürbar erholt.

Unerwarteten Ärger gab es für Buffett auch wegen Kraft Heinz. Berkshire hält knapp 27 Prozent an dem fünftgrößten Lebensmittelhersteller der Welt und ist der größte Einzelinvestor. Der Konzern schockierte am Donnerstag die Wall Street, nachdem er milliardenschwere Abschreibungen auf seine wertvollsten Marken und eine Untersuchung der Börsenaufsicht bekanntgegeben hatte. Berkshire musste eine Wertminderung von drei Milliarden Dollar verbuchen.

Im gesamten Jahr 2018 machte Buffetts Konzern noch einen Gewinn von vier Milliarden Dollar, ein Jahr zuvor war es – auch dank der Steuersenkungen der US-Regierung – noch ein Plus von fast 45 Milliarden Dollar.

Operativ dagegen geht es dem Konglomerat aus Omaha, im US-Bundesstaat Nebraska, blendend. Der operative Gewinn stieg im vierten Quartal um mehr als 70 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar. Zu Berkshire gehören unter anderem eine Versicherungs-, eine Industrie- und eine Energiesparte sowie der Eisenbahnbetreiber BNSF. Alle haben deutlich zugelegt.

Aufs Jahr gesehen meldete Berkshire sogar einen Rekordgewinn von rund 25 Milliarden Dollar. Ein wichtiges Signal: Auch die Versicherungssparte kehrte nach einem Verlust im Jahr 2017 wieder in die Gewinnzone zurück. Das Geschäft mit Versicherungen „ist Berkshires Motor, schon seit 1967“, schrieb Buffett. Damals übernahm er den Schadensversicherer National Indemnity für 8,6 Millionen Dollar. „Heute ist es der größte Schadensversicherer weltweit.“

Buffett, der Berkshire seit 54 Jahren führt, nutzte schon früh die Versicherungsprämien, um sie an anderer Stelle gewinnbringend zu investieren. Das Modell habe Berkshire zu einem einzigartigen Konzern gemacht und sei ein wesentlicher Grund dafür, warum das Unternehmen „als Ganzes viel mehr Wert ist als seine Teile“.

Einen wichtigen Beitrag zum Konzerngewinn leisteten auch die rund 80 mittelständischen Unternehmen, die ebenfalls zu Buffetts Konzern gehören, darunter T-Shirt-Hersteller Fruit of the Loom, die Turnschuh-Marke Brooks und Net Jets, ein Leasing-Anbieter für Privatflugzeuge. Sie trugen fast 17 Milliarden Dollar zum Jahresgewinn bei.

Wie geht es weiter mit Kraft Heinz?

Offen ließ Buffett indes, wie es mit Kraft Heinz weitergehen soll. Der Berkshire-Chef hatte gemeinsam mit der amerikanisch-brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G im Jahr 2013 zunächst die Übernahme von Heinz finanziert und zwei Jahre später die Fusion von Heinz und Kraft. Beides hatte bei Berkshires Aktionären für Kritik gesorgt. 3G ist für brutale Kosteneinsparungen bekannt, eine Strategie, die eigentlich nicht zu Buffetts Stil passt.

Der Starinvestor ist dafür bekannt, dass er den Berkshire-Unternehmen größtmögliche Freiheiten lässt und sich nicht operativ einmischt. Doch Buffett machte seinen Aktionären bereits 2013 klar, dass es nicht genügend gut geführte Unternehmen gebe, die Berkshire übernehmen kann. Also setzt er auf die Partnerschaft mit den Restrukturierungsspezialisten, die die Arbeit machen.

3G setzt auf die sogenannte „Zero-Based Budgeting“-Methode: Jedes Jahr fängt jede Abteilung eines Unternehmens mit einem „nullbasierten Haushalt“ an. Mit anderen Worten: Es gilt nicht mehr das Budget vom Vorjahr, jede Ausgabe muss neu gerechtfertigt werden, Besitzstände und Statusdenken gibt es im Prinzip nicht mehr. Das ist zwar ein aufwendiges Verfahren, erhöht aber die Kontrollmöglichkeiten für den Vorstand.

Allerdings erschwert der knallharte Fokus auf das Kostensenken ein organisches Wachstum der von 3G geführten Konzerne. Die Folge: Immer neue Übernahmen müssen her, um die Weiterentwicklung zu sichern. Die 143 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Unilever war Anfang 2017 jedoch gescheitert. Seitdem hat es keine weiteren Versuche gegeben.

„Der Kurseinbruch von Kraft Heinz wirft eine wichtige Frage auf: Ist das Problem vor allem auf 3G zurückzuführen, weil die Kosteneinsparungen zu weit gegangen sind und sie zu hohe Schulden haben, oder haben sie schlicht auf die falsche Branche gesetzt?“, fragt Doug Kass vom Hedgefonds Seabreeze Partners Management. Er rät schon länger davon ab, Aktien von Nahrungsmittelherstellern zu kaufen. Fertiggerichte und abgepackte, ungesunde Snacks kommen bei den Kunden zunehmend schlechter an.

Auch wenn Buffett selbst ein großer Fan von Limonaden, Keksen und Eiscreme ist. Auch der Getränkehersteller Coca-Cola, bei dem Berkshire schon seit den 80er-Jahren investiert ist und mittlerweile gut neun Prozent der Anteile hält, hat ähnliche Absatzprobleme.

Investoren begrüßen Buffetts Zurückhaltung. „Viele der überteuerten Übernahmen, die wir in der Konzernwelt sehen, werden sich irgendwann rächen“, sagt Thomas Kleber, Investmentchef des Vermögensverwalters Pecora Capital in New York, der selbst seit Jahren Berkshire-Aktien hält. „Buffett hat klargemacht, dass er das nicht mitmacht, und das ist genau die richtige Strategie. Er wird zuschlagen, wenn die Preise wieder günstig werden.“

Über die Frage, wer ihm eines Tages an der Spitze von Berkshire nachfolgen wird, schwieg sich Buffett wie gewohnt aus. Er gab jedoch einen wichtigen Hinweis: Vor einem Jahr beförderte er den Chef der Versicherungsspate, Ajit Jain, und den Chef der Energiesparte, Greg Abel, zu stellvertretenden Verwaltungsratschefs und gab ihnen damit auch größere Verantwortung für das operative Geschäft.

Es sei eine gute und längst überfällige Entscheidung gewesen, attestierte Buffett nun. „Berkshire ist deutlich besser geführt als früher, als ich allein die Geschäfte beaufsichtigt habe.“ Die Berkshire-Aktie, die teuerste Aktie der Welt, lag am Freitag nachbörslich knapp zwei Prozent im Minus und kostete 302.000 Dollar.

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